Einzelsocke als Sinnbild für Single

Einzelsocke als Sinnbild für Single

Der Roman „Einzelsocke“ handelt von dem Versuch der Romanheldin Askia, die nach einer gescheiterten Beziehung versucht, den Status Einzelsocke wieder los zu werden. Im „Tante Milli“ las die Autorin daraus vor.

Wer kennt es nicht, das leidvolle Waschmaschinen-Phänomen der "Einzelsocke": Zwei Socken wandern in die chromblitzende Trommel modernster Reinigungstechnik - und nur eine von beiden findet den Weg wieder hinaus, alleine, nun nutzlos und mit einer Zukunft auf dem berühmten Berg der anderen Einzelsocken.

Das moderne Rätsel der vereinsamten Fußbekleidung hat nun die Schriftstellerin Isabelle Wolf für ihren Debut-Roman als Titel und Parabel gewählt, als Sinnbild für eine gescheiterte Beziehung und den daraus resultierenden Versuch ihrer Romanheldin Askia, den Status der "Einzelsocke" schnellstmöglich wieder loszuwerden.

Doch woher nehmen, wenn nicht selbst stricken? Das wollte Wolf bei einer Lesung in Kirkels Kultkneipe "Tante Milli" einem gespannt aufmerksamen Publikum frisch aus der Waschmaschine ganz, ganz nahe bringen. Der Plot ganz flott: "Einzelsocke" dreht sich um besagte Askia, die sich eigentlich für einen Teil eines mehr oder weniger glücklichen Pärchens hält - bis ihr Freund nach einem Männerausflug in die Alpen als Souvenir eine "Almmarie" mit nach Hause bringt. Und das zur Unzeit. Denn: Alle in Askias Umfeld sind inzwischen mit Nestbau beschäftigt, und Askia selbst ist mit ihren 31 Jahren nicht mehr die Allerjüngste, woran sie in letzter Zeit auch scheinbar jede Frauenzeitschrift erinnern möchte.

So fühlt sich die Romanheldin eben wie eine Einzelsocke, die ihr Gegenstück in der Waschmaschine verloren hat. Sie begibt sich auf Partnersuche, tatkräftig unterstützt von ihrer Familie, vor allem aber von ihrer esoterisch angehauchten Schwester, die selbst vor schamanischem Kartenlegen nicht zurückschreckt.

Doch es ist gar nicht so einfach, den Richtigen zu finden. Ist es vielleicht der Unfallchirurg Simon, den Askia übers Internet kennenlernt und der so perfekt erscheint? Askia lässt nichts unversucht und schreckt dabei vor fast keinen Mitteln zurück, um ihren Traummann zu finden. Erfolglos, wie es scheint - bis ihr ein Mann buchstäblich vor die Füße fällt.

Rund um diesen roten Faden hat die gebürtige Zweibrückerin Wolf, heute in Kirkel-Neuhäusel zu Hause, einen wunderbar komischen Roman gestrickt, "chaotisch, turbulent und zum Brüllen komisch!", wie die Gäste der Lesung in der "Tante Milli" einmütig bekannten. Wirtin Christina Kessler: "Was noch fehlt, ist ein Film zu 'Einzelsocke', es würden sich sicherlich einige bei so manchen Taten wiedererkennen, und ich glaube, es würde niemanden auf den Stühlen halten." Aus dem Kreis der Gäste der Lesung fasste es Ilona Lang so zusammen: "Absolut lesenswert, kurzweilig und spaßig. Schade, wer die Lesung verpasst hat!" Auch Mit-Zuhörerin Martina Schäfer war restlos begeistert: "Während Isabelles Lesung konnte ich mir alles bildlich vorstellen!"

Mit ihrem erfolgreichen Gastspiel in der "Tante Milli" konnte sich Isabelle Wolf, geboren 1979, schon mal ein weiteres dickes "Plus" auf die Haben-Seite ihrer Autoren-Bilanz buchen. Doch "Einzelsocke" soll literarisch eben keine Einzelsocke bleiben: Wolf, sie studierte Publizistik, Germanistik, Filmwissenschaften und Kunstgeschichte, schrieb Kolumnen für ein Internetmagazin und arbeitet als Verlagslektorin, schreibt schon an einem zweiten Roman.

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