Von der Einheit der Unterschiede

Drei völlig unterschiedliche künstlerische Charaktere finden sich in einer Ausstellung doch zusammen: Das Ergebnis ist noch bis 14. Mai in Peter Köchers „Temporärem Schauraum“ in der Bexbacher Rathausstraße 16a zu sehen.

Das, was Jutta Bettinger, Sigrid Haag und Peter Köcher noch bis zum 14. Mai in Köchers "Temporärem Schauraum" in der Bexbacher Rathausstraße 16a zeigen, verdient zu Recht das Prädikat "sehenswert". Das hat viele Gründe. Einer von eben denen ist wohl der, dass sich die völlig unterschiedlichen Charaktere der drei Protagonisten in der Ausstellung wunderbar wiederfinden - ohne sich dabei gegenseitig auszustechen. Es ist eine kunstgewordene Einheit in der Unterschiedlichkeit. Den vermeintlich offensichtlich ungewöhnlichsten Weg vom Inneren hinaus zum Betrachter geht, das verwundert nicht, "Hausherr" Peter Köcher selbst. Seine Figuren prägen den Raum, immer wieder spielt Köcher augenzwinkernd mit der Wahrnehmung durch Dritte. Ist es Kunst, die man da sieht oder doch nur ein funktionales Raumdetail? Der Raum hat es Köcher angetan, jede Ecke des ehemaligen Ladengeschäfts wird zu seiner Spielwiese. Köcher spielt mit dem, was er an Infrastruktur nicht ändern kann. So bei einem Tresor im hinteren Bereich der Ausstellung. Den hat der Bexbacher Künstler kurzerhand zur Kunst gemacht - mit dem erneut augenzwinkernden Hinweis "unverkäuflich, es sei denn, man kauft das ganze Haus." An einer anderen Ecke hat er eine seiner legendären Figuren über ein dort installiertes Waschbecken gebeugt. Quasi eine Installation an einer Installation. Und der Titel ist ein typischer Köcher: "Eva kotzt." Es ist diese besondere Art von Peter Köcher, seine unstrittig große Kunst nicht selbst auf einen Altar zu stellen. Das macht ihn und sein Schaffen auf wunderbare Art nahbar.

Können an der Seite von diesen Arbeiten die Werke von Haag und Bettinger bestehen? Sie können, und das mit Bravour. Auch wenn sich beide der Malerei verschrieben haben, gewinnen beide in ihrem Tun durch das Wechselspiel von Schein und Sein enorme Plastizität. Ein wunderbares Beispiel für diesen gekonnten Umgang mit der Mehrdeutigkeit sind Bettingers großformatige Abstraktionen. Diese zeigen sich fast schon hinterlistig, gaukeln aus der Ferne Landschaften da vor, wo sie bei näherem Betrachten gar nicht sind. Je näher man dieser Werkserie Bettingers kommt, desto abstrakter wird das Seherleben - solche Überraschungen passen wunderbar in den Dreiklang.

Nicht weniger spannend in ihrer Entfaltung sind die Bilder der St. Ingberter Malerin Sigrid Haag. Denn: Als unbedarfter Betrachter mag man ihren Figuren oft Zurückhaltung attestieren, auch ein Abwenden, Nachdenklichkeit. Welcher Teil von Haag ist da zu sehen? "Ich bin schon sehr nachdenklich, mache mir viele Gedanken und habe eine hohe Sensibilität. Das drücke ich auch mit diesen Figuren aus, denke ich." Tut sie.

Im Ganzen, und das ist auch in Köchers "Temporärem Schauraum" deutlich mehr als die Summe seiner Einzelteile, ist die Gemeinschaftsausstellung ein vielschichtiger Dialog zum Thema "der Mensch und seine Umwelt" mit oft nur vermeintlich Offensichtlichem, das auf jeden weiteren Blick ohne Mühe viele und vielfältige Geschichten erzählt.

Zum Thema:

Auf einen Blick Die Gemeinschaftsausstellung von Jutta Bettinger, Sigrid Haag und Peter Köcher in Köchers "Temporärem Schauraum" in der Bexbacher Rathausstraße 16a ist noch bis zum 14. Mai mittwochs und freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr zu sehen. Einen zweiten Teil der Ausstellung zeigt Köcher in seiner Produzenten-Galerie im Steigerweg 15 in Bexbach . Die Öffnungszeiten hier: freitags und samstags von 14 bis 18 Uhr. Möglich ist auch eine gesonderte Terminabsprache unter (0171) 8 00 81 12. Zusätzlich bietet eine Matinee am Sonntag, 17. April, von 11 bis 14 Uhr in der Rathausstraße die Möglichkeit, die Arbeiten eingehend zu studieren. thw