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Stadtwerke St. Ingbert legen eine Blühwiese an

Stadtwerke : Stadtwerke wollen mit Blühwiese Insekten anlocken

Für Insekten gibt es immer weniger Nahrung. Versiegelte Flächen und der Klimawandel schränken die Artenvielfalt ein.

„Viele reden von Nachhaltigkeit, die Stadtwerke leben sie täglich“, heißt es in einer Pressemitteilung des St. Ingberter Unternehmens. Und tatsächlich haben seine Mitarbeiter in der Stadt schon einige Projekte und Maßnahmen zur nachhaltigen Energieversorgung umgesetzt. So die Nahwärmeversorgung am Hasenbühl, den Anschluss der Albertus-Magnus-Schulen an die Nahwärmeversorgung, der Bau einer Photovoltaikanlage, die Umstellung des eigenen Fuhrparkes auf Erdgas und noch vieles mehr. Doch auch, wenn die Stadtwerke versuchen, in allen Sparten einen möglichst ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen, bringt man sie weniger mit Pflanzen in Verbindung. Aber genau diesen gibt der Geschäftsführer der Stadtwerke jetzt am Verwaltungsgebäude mehr Raum.

„Der Termin heute ist außergewöhnlich, denn bisher gehört das Anlegen einer Blumenwiese nicht zum Geschäftsfeld“, so Hubert Wagner am vergangenen Donnerstag. Nicht nur, dass sich Passanten und Mitarbeiter in Zukunft an dem Blütenteppich erfreuen können, vor allem soll den Insekten mit der Blühwiese ein neues „Anflugziel“ geboten werden. „Es war ein Weckruf für mich, als ich hörte, dass die Artenvielfalt leidet und wir erleben müssen, dass unsere Insekten, die durch die Bestäubung Voraussetzung für unser Leben schaffen, fast vom Aussterben bedroht sind. Noch erschreckender ist für mich, dass wir im April von einer Dürre reden, einem Monat, in dem eigentlich gesät und gepflanzt wird. Wir haben eine feststellbare Klimaveränderung, die jeder spüren kann. Da müssten wir eigentlich alle wach werden“, so Wagner. Da kam Monika Conrad, die im Rathaus für die Biosphäre zuständig ist, mit ihrer Anregung für eine Blühwiese gerade recht. Nun sind drei Flächen vor dem Stadtwerke-Gebäude in der Oststraße ausgewählt worden, die eine St. Ingberter Gartenbau-Firma entsprechend vorbereitete.

Auf rund 350 Quadratmetern werden drei unterschiedliche Flächen angelegt. Ein Saum entlang des Zaunes berücksichtigt mit 90 Prozent Wildblumen die Ansprüche von Wildbienen und Schmetterlingen, der restliche Untergras-Anteil soll als Futterpflanze für Schmetterlingsraupen dienen. Der größte Bereich ist einem Mager-Sandrasen vorbehalten, auf dem künftig niedrige Arten wie Schafschwingel, Zittergras oder Silberfingerkraut wachsen, die tolerant gegenüber Trockenheit sind. Im dritten Teil wurden Sorten eingebracht, die an Extremstandorte angepasst sind. „Ich finde es ganz toll, dass die Stadtwerke solche Blühwiesen anlegen“, sagte Monika Conrad vor Ort, „wir wollen gezielt St. Ingberter Unternehmen ansprechen und die Biodiversität in der Stadt in den Vordergrund stellen. Sie sind da Vorreiter.“ Weil solch eine „unaufgeräumte“ Fläche in einer Stadt auffällig sei, habe man zusätzlich Schilder zur Erklärung aufgestellt. „Wir haben durchs Aufräumen viel zerstört. Das natürliche Bild einer Landschaft geht verloren. Es ist ein Handicap, das wir Menschen haben, da müssen wir einen Schritt zurückgehen. Damit zerstören wir uns die eigene Grundlage, wenn niemand mehr Wildheit zulässt. Danke, dass die Stadtwerke diesen Weg gehen. Das ist ein grünes Label, das sich mehr Firmen auf die Fahnen schreiben könnten“, so Landschaftsgärtner und Biogeograf Günther. Für die Anlage der Blühwiese haben die Stadtwerke mehr als 20 Tonnen Erde ausgetauscht und mehr als 6000 Euro investiert.