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Wochenkolumne
Wenn’s kracht, muss jeder anpacken

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Die Eppelborner Wehr war beim Unwetter am Montag bis an die Schmerzgrenze gefordert. Sie berichtet von Solidarität - aber auch von Mängeln bei ihrer Ausrüstung. Muss das sein? Von Michael Beer

Es sind durchaus unterschiedliche Signale, die aus Reihen der Feuerwehr in den vergangenen Tagen zu hören waren. Landesbrandinspekteur Timo Meyer etwa sagte gegenüber der SZ nach dem jüngsten Unwetter vom Montag: „Einige rufen die Feuerwehr und gehen dann in den ersten Stock zum Fernsehen.“ Eppelborns Feuerwehrsprecher Frank Recktenwald dagegen lobte ausdrücklich die große Hilfsbereitschaft und Solidarität der Bürger in der eigenen Kommune. Beide Reaktionen kann man sich lebhaft vorstellen. Aber sollten die Extremwetterlagen tatsächlich wie von Experten befürchtet weiter zunehmen, dann dürfte die Hilfe eines jeden Einzelnen stärker gefragt sein. Die Freiwillige Feuerwehr, berichtete Recktenwald nämlich weiter, ist am Montag schon so ziemlich an ihre Grenzen gekommen. Mit ihrer Schlagkraft und ihrer Ausrüstung. Es braucht nicht viel Fantasie, sich noch anhaltendere Unwetter als jüngst erlebt vorzustellen. Und dann heißt es: Wenn’s kracht, muss jeder anpacken. Es sind die Schattenseiten einer Wohlstandsgesellschaft, dass diese Banalität überhaupt erwähnt werden muss.


Zugleich führen Ereignisse wie am Montag noch einmal vor Augen, was die Menschen an ihrer Feuerwehr haben. Themen wie Breitbandausbau und freies W-Lan an Schulen liegen voll im Trend - eine gute Ausrüstung der Feuerwehr ist aber in der Notlage deutlich mehr wert als die megaflotte Internet-Verbindung ins heimische Wohnzimmer und perfekte Social-Media-Bedingungen vom Kreissaal bis zur Trauerfeier.