Ausstellung von Kurt Heinemann im Bildungszentrum Kirkel

Arbeitskammer : Von alten Nazis und neuen Rechten

Der Völklinger Cartoonist Kurt Heinemann stellt im Bildungszentrum der Arbeitskammer in Kirkel aus.

„Ich habe ja hauptsächlich Werbung gemacht, um vom Zeichnen leben zu können. Da war es einfach eine Freude, ab und zu ein bisschen Blödsinn zu machen“, erzählt Kurt Heinemann am Rande seiner Ausstellungseröffnung im Bildungszentrum der Arbeitskammer in Kirkel-Neuhäusel. Das klingt fast verharmlosend, denkt man an das Thema seiner Karikaturen: „Alte Nazis und neue Rechte“, so der Titel der Ausstellung.

Aber: „Blödsinn ist wichtig, finde ich.“ Heinemann, das merkt man im Gespräch mit ihm, geht es weniger um den stärker werdenden Rechtspopulismus, sondern um das latent immer vorhandene Nazi-Denken des deutschen Spießers. Einem recht gewöhnlich aussehenden Paar malt er Hakenkreuze ins Gesicht: „Das sind für mich saubere, ordentliche Deutsche.“ Die Bilder stammen aus den vielen Jahren seiner gesamten Schaffensperiode. „Das Thema war für mich immer vorhanden.“ Heinemann, der aus dem Völklinger Stadtteil Geislautern stammt und noch immer dort wohnt, war besonders schockiert, als in Völklingen die NPD längere Zeit im Stadtrat saß. Den Ausstellungstitel „Alte Nazis, neue Rechte“ hätte er nicht gewählt. Lieber wäre ihm „Alte Nazis, neue Nazis“ gewesen. „Einfach ‚Nazis‘ hätte auch gereicht“, meint der 80-jährige, der, obwohl jünger aussehend, an der Zahl zu knabbern hat. „Das 80-Jahre-Fest hat mich schon mitgenommen, das muss ich ehrlich sagen. Ich bin aber dabei, mich davon zu lösen.“

Lange Jahre zeichnete Heinemann das Titelblatt des „Arbeitnehmer“, der Monatszeitschrift der Arbeitskammer, die jetzt „AK konkret“ heißt. Kein Wunder also, dass er jetzt in den Räumen des Bildungszentrums ausstellt, auch seine Geburtstagsfeier fand hier statt. Das Thema Nationalsozialismus betrachtet der Zeichner aus allen möglichen Perspektiven: Da beschwert sich ein Altnazi darüber, dass nur noch von Neonazis die Rede sei. Oder jemand, der wie eine Marionette mit Schnüren an ein Hakenkreuz gebunden war, schneidet sich frei. Aus der Comicfigur Charlie Brown wird Charlie Bunt und jemand mit einem Autokopf zeigt den Hitlergruß, weil er keine Fahrerlaubnis, sondern den Führer-Schein habe.

Auffällig, dass Heinemann viele seiner Werke auf Gemüsekartons geklebt hat. Dazu meint er: „Irgendwann ist mir aufgefallen, dass ‚Cartoon‘ ja ‚Karton‘ heißt. Eine alte Fotozeitschrift hat mal was von mir veröffentlicht, da hieß es, ‚der Karton ist gezeichnet von Kurt Heinemann’, da dachte ich: Jetzt aber!“ Hier hingen die Bilder außerdem nicht wie Heiligtümer in einer Galerie, sondern ganz profan in der Arbeitskammer. Der Chef des Bildungszentrums, Ralf Haas, sagte in seiner Begrüßung, aktueller als in der jetzigen Zeit könne die Ausstellung nicht sein. Die Arbeitskammer positioniere sich ganz klar, auch wenn das einer gewissen Partei im Landtag nicht gefalle – gemeint war die AfD. Der Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer, Thomas Otto, sprach seine Bewunderung gegenüber Heinemann aus, wie dieser es verstanden habe, „unsere oft sperrigen Themen in Bilder umzusetzen“. Auch Otto ging auf die aktuelle politische Lage ein und meinte, die Ausstellung käme leider zum richtigen Zeitpunkt, die Demokratie sei in Gefahr. Die Ausstellung bringe einen aber auch zum Schmunzeln, ab und zu müsse man das auch belächeln, was die Rechten hier so anstellten.

Historiker Burkhard Jellonnek, Chef des Landesinstituts für Pädagogik und Medien, hieb in die gleiche Kerbe. Er wandte den alten Werbespruch „Nie war er so wertvoll wie heute“ auf Heinemann an. Dessen Arbeiten seien zeitlos und eingängig, sie gingen mit künstlerischen Mitteln gegen die Nazis an. Jellonnek erinnerte auch an Heinemanns Zeit als Zeichner für die Völklinger Lokalausgabe unserer Zeitung, für die er einen Hund namens Mister schuf. Ansonsten habe der Künstler prophetisch gezeichnet. Heinemann selbst, der auch etwas sagen sollte, blieb kurz und bündig: „Ich brauche kein Mikrofon, ich sag’ einfach: Danke!“

Die Ausstellung „Alte Nazis und neue Rechte“ ist bis Mittwoch, 2. Oktober, im Bildungszentrum der Arbeitskammer in Kirkel-Neuhäusel zu sehen und montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr geöffnet.