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THC-Konsum
Suchtexperten warnen vor Haschisch

Yvonne Illy
Yvonne Illy FOTO: Foto: Heike Jungmann
Kreis NeunkircheN. Caritas-Fachstelle „Die Brigg“ erlebt bei jungen Leuten eine veränderte Einstellung. Von Michael Beer

Die kleine Tüte ist nur halb so schlimm? Die Neunkircher Caritas-Fachstelle für Suchtberatung sieht das anders und weist im Zuge der politischen Legalisierungsdebatte von Cannabis und Haschisch auf Rezept auf die Gefahren hin, die damit einhergehen. Caritas-Beraterin Yvonne Illy hat zwar keine festen Zahlen zum Haschisch-Konsum junger Leute, aber sie sagt aus ihren Erfahrungen an Schulen, dass sich die Einstellung Jugendlicher aktuell verändert: „In der Suchtprävention hören wir in Schulklassen, dass die Diskussion geprägt wird von Halbwissen und verschiedenen Argumenten aus der Legalisierungsdebatte.“ Nach ihrer Wahrnehmung hat das „Kiffen“ nicht unbedingt mehr Freunde gefunden, was aber die Risiken anbelange, sieht sie wie ihre Kollegen aus dem Netzwerk „Halt“ problematische Entwicklungen, auf die das Netzwerk aufmerksam machen möchte.


Das Beratungs- und Behandlungszentrum des Caritasverbandes Schaumberg-Blies  – Die Brigg – arbeite eng mit lokalen Akteuren zusammen, um unter anderem in Schulen, der Jugendhilfe oder der Jugendberufshilfe Aufklärungsarbeit zu betreiben. Und Illy weist auf „hartnäckige Mythen rund ums Kiffen“ hin: „Die heute erhältlichen Produkte sind mit hohem Wirkstoffgehalt gezüchtet, was wiederum die Risiken im Rausch erhöht.“ Die zurzeit gängigen Waren seien nicht mit früheren Substanzen zu vergleichen, die Eltern eventuell aus eigenen Erfahrungen kennen. Daneben sollten junge Leute, aber auch ihre Eltern wissen: Auch der Besitz von geringen Mengen THC ist illegal, die Polizei leitet Vorkommnisse an die Staatsanwaltschaft weiter. Es gibt keinen legalen „Eigenbedarf“. Einem Kiffer lässt sich demnach der Konsum auch nach Wochen mit einer einfachen Urinkontrolle nachweisen. Damit ist der Führerschein in Gefahr, selbst wenn es keinerlei Vorfälle direkt im Straßenverkehr gab.

Nicht nur der Konsum von chemischen Drogen, auch der von Cannabis steht im Zusammenhang mit einem erhöhten Psychoserisiko, und eine medizinische Verschreibung in Ausnahmefällen bedeute nicht, dass THC-Konsum gesund oder ohne Gefahren sei. Die Brigg warnt zudem vor „Kräutermischungen“. Die seien schwer zu dosieren. Illy: „Die Folge sind häufig Krankenhausaufenthalte – auch Todesfälle nach dem Rauchen sind dokumentiert.“



Mit den Jugendlichen besprechen die Mitarbeiter der Neunkircher Fachstelle auch die Gefahren einer Suchtentwicklung. In diesem Kontext werde gemeinsam erarbeitet, wie man sich vor einem Absturz schützt und stark fürs Leben macht. Illy und ihre Kollegen empfehlen seriöse Informationsquellen wie die Seite www.drugcom.de. Auch weitergehende persönliche Beratung ist im Caritasverband möglich. Neben den kostenlosen und vertraulichen Gesprächen für Betroffene wird auch eine Sprechstunde für Angehörige angeboten. Außerdem gibt es das Onlineberatungsangebot „ELSA“ für Eltern: www.elternberatung-sucht.de. Und das Präventionskonzept „Quo vadis?“, das mit interaktiven Methoden auf die Fragen der Zielgruppe eingeht. Bei ersten Vorfällen im Zusammenhang mit Drogenkonsum (zum Beispiel schulische oder gerichtliche Auflage) bietet sich die Teilnahme am FreD-Kurs an, eine gesundheitsbezogene, pädagogische Kurzintervention.

Illy: „Im Netzwerk – unter anderem mit den kommunalen Jugendbüros, dem Gesundheitsamt, der Polizei, dem Jugendamtes und der kirchlichen Jugendarbeit - werden unterschiedlichste Ansätze genutzt, um Jugendliche und junge Erwachsene im Landkreis Neunkirchen in ihrer positiven Entwicklung zu stärken und Eltern im Kontext der gesellschaftlichen Diskussion eine Orientierung zu geben und ihn ihrer Erziehungskompetenz zu bestärken.“

Kontakt: suchtpraevention@caritas-nk.de, Telefon (06821) 920 940, www.die-brigg.de