Komiker mit Können

Blieskastel. Six Pack, dieses fantastische Show-Ensemble aus Bayreuth, war in Blieskastel - und gerade einmal enttäuschende 120 Gäste waren in die Bliesgaufesthalle gekommen. Vielleicht lag es an den relativ hohen Eintrittspreisen. Da hat man die A-cappella-Nacht zum Preis-Vorbild genommen, das war etwas zu gewagt

Blieskastel. Six Pack, dieses fantastische Show-Ensemble aus Bayreuth, war in Blieskastel - und gerade einmal enttäuschende 120 Gäste waren in die Bliesgaufesthalle gekommen. Vielleicht lag es an den relativ hohen Eintrittspreisen. Da hat man die A-cappella-Nacht zum Preis-Vorbild genommen, das war etwas zu gewagt. Aber Harald Becker vom städtischen Kulturamt will das künftig neu überdenken. Aber zur Show: Wer nicht gekommen war, hat einen wirklich tollen und äußerst kurzweiligen Abend verpasst. Die Truppe hat sich personell verändert, zwei "Neue" sind dazugekommen, was sich sehr erfrischend auswirkte. Man kommt etwas lockerer, jugendlicher daher, das hat auch einer der "Alten", Markus Burucker, festgestellt. "Bei uns stimmt die Chemie, wir verstehen uns prächtig, und es macht jeden Abend aufs Neue Spaß." Und das hat man auch in Blieskastel gemerkt: Die A-capella-Truppe ist absolut professionell, da macht es auch nichts aus, wenn die Halle eher spärlich besetzt ist. Die Mitglieder von "Bayreuths bestem Exportartikel", wie die Künstler von der heimischen Presse genannt werden, blödeln, kalauern, tanzen, machen vor keinem Kokolores halt - und sind doch immer eine hochkarätige A-cappella-Formation mit höchstem musikalischen Anspruch. Locker und chaotischDas kommt alles so locker-flockig rüber, ist so wunderschön anarchisch-chaotisch und ist gleichwohl bis ins Letzte durchgeprobt und einstudiert. Alles, was da so Spaßtränen treibend geboten wird, erfordert höchste Konzentration und ist das Ergebnis langer Probearbeit. Die Auswahl der Stücke ist einfach nur toll, angefangen von der zwar schon etwas älteren El-Condor-pasa-Nummer (die auch bei wiederholter Präsentation gleichwohl immer noch urkomisch ist) bis hin zu Stücken der Beatles, ja sogar Paola und Montserrat Caballé werden nicht verschont. Und ein Mitglied hat sich wohl auch an diesem Abend wieder in die Herzen der Gäste gesungen: Bernd Esser, der Kleinste mit der größten und sicher auch höchsten Stimme, ist ein ganz toller Sänger und ein ebenso brillanter Komödiant. Er hat ein wirklich wahnsinniges Stimmvolumen, zeigt eine absolut gekonnt-ironische Performance und sächselt dabei, dass man Tränen lacht. Und das Publikum wird mit einbezogen, wobei es nie peinlich wird. Am Ende hat auch Erhard aus dem Publikum seinen Recall-Schein in dieser aberwitzigen "William Christ Superstar"-Casting-Show. Die Casting-Nummern hätte man vielleicht noch etwas ausbauen können. Insgesamt aber eine absolut hervorragende Gesamtleistung, die in dieser ungewöhnlichen Mischung sicherlich einzigartig ist. "Wir werden sicherlich wieder nach Blieskastel kommen", ließ sich Markus Burucker auch von der geringen Zuschauerresonanz nicht entmutigen.