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„Brief aus Afrika“
Unterwegs im Land der Gegensätze

Zoe Roos (Mitte) beim Streifzug in der Stadt mit Freunden.
Zoe Roos (Mitte) beim Streifzug in der Stadt mit Freunden. FOTO: Zoe Roos
Zoe Roos aus Bexbach absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr in Dakar im Senegal. Dort arbeitet sie im Kindergarten Sekar Wangi, der auf Initiative des Künstlers Abdoulaye Seck entstanden ist. In einer Serie berichtet sie von ihren Eindrücken.

Am eindrücklichsten in den vergangenen Wochen und Monaten seit dem letzten „Brief aus Afrika“ sei für sie im März ein Zwischenseminar in Gambia gewesen, schreibt Zoe in ihrer Mail, „Gambia ist das kleine Land, welches den Senegal auf der Landkarte horizontal fast komplett durchläuft und teilt. Nach sechs doch langen Monaten war es für mich wunderschön, Gleichaltrige zu treffen, die meine Sprache sprechen, meine Kultur verinnerlicht haben und gleichzeitig das afrikanische Leben kennen. In Gambia gibt es auch – anders als bei mir in Dakar – unglaublich viele Pflanzen und Tiere. Ich habe gemerkt, dass ich doch ein ‘Naturmensch’ bin und diese Nähe zur Natur mir in Dakar fehlt. Dies genoss ich nun umso mehr.“ Besonders beeindruckend war der Strand und die Baobablandschaft – die gewaltigen „Affenbrotbäume“, wie sie im Deutschen auch genannt werden, können große Mengen Wasser speichern, und liefern die Bestandteile für Kleidung und Medizin. Zudem ranken sich viele Mythen und Legenden um die Bäume.


Die Seminarwoche habe ihr „unglaublich viel Kraft gegeben und geholfen, mein Jahr hier noch einmal in einem positiveren Licht betrachten zu können“, schreibt Zoe. Denn es falle ihr nach wie vor schwer, sich „der senegalesischen Kultur mit deren strengen Normen und Regeln anzupassen. Angefangen bei meinem Lieblingsthema: der Gleichberechtigung – es ist für mich unvorstellbar und einfach sehr schwer akzeptierbar, dass im Senegal für alle absolut selbstverständlich ist, dass sehr viele Frauen nur für die Küche, die Kinder und den Haushalt alleine zuständig sind. Arbeitende Frauen, abgesehen von Marktfrauen, sind die Ausnahme. Dieses Phänomen stellt mich fast täglich vor einen gefühlt unlösbaren inneren Konflikt. Auf der einen Seite möchte ich diese Kultur verstehen und akzeptieren (kann dies natürlich auch in vielerlei Hinsicht); auf der anderen Seite gelingt es mir nicht, dieses hierarchische Familienbild auch nur annähernd zu akzeptieren; was mich häufig schon mit mir ringen ließ, da ich die Menschen, die hier leben, lieben gelernt habe und niemals „vor den Kopf stoßen möchte“ und es gleichzeitig kaum ertrage, stillschweigend meine Rolle so aufzunehmen und entsprechende Aussagen und Erwartungen unkommentiert anzunehmen.

Zoe Roos Bexbach Dakar
Zoe Roos Bexbach Dakar FOTO: Zoe Roos

Es freut mich jedoch jedes Mal riesig, wenn ich sehe, dass es auch andere Wege gibt. So habe ich viele junge Mädchen kennenlernen dürfen, die regelmäßig die Schule besuchen und den großen Wunsch haben im Anschluss zu studieren.“

Ein weiteres großes Problem im Senegal sei – neben der hohen Arbeitslosigkeit – die schlechte Qualität der staatlichen Schulen. Die staatlich angestellten Lehrer werden sehr gering bezahlt, deshalb wird ständig gestreikt. „Der Schulunterricht fällt teilweise monatelang aus. An den privaten Schulen muss man dies nicht befürchten, jedoch ist es nur sehr wenigen privilegierten Eltern möglich, ihre Kinder dort anzumelden, weil diese zu teuer sind. Also wird zwangsläufig in Kauf genommen, dass die Schulbildung miserabel und voller Lücken ist, was wiederum eine weitere positive berufliche Ausbildung und Tätigkeit fast unmöglich macht, also ein ewiger Kreislauf.“



Aber zurück zu Gambia: Vor vier Wochen waren drei deutsche Freiwillige aus Gambia bei Zoe zu Besuch, gemeinsam erkundeten sie die Hauptstadt Dakar. Hierbei habe sie das erste Mal typische „Touristenspots“ besichtigt: „Ich war sehr überrascht, wie europäisch manche Teile Dakars doch sein können – wenn man bedenkt, wie arm der Senegal ist und dass der Großteil der Bevölkerung weit unter dem Existenzminimum leben muss. Gleichzeitig wird für die Touristen eine kleine Parallelwelt mit extremem Luxus gebaut“, schreibt Zoe, das zu erleben sei für sie eine befremdliche und zwiespältige Erfahrung.

Ein besonderes Ereignis war die Hochzeit der Köchin und Haushälterin von Zoes Gastfamilie: Für den Senegal typisch, kamen unglaublich viele Menschen und es wird reichlich gekocht, alle machen sich sehr schick zurecht, es werden kleine Kuchen als Gastgeschenke verpackt, es wird geredet, diskutiert und Tee getrunken. Währenddessen kochten die Frauen bereits das Mittagessen, „Ceeb au japp“, eine Art Reispfanne mit Gemüsestücken und einem großen Stück Fleisch in der Mitte. Ceeb bedeutet Reis und Japp Fleisch. Nach dem Mittagessen verschwand die Braut, um sich umzuziehen, und auch der Rest der Frauen schminkte sich und wechselte das Outfit. Anschließend wurde gewartet, bis die Braut zurückkam. Dieses Ritual kann einige Stunden dauern und alle trinken Tee, den berühmten Attaya.“ Der grüne Tee wird mehrmals zwischen zwei Tassen umgeschüttet, bis er schaumig ist, und mit viel Zucker und Minze getrunken. Der Tee wird in drei Aufgüssen getrunken: Der erste sei bitter wie der Tod, der zweite lieblich wie das Leben, der dritte süß wie die Liebe, sagt ein Sprichwort. „Gegen 19 Uhr, es wurde bereits langsam dunkel, kam die Braut endlich zurück. Es wurde getrommelt und fotografiert. Anschließend wurde gesungen und Musik gemacht, während immer abwechselnd eine Frau aufstand und den traditionellen „Mbalakh“-Tanz tanzte. Diese Zeremonie ist unglaublich faszinierend; jedoch schwer mit Worten zu beschreiben.“

Drei Monate sind es nun noch, bis Zoes Jahr im Senegal zu Ende ist.

Impressionen aus dem Alltag, zum Beispiel bei den Kochvorbereitungen (oben).
Impressionen aus dem Alltag, zum Beispiel bei den Kochvorbereitungen (oben). FOTO: Zoe Roos