Erst seit drei Jahren dabei : „Positiv“ so heißt die Parole

Die 79-jährige Spiesen-Elversbergerin Gertrud Jung hat vor drei Jahren mit dem Malen begonnen.

Der Elan, die Begeisterung für ihr Hobby hört man durchs Telefon. Gertrud Jung malt. Mit voller Energie. Sie selbst sagt: „Ich male auf Teufel komm raus“, und lacht. Will heißen: Sie kann gar nicht genug kriegen von ihrem Hobby. Damit füllt sie seit sie den ersten VHS-Kurs vor drei Jahren belegt hat ihre Tage. Und seit die Corona-Krise zum Daheim-Bleiben zwingt, malt sie sogar noch ein bisschen mehr. Per Mail schickt sie Fotos ihrer Bilder zu ihren Freundinnen. Denn die 79-Jährige glaubt fest an die Kraft der Farben.

Deshalb ist ihr beim Malen eines ganz besonders wichtig: Das Bild muss positiv sein. Warme Farben, wie ein warmes Braun, Rot oder Orange machen sich da gut. Außerdem sind ihre Werke sehr schwungvolle Bilder. Jung malt immer auf Leinwand, entweder 50 mal 60 oder 50 mal 50 Zentimeter. Ihre Bilder kommen gut an, diese Erfahrung hat sie bereits seit der ersten Ausstellung gemeinsam mit dem VHS-Kurs gemacht. „Und man sagt, ich habe Talent“, freut sie sich. Warum hat es aber so lange gedauert, bis sie das Malen für sich entdeckt hat? „Da war die Familie, dann ein kranker Mann. Da war keine Zeit.“ Jetzt holt Jung dafür alles nach. „Ich male extrem viel.“ Abstrakt oder Landschaft, Öl oder Aquarell, mit oder ohne Spachtel – Jung erlegt sich selbst keine Regeln auf. Außer eben der einen: Positiv muss das Bild wirken.  Die verschiedensten Techniken probiert sie aus. Da gibt es dann viel Lob für die Leiterin ihrer VHS-Kurse, Eva Dahl. Die unterrichtet bei der VHS St. Ingbert („ist von hier aus näher als Neunkirchen“) und lässt ihren Schülern freie Hand, wie Jung erzählt.

„Wenn ich male, dann vergesse ich die Zeit“, sagt sie. 14 Tage hat sie an ihrem letzten Bild gemalt. Manchmal, da habe sie auch einen Tiefpunkt. Das Malen, das lenke dann ab. Anders als der Hausputz. „Manche machen das ja zur Ablenkung, das kann ich nicht verstehen“, lacht sie. Viel Freude macht es ihr immer, wenn sie ein Bild verschenkt. „Dann habe ich zwei Mal Freude: einmal beim Malen und einmal, wenn der andere sich freut.“ Alle Bilder bekommen einen Rahmen, werden fotografiert. Was sie nicht verschenkt, das hängt sie auf. „Die hängen überall  die Bilder. Wenn die Krise vorbei ist, dann müssen Sie mal kommen und sich das angucken.“

„Sonnenaufgang“ lautet der Titel dieses Bildes. Foto: Gertrud Jung
Erst seit wenigen Jahren malt Gertrud Jung aus Spiesen-Elversberg. Und das macht sie mit viel Leidenschaft.  Foto: Gertrud Jung

Fit hält sich die 79-jährige Hobbymalerin mit Gymnastik. Die macht sie jeden morgen eine halbe Stunde, vor allem für den Rücken. „Mein Immunsystem stimmt“, ist sie sicher und freut sich über das Ergebnis, das ihr kürzlich erst ein befreundeter Arzt präsentiert hat: „Mein biologisches Alter ist 20 Jahre jünger.“ Möglicherweise nicht zuletzt das Ergebnis der positiven, farbebfrohen Bilder, die Gertrud Jung seit nun drei Jahren umgeben.