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Feuerwehr Eppelborn
Material schlecht, Solidarität spitze

Land unter in der Eppelborner Dorfmitte am Montag: Die Feuerwehr kam an ihre Grenzen, erlebte aber auch große Unterstützung.
Land unter in der Eppelborner Dorfmitte am Montag: Die Feuerwehr kam an ihre Grenzen, erlebte aber auch große Unterstützung. FOTO: Frank Recktenwald
Eppelborn. Beim Unwetter am vergangenen Montag sahen sich die Lebensretter der Feuerwehr an ihrer Leistungsgrenze. Von Michael Beer

Gewitter und starker Regen sind für gewöhnlich nichts, was einen Feuerwehrmann aus der Ruhe bringen. Aber selbst wenn Experten davor warnen, den Klimawandel für die aktuellen Ereignisse und die der jüngeren Vergangenheit zu bemühen - ob Dirmingen vor zwei Jahren oder jüngst Eppelborn, es ist schon heftig, was alleine Wassermassen an Schäden anrichten können. Die Feuerwehr Eppelborn hat sich, nachdem das Gröbste beseitigt ist, an eine Nachbetrachtung des Unwetters von Montag gewagt. Ihr Pressesprecher Frank Recktenwald spricht im Blick zurück von „aufgerissenen Straßen, mitgerissenen Wegen, verwüsteten Grundstücken, Gärten und in Mitleidenschaft genommenen Häusern“ im Ortsbild von Eppelborn. Das Unwetter habe die Feuerwehr an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gebracht und gezeigt, dass ihre Ausrüstung unzureichend ist. Recktenwald: „In den meisten Löschbezirken sind nicht genügend Gummistiefel vorhanden, und es steht keine ausreichende Regenschutzkleidung zur Verfügung. Denn wenn die vorhandene Schutzkleidung durchnässt wird, kann sie bis zum Abtrocknen in einem Brandeinsatz nicht genutzt werden.“ Deshalb habe die Wehr auf alte und zum Teil völlig zerschlissene Jacken zurückgreifen müssen. Auch die Notwendigkeit eines Einsatzleitwagens habe sich gezeigt. Der Sprecher: „Zum Glück konnte wieder einmal auf ein Fahrzeug aus einer Nachbarkommune zurückgegriffen werden. Doch gerade bei solchen Flächenlagen werden diese in der Regel in ihrem Heimatstandort selbst gebraucht.“ Landrat Sören Meng hatte sich im SZ-Interview diese Woche für die Thematik aufgeschlossen gezeigt. Eine unzureichende Ausstattung der Hilfsdienste wäre fahrlässig, sagte er. Allerdings müssten Bund und Land bei der Finanzierung mithelfen.


Aber das Chaos vom Montag hatte auch eine andere Seite, berichtet Recktenwald: „Die Helfer erlebten unglaubliche Solidarität und Unterstützung aus der Bevölkerung.“ Dafür könne man nur allen Beteiligten danken. „Getränkehandel, Metzgereien, Baufirmen – von allen Seiten wurde die Feuerwehr unterstützt. Auch wenn man immer wieder von der zunehmenden sozialen Kälte spricht: Die Eppelborner haben bei dieser Katastrophe gezeigt, dass die Einwohner zusammenhalten. Ohne diese Hilfe wäre es der Feuerwehr alleine nicht möglich gewesen, die Situation so schnell wieder unter Kontrolle zu bekommen.“

Das heftige Unwetter mit sintflutartigen Regenfällen am Nachmittag zog über weite Teile des Saarlandes hinweg, und sorgte innerhalb weniger Minuten auch in Eppelborn für erschreckende Bilder. Im Sekundentakt liefen über den Notruf 112 die Meldungen über Schäden und Hilfegesuche auf der Leitstelle ein. Das hieß Vollalarm für alle Löschbezirke der Gemeinde Eppelborn und über 100 Einsätze. Aus den umliegenden Kommunen Illingen, Lebach, Merchweiler, Ottweiler, Schiffweiler und sogar aus Püttlingen kamen Einsatzkräfte von Feuerwehr, DLRG, DRK und THW zu Hilfe. Zu Spitzenzeiten waren rund 250 Kräfte gleichzeitig im Einsatz. Selbst die Feuerwehr traf es. Noch während die Einsatzkräfte zu den ersten Einsätzen ausrückten, schossen die braunen Fluten auch in die Zentrale der Wehr in der Schleidstraße. Recktenwald: „Kniehoch stand das Wasser in der Fahrzeughalle, in den Umkleiden, den Sanitär- und Lagerräumen und dem Jugendfeuerwehrraum.“ Die Funkzentrale musste nach Bubach-Calmesweiler umziehen. Nachbarn der Feuerwehr stellten spontan Pavillions und Schirme bereit und packten tatkräftig beim Füllen von Sandsäcken mit an. Und diese Hilfsbereitschaft und Solidarität habe sich überall im Gemeindegebiet gezeigt.



Die Feuerwehr hatte Probleme, an die Einsatzorte zu gelangen.
Die Feuerwehr hatte Probleme, an die Einsatzorte zu gelangen. FOTO: Frank Recktenwald