Burg-Charme ohne Rummel

Die Kirkeler Burg ist Anziehungspunkt und Touristenattraktion. Wenn dort jedoch gerade einmal keine Veranstaltung stattfindet, bietet der historische Ort gerade nachts ein ganz besonderes Bild.

Gemeinhin kennt man die Kirkeler Burg am Tag und - bei entsprechenden Veranstaltungen wie dem Mittelaltermarkt, dem Burgsommer, dem Handwerkermarkt samt Weinfest oder auch der Burgweynacht. Dann ist sie bestens besucht und die Gäste schieben sich durch's Handwerkerdorf, es ist lebhaft und alles andere als still - so wie es auf einer Burg sein soll.

Doch vor und nach der Saison des Burgsommers, vor und nach den Veranstaltungen, da entwickelt das Kirkeler Wahrzeichen einen ganz anderen Charme. Oft ist man als Besucher alleine oder einer von wenigen und hat die ganze Anlage praktisch für sich. Das Handwerkerdorf mit seinen leer stehenden Hütten und leeren Bänken im Gastronomie-Bereichen - da hat man Zeit, auch mal ein bisschen hinter die Kulissen des touristischen Vorzeige-Objekts der Burggemeinde zu schauen. Verstärkt wird dieser Effekt dann, wenn es auf dem Burgberg dunkel wird. Effektvoll beleuchtet, ist das Wahrzeichen weit über die Dorfgrenzen hinaus zu sehen. Und auch das schlafende Handwerkerdorf ist im Schein der Laternen ein malerischer Anblick. Alles zusammen: Ein beeindruckendes Bild der mittelalterlichen Wurzeln Kirkels. Die komplette Geschichte der Burg hat der Förderkreis der Kirkeler Burg auf seiner Internetseite www.kirkeler-burg.de zusammengetragen. Dort ist zu lesen, dass im Jahre 1075 zum ersten Mal in einer Urkunde eine Gaugrafenburg in Kirkel erwähnt wurde, namentlich die des "Godefridus comes de Kirchila".

Und in der Zeittafel des Förderkreises ist auch das Datum erwähnt, als mit der lange vor sich hin schlummernden Ruine der Burg das erste Kapitel einer nun viele Jahre währenden Erfolgsgeschichte geschrieben wurde: 1955 wurde der einsturzgefährdete Turm zu einem Aussichtsturm ausgebaut. Damit verbesserte sich eben nicht nur die Aussicht der Besucher über das Dorf, sondern auch die der damals noch selbstständigen Gemeinde Kirkel , mit einer nutzbaren Burg dem Ort eine Attraktion zu geben. Heute ist der Sitz der Grafen zu Kirkel als historisches Relikt und touristischer Anziehungspunkt aus der Region nicht mehr wegzudenken.

Doch zurück aus der Geschichte der Kirkeler Burg ins Jetzt. Da präsentiert sich das adelige Gemäuer als bestens gepflegte Anlage, die über ihren touristischen Wert hinaus natürlich auch Ort von aktiver Geschichtsforschung ist. Aktuelles Projekt des Förderkreises Kirkeler Burg als treibender Kraft: Die Ausgrabungen am alten Brunnen. All diese Geschichte, die aktuelle Aufarbeitung selbiger, das Handwerkerdorf und natürlich die Burg selbst als Dreh- und Angelpunkt entwickeln gerade in den Nachtstunden ein wunderbares Bild: Vom Aussichtsplateau der Burg hat man bei entsprechendem Wetter einen schönen Blick auf die Lichter Kirkels, die angestrahlte Burg selbst lockt aus nahezu jeder Perspektive mit interessanten Einblicken.

Und wer nach seiner Nachttour noch etwas herumspazieren möchte, kann dies um das Wahrzeichen herum machen, auch die kleinen Gassen sind einen Besuch wert. Denn es entwickeln sich auch dort, immer mit Blick auf die Burg, spannende Sichtweisen auf die Kirkeler Geschichte - die man gut bei einem Bierchen in der kleinen Kneipe an der Burgstraße sacken lassen kann.

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Auf einen BlickAm dritten Mai-Wochenende (Samstag, 16. Mai, und Sonntag, 17. Mai) lockt die Kirkeler Burg wieder mit ihrem Mittelaltermarkt. Vorführendes Handwerk, Markttreiben, Lagerleben, Musik und Tanz sollen die Burg wieder in ein buntes Mittelalterfest verwandeln. Wie in den Jahren zuvor werden Händler und Handwerker ihre Waren anbieten. Im Rahmenprogramm bieten die "Freye Spielleut Kirkel ", die Tanzgruppen "Shabanna-Atesh" und "Danza Allegra" und viele Akteure mehr wieder viel zum Sehen, Hören und Staunen. red

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