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Neuer Kunstpunkt in der Gemeinde Eppelborn
Lesestoff hinter 16 Fensterscheiben

Am Dienstagabend fand die offizielle Einweihung des Bücherbaums in Habach vor dem Bürgerhaus statt. Dabei gab es auch Zeit für ein Gruppenfoto und Dankesworte. Denn viele hatten mitgeholfen, damit die Idee mit langem Anlauf jetzt auch umgesetzt werden konnte.
Am Dienstagabend fand die offizielle Einweihung des Bücherbaums in Habach vor dem Bürgerhaus statt. Dabei gab es auch Zeit für ein Gruppenfoto und Dankesworte. Denn viele hatten mitgeholfen, damit die Idee mit langem Anlauf jetzt auch umgesetzt werden konnte. FOTO: Claudia Emmerich
Habach. In Habach steht jetzt vor dem Bürgerhaus ein Bücherbaum. Entstanden in Kooperation Gemeinde und „Kunstpunkte“-Projekt. Von Claudia Emmerich

Noch dauert es ein bisschen, ehe alle fürs Einweihen des Bücherbaums vor dem Bürgerhaus da und bereit sind. Maximilian rennt schon mal zur hölzernen Kabine mit den Fensterchen und stellt ein Buch ein. Titel: „Was hörst du bei den Tieren“. Der Zweijährige weiß, wie das mit dem Bücherbaum funktioniert. Schon in den Tagen vor der offiziellen Freigabe war er mit seiner Mutter dort. Sie haben was zum Bilderschauen und Vorlesen ausgesucht, mit nach Hause genommen, zurückgebracht und zu was Neuem gegriffen.


So soll es laufen für Jung und Alt, wie Ortsvorsteher Peter Dörr in seiner Begrüßung erklärt. 2015, so Dörr, sei die Idee in den Ortsrat gekommen. Jetzt habe sie mit vielen Unterstützern endlich umgesetzt werden können. Sein Dank geht an Gemeinde und Betriebshof, Gemeinde- und Ortsrat, Gehöferschaft (spendete den Baum) und Jagdgenossenschaft (gab 500 Euro) sowie das „Kunstpunkte“-Projekt der Neuen Arbeit Saar (NAS)/Gemeinsam stark. Bürgermeisterin Birgit Müller-Closset spricht dann auch von einer „tollen kreativen Idee“, die von der Gemeinde gern unterstützt worden sei. Finanziell mit 2000 Euro, aber auch mit Arbeitsstunden des Baubetriebshofes. Der hat den Platz sauber gemacht, Platten verlegt, die Bank gestrichen und das Aufstellen des Bücherbaums übernommen.

Der Bücherbaum ist ein Kooperationsprojekt Gemeinde und „Kunstpunkte“. Ein weiterer „Kunstpunkt“ in Eppelborn, der vierte bereits, wie Holger Maroldt von der NAS erklärt. „Kunstpunkte“ biete jungen Arbeitslosen aus dem Landkreis Neunkirchen eine handwerkliche, kreative Grundausbildung (gefördert von Europäischen Sozialfond, Land und Jobcenter). Von solchen Projekten wie jetzt auch wieder dem Bücherbaum in Habach profitierten so sowohl Benachteiligte als auch die Region.



Bernd Sträßer, künstlerischer Leiter der „Kunstpunkte“, beschreibt das Werden des Werkes: Das Holz für den Bücherbaum lieferte der Stamm einer Rotbuche. Gewicht 900 Kilo. Das Holz des Bücherbaums wurde zurechtgesägt, Inneres rausgeholt, Platten eingebaut. Etwa ein dreiviertel Jahr dauerte planen und umsetzen. Rund 25 Menschen legten mal mit kleinerem und mal mit größerem Anteil Hand an.

Entstanden ist ein Bücherbaum auf quadratischem Grund mit vier Etagen und sechseckigem Ziegeldach. Jede Seite hat vier Fächer. 50 mal 33 mal 33 Zentimeter Platz zum Einstellen des Lesestoffs, so Sträßer. Jedes der 16 Fächer mit doppelten Scheiben Sicherheitsglas versehen. Unsere Zeitung schaut einmal rund durch die Scheiben. Da steht beispielsweise Heinz G. Konsalik „Zum Nachtisch wilde Früchte“, Stephen King „Tot“, Nicci French „Schwarzer Mittwoch“ oder auch Schulgeschichten für Leser ab zehn Jahren.

Welcher Baum hat sich hier nun in einen Bücherbaum verwandelt? Da Peter Hippchen, Vorsitzender der Gehöferschaft, das nicht direkt weiß, ruft er für die SZ mal schnell bei Förster Ingo Piechotta an. Der weiß es genau: Die Rotbuche stand in der Parzelle In den Eichenstangen, wurde 2017 geschlagen. Sie war 120 Jahre alt und 30 Meter hoch. Der Baum hat eine Erwähnung verdient, lebt er doch auf neue Art weiter.