Grünes Schimmern aus Glas

Biesingen. Bei russischer Kunst denkt man an klassische Ölmalerei und an Ikonen. Doch damit haben die in der Galerie am langen Tal in Biesingen gezeigten Werke von Eugen Waßmann nicht viel zu tun. Sicher, auch der in Russland geborene Waßmann hat eine klassische Ausbildung durchlaufen

Biesingen. Bei russischer Kunst denkt man an klassische Ölmalerei und an Ikonen. Doch damit haben die in der Galerie am langen Tal in Biesingen gezeigten Werke von Eugen Waßmann nicht viel zu tun. Sicher, auch der in Russland geborene Waßmann hat eine klassische Ausbildung durchlaufen. Mit zehn Jahren schon besuchte er einen Künstlerzirkel für Kinder und Jugendliche, bevor er zur Uralischen Fachschule für Angewandte Künste in der Stadt N-Tagil wechselte. Kaum 20 Jahre alt hatte er das Diplom in der Tasche und einige gestalterische, zeichnerische und malerische Techniken von der Pike auf erlernt. Insbesondere seine Ausbildung in der künstlerischen Metallbearbeitung setzte ihn in die Lage, sich seinen Lebensunterhalt fortan als künstlerischer Gestalter zu verdienen. Unter anderem schuf er Werke aus Glas und Metall, an welche die jetzt in Biesingen gezeigten Objekte anknüpfen. Es sind dekorative Wandobjekte und Skulpturen, die er in den vergangenen Jahren in seiner neuen Bexbacher Heimat kreierte, leicht und filigran anmutende Gebilde, in denen er grün schimmernde Glasfragmente und graue gußeiserne Elemente kombiniert. Im leichten Schwung formen sich die gußeisernen Teile - "das sind Fundstücke aus einer Gießerei" - zu Formen aus, die an Vögel erinnern. Mitunter schweißt er Fundstücke zu Kugeln zusammen und arrangiert sie variantenreich zu grazilen Gebilden auf Edelstahlrohren. Doch Waßmanns künstlerisches Spektrum ist breit gefächert und er zeigt neben diesen Objekten auch Gemälde.Individuelle TechnikIn Öl oder Acryl hat er sie gemalt oder in dieser ganz individuellen Aquarelltechnik, die er in den vergangenen Jahren entwickelt hat. So sehen wir im Erdgeschoss naturnahe Themen, Blumen, Tiere und Landschaften, die sehr farbenfroh und doch irgendwie verwaschen einherkommen. "Ich tauche die Blätter mehrmals ins Wasserbad, bis das Motiv auch auf der anderen Seite sichtbar ist", erläutert der Künstler und zeigt auf eines dieser Blätter, deren eigentliche Rückseiten er nun ausstellt. Ab und an zeichnet er Linien mit Kreide nach, doch insgesamt herrscht ein allumfassender pastelliger Farbeindruck, der wohl auf den langwierigen Entstehungsprozess zurückzuführen ist. In den beiden anderen Ausstellungsräumen wechseln die Themen, und Waßmann zeigt hier neben Landschaftstimpressionen Menschen bei der Arbeit. Bei diesen Industriebildern braucht es allerdings meist einen zweiten Blick, um das nun weitgehend abstrahierte Motiv zu erkennen. Denn erst einmal wirken diese intensiven Farben: Orange und ein ausgeglühter Grauton - "Die Farben, wie ich sie bei der Arbeit in der Gießerei erlebe". Erst bei genauerer Betrachtung sind Gesichter und Körper zu erkennen und die von der Farbe geweckte Impression findet ihre Erklärung.Eugen Waßmann - Malerei, Glas-Metall-Objekte. Bis zum 25. April. Galerie am langen Tal, Blieskastel-Biesingen, Pfarrer-Haas-Straße 3 (am Sportplatz), freitags bis sonntags 15 bis 19 Uhr. Eröffnung ist am Sonntag, 14. März, um elf Uhr.

Zur PersonDer deutschstämmige Eugen Waßmann wurde 1950 in Kopejski (UdSSR) geboren. Er erwarb sein Diplom an der Uralischen Fachschule für Angewandte Künstler in der Industriestadt N-Tagil im Jahr 1970 und arbeitete als künstlerischer Gestalter in den Kunstwerkstätten des Kunstfonds der UdSSR in der Stadt Tscheljabinsk. Ab 1984 war er als freischaffender Künstler auf Honorarbasis tätig. Seit 1991 lebt und arbeitet er in Bexbach. qb