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Umfrage zur WM
Na, schon im WM-Fieber?

Gute Stimmung, schöne Spiele und vielleicht sogar erneut der Titel für Deustchland – das wäre eine Weltmeisterschaft nach Maß. Foto: Rainer Jensen/dpa
Gute Stimmung, schöne Spiele und vielleicht sogar erneut der Titel für Deustchland – das wäre eine Weltmeisterschaft nach Maß. Foto: Rainer Jensen/dpa FOTO: dpa / A3464 Rainer Jensen
Kreis Neunkirchen. Die ersten Spiele sind gespielt, aber so richtig hat die WM-Rakete noch nicht gezündet. Kommt das Fieber zum Auftakt der deutschen Elf am Sonntag? Die SZ hat sich im Kreis umgehört. Von Marc Prams

Um es jetzt mal mit einer ganz platten Fußballerweisheit zu sagen: Die Deutschen sind eine Turniermannschaft. Und irgendwie lässt sich das auch auf die deutschen Fans übertragen. Denn so wirklich ist das WM-Fieber nach zwei Spieltagen noch nicht ausgebrochen. Ob sich das ändert, wenn die Jogi-Elf am Sonntag gegen Mexiko spielt? Und überhaupt: Wer holt denn den Titel in Russland? Die SZ hat sich unter Sportbegeisterten im Kreis mal umgehört.


Hertha Wiesbachs Präsident Helmut Berg.
Hertha Wiesbachs Präsident Helmut Berg. FOTO: Andreas Schlichter

„Mit einem Sieg gegen Mexiko komm auch die Euphorie“, ist Helmut Berg, Präsident der Hertha Wiesbach, sicher. Zwar sei auch er „nach einer langen, stressigen Oberliga-Saison“ noch nicht im Fußball-, beziehungsweise WM-Fieber, aber: „Ich werde schauen, was mich interessiert und was die Zeit zulässt.“ Was die deutsche Mannschaft betrifft, ist er verhalten optimistisch. „Ich hoffe, dass wir ins Endspiel kommen, aber das wird schwierig. Es gibt einige selbst gemachte Probleme rund um die Mannschaft.“ Gemeint ist das Verhalten der Bayern-Spieler, die nach dem verlorenen Pokalfinale das Stadion verließen, und Özils und Gündogans Treffen mit Erdogan. „Das sind hoch bezahlte Profis, die eine Vorbildfunktion haben und die wissen sollten, wie man sich in der Öffentlichkeit verhält“, findet Berg. Er hofft, dass es ein Finale gegen England gibt, nach dessen Ende sich Gary Linekers Spruch mal wieder bewahrheitet: „Fußball ist ein Spiel, bei dem 22 Spieler hinter einem Ball herjagen, und am Ende gewinnt immer Deutschland.“



Der Neunkircher Pfarrer Jochen Gabriel.
Der Neunkircher Pfarrer Jochen Gabriel. FOTO: Willi Hiegel / Will Hiegel

Dass Deutschland gewinnt, hofft auch der Neunkircher Pfarrer Jochen Gabriel. Der Fan des SV Furpach geht mit einem Marco-Reus-Trikot und gemischten Gefühlen ins erste Spiel der Deutschen. „Die Mannschaft hat im Vorfeld nicht überzeugt. Das Spiel gegen Mexiko wird ein Schlüsselspiel. Ich bin gespannt, wie sie sich da präsentiert. Außerdem bin ich Fan von Götze, der leider nicht dabei ist. Dabei hat er mehr Esprit als Özil und Gündogan.“ Seine Meinung zu den beiden ist klar: „Für mich war deren Aktion total daneben. Erdogan ist ein Mensch, der unsere Werte missachtet. Für mich wäre das ein klares WM-Aus gewesen.“ Zwar hoffe er auf die Titelverteidigung, sein Favorit ist aber Brasilien. „Die sind spielerisch gut aufgestellt und haben seit der letzten WM noch Wut im Bauch.“

Da liegt Gabriel auf Kurs mit Landrat Sören Meng, der ebenfalls Brasilien und Deutschland die größten Chancen auf den Titel zurechnet. Zwar halte sich seine Fußballaffinität in Grenzen, „aber auch ich kann mich nicht dem WM-Zauber entziehen. Natürlich werde ich die Spiele unserer Mannschaft verfolgen. Allerdings in kleiner Runde, mit meinem Sohn.“ Er würde sich über ein gutes Abschneiden der Deutschen freuen, „weil diese Freude eine gewisse Strahlkraft hat“. Die WM-Zeit verändere den Fokus vieler Menschen und fördere die Geselligkeit. „Das finde ich schön.“

Der Neunkircher Landrat Sören Meng.
Der Neunkircher Landrat Sören Meng. FOTO: Jasmin Alt

Schön fand der Neunkircher Autor André Noltus die Zeiten, in denen Johan Cruyff und  Johan Neeskens der holländischen Elf Höhenflüge bescherten, abseits des Platzes auch mal eine pafften und ein Glas tranken. „Heute ist im Fußball alles zu glatt“, findet der gebürtige Niederländer. Dass seine Mannschaft nicht dabei ist, betrachtet er ohne Wehmut. „Sie haben die Leistung nicht gebracht und es daher auch nicht verdient.“ Er hofft, dass Belgien weit kommt, ist aber auch gespannt auf England, Brasilien, Frankreich und Deutschland. „Aber Deutschland ist nach der Affäre um Özil und Gündogan etwas gehemmt. Mal abwarten.“ Gönnen würde er den Titel Island, „weil es ein tolles Land ist und die Menschen da so freundlich sind“.

FOTO: Andreas Detemple

Neunkirchens Bürgermeister Jörg Aumann ist „noch überhaupt nicht“ in WM-Stimmung. „Das hängt vor allem mit dem Austragungsort zusammen“, sagt er. Russland habe sich in letzter Zeit einfach zu viele Fehltritte geleistet. „Aber Sport führt Menschen ja zusammen. Auch in Ländern, in denen nicht alles eitel Sonnenschein ist.“ Neben Frankreich und Spanien hat er Belgien auf der Favoriten-Liste. „Die müssen mal beweisen, dass sie es können. Aber ich bin skeptisch.“ Zwar hoffe auch er auf Deutschland, an den Titel so recht glauben könne er jedoch nicht. „Den zu verteidigen – das wird schwierig. Ich glaube nicht, dass alle die Spannung nach dem Gewinn 2014 bei jedem Spiel halten können. Aber genau darauf kommt es im entscheidenden Moment an.“ Die Affäre um Erdogan habe sich für ihn nach dem Besuch von Özil und Gündogan beim Bundespräsidenten erledigt.

Neunkirchens Bürgermeister Jörg Aumann.
Neunkirchens Bürgermeister Jörg Aumann. FOTO: Kreisstadt Neunkirchen / Zeljko Cudina

Einer, der schon voll im WM-Fieber steckt, ist Fußball-Europameister Stefan Kuntz. Er ist für die ARD als Experte tätig und hat die deutsche Mannschaft bereits im Trainingslager besucht. „Vom Kader her müssten wir es auf jeden Fall unter die letzten Vier schaffen“, sagt der Trainer der deutsche U-21-Nationalmannschaft. Auf dem Zettel hat er außerdem Spanien, „wobei man sehen muss, wie sich der Trainerwechsel auf die Mannschaft auswirkt“. Und dann ist da noch Belgien: „Auf die setze ich schon seit Jahren, aber sie haben bisher noch nie bewiesen, dass sie zu den Spitzen-Mannschaften zählen. Mal sehen, ob sie das in Russland schaffen – ich bin eher skeptisch.“ Schade findet es Kuntz, dass Holland und Italien nicht dabei sind. „Das sind Top-Konkurrenten und immer sensationelle Spiele.“ Sensationell darf Deutschland auch gerne morgen gegen Mexiko spielen. Kuntz würde es freuen. Schließlich ist er dann im Stadion.

Fußball-Europameister Stefan Kuntz.
Fußball-Europameister Stefan Kuntz. FOTO: dpa / Christian Charisius