Böser Streich : Sabotage an Maibaum in Hassel

Beim Fest in Rohrbach standen politische Themen im Mittelpunkt. Verdi-Sekretär Christian Umlauf war Hauptredner.

„Natürlich sollten Sie die SPD wählen“, sagte Herdis Behmann am Dienstagabend, als sie die Gäste des Maibaumstellens auf dem Platz vor der Rohrbachhalle begrüßte. Dabei konnte man ein leichtes Grinsen bei der SPD-Ortsvereinsvorsitzenden sehen. So verständlich Behmanns Wunsch auch war, genauso wird er bei einem Teil der Besucher nicht in Erfüllung gehen. Offensichtlich wegen der bevorstehenden Kommunalwahl hatten sich nämlich so viele Vertreter anderer Parteien bei der ersten Freiluftveranstaltung des Jahres im Stadtteil eingefunden wie schon lange nicht mehr. Als „fünf sehr angenehme Jahre“ bezeichnete die die SPD-Vorsitzende die Zeit im Ortsrat. Gleichzeitig verwies sie darauf, dass Störfeuer immer aus einer Ecke gekommen wären. „Wir hoffen, es geht bald los“, brachte sie die Hoffnung auf einen baldigen Baubeginn des neuen Feuerwehrgerätehauses zum Ausdruck. Der Stadtrat habe nichts verzögert, betonte die Chefin der Sozialdemokraten.

Christian Umlauf, Verdi-Gewerkschaftssekretär mit Zuständigkeitsbereich Verkehrsgewerbe, erinnerte anlässlich des Jubiläums „100 Jahre 1. Mai“ an die Anfänge des Gedenktages. Es sei eine schwere Zeit gewesen, als die Nationalsozialisten den Tag gleichgeschaltet und so missbraucht haben. Umlauf sieht - angesichts dessen, das die AfD in Leipzig den 1. Mai für eigene Kundgebungen nutzt - darin einen weiteren tagesaktuellen Missbrauch. Kritik übte der Gewerkschaftsfunktionär auch an der Tarifflucht der Arbeitgeber. Nur noch 27 Prozent der Betriebe sind an Tarife gebunden, so Umlauf. Zwar verhandelten diese mit den Gewerkschaften, doch hielten sich nicht an die Ergebnisse. Viele Unternehmen umgingen gar die Tarife, indem sie Tochtergesellschaften gründeten. So habe alleine die Deutsche Telekom 100 Tochterunternehmen. „Das ist etwas, was wir dringend ändern müssen“, forderte Christian Umlauf kämpferisch und sah darin auch eine Signalwirkung für andere.

Deutlich war der Schnitt im Stamm des Maibaumes zu erkennen. Foto: Florian Jung

Deutliche Kritik übte der Gewerkschafter auch an der Situation des ÖPNV im Saarland. So fehlten nicht nur Hunderte von Busfahrern, auch die Bezahlung sei im Autoland mit durchschnittlich 1600 Euro netto pro Monat nicht nur schlecht, sondern weit unter dem Durchschnitts-Netto. Wenigstens 200 Euro monatlich mehr sollten es sein. Dies würde 10 Millionen pro Jahr kosten. Er sei mit Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) einer Meinung, wonach auch die Fahrpreise für den Öffentlichen Personen Nahverkehr runter müssten, was jedoch weitere 10 Millionen jährlich veranschlagen würde. Der genau gleiche Betrag käme für ein neues Verkehrskonzept hinzu. „Dafür brauchen wir den Bund“, schlussfolgerte Umlauf, da 30 Millionen jährlich für das Land alleine nicht zu finanzieren seien.

„Das ist wirklich ein Dilemma“, pflichtete ihm Herdis Behmann bei. Sie forderte deshalb die Abschaffung der Leerwabe zwischen Rohrbach und St. Ingbert. Doch zuerst gab es beim gemütlichen Beisammensein mit Bier und Rostwürsten lockere Gespräche, während die anderen sich den von Herbert Beck in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr aufgestellten Maibaum ansahen. Das Trio „Mittendrin“ sorgte für die musikalische Umrahmung.

Nach alter Tradition sollte am Dienstagnachmittag auch der Maibaum durch die Hasseler Feuerwehr auf dem Marktplatz aufgestellt werden. Bereits Tage zuvor war der Baum von den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr im Waldgebiet Fröschenpfuhl gefällt und in mühevoller Handarbeit hergerichtet worden. Vor dem Aufladen des Baumstammes wurde jedoch festgestellt, dass der Stamm vorsätzlich und mutwillig von Unbekannten ungefähr in der Mitte des Stammes eingesägt worden war. Somit war ein Aufstellen des Baumes wie ursprünglich geplant aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich. Nach Beratungen mit dem Ortsvorsteher Markus Hauck wurde beschlossen, den Baum mit einem bis zur Einschnittstelle gekürzten Stamm dennoch aufzustellen, getreu dem Motto lieber ein kleiner Maibaum, als gar kein Maibaum. Mit Hilfe der St. Ingberter Firma Holzbau Kempf wurde der Baum zum Marktplatz transportiert und dort mit deren Kranfahrzeug aufgestellt. Die Polizeiinspektion St. Ingbert hat die Ermittlungen wegen Sachbeschädigung aufgenommen.

Gefeiert wurde die Maibaumsetzung in Hassel trotzdem. Der Gesangverein leitete die Feier mit Mailiedern ein. Ortsvorsteher Markus Hauck verlas den Appell des Deutschen Gewerkschaftsbundes, in dem es um „Soziale Gerechtigkeit“ und den Aufruf ging, bei der Europawahl abzustimmen, denn Europa habe 70 Jahre Frieden und Wohlstand garantiert. Zum Abschluss, bevor es Brezeln und Getränke gab, gestiftet vom Ortsrat und der Arbeitsgemeinschaft der Vereine, lud der Gesangverein noch ein zum Mitsingen des traditionellen Maileides „Der Mai ist gekommen.“