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Willkommenskultur für Schwalben

Landrat Theophil Gallo und Nabu-Vorsitzende Barbara Böhme mit Nisthilfen für Schwalben. Pia Schramm und Anita Naumann vom Biosphärenzweckverband (von links) begrüßen die Initiative des Nabu für den Schutz von Schwalben und Mauerseglern. Im Hintergrund ein Haus in Rohrbach mit natürlichen Schwalbennestern und einem unterhalb angebrachten Kotbrett. Foto: Cornelia Jung
Landrat Theophil Gallo und Nabu-Vorsitzende Barbara Böhme mit Nisthilfen für Schwalben. Pia Schramm und Anita Naumann vom Biosphärenzweckverband (von links) begrüßen die Initiative des Nabu für den Schutz von Schwalben und Mauerseglern. Im Hintergrund ein Haus in Rohrbach mit natürlichen Schwalbennestern und einem unterhalb angebrachten Kotbrett. Foto: Cornelia Jung FOTO: Cornelia Jung
Rohrbach. Viele Schwalbenarten oder Mauersegler, die früher uns viel vertrauter waren, verschwinden zunehmend aus dem Ortsbild. Oft werden ihre Behausungen auch vorsätzlich entfernt, was strengstens verboten ist. Nun widmen sich Verbände und Politik in der Region der Willkommenskultur für Schwalben. Cornelia Jung

Das Ergebnis der Schwalbenzählung des Nabu St. Ingbert ist erschütternd, wie dessen Vorsitzende sagt. "In Sengscheid, Rentrisch und Schüren konnten wir gar keine Schwalbennester mehr finden", so Barbara Böhme. In den anderen Ortsteilen fanden sich jeweils 20 besetzte Nester. Reichenbrunn schnitt am besten ab. Während aus früherer Zeit Sprüche wie "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer" überliefert sind, die auf ein großes Vorkommen von Schwalben in der Vergangenheit hindeuten, wissen manche Kinder nicht einmal mehr, wie eine Mehl-, Rauch-, und Uferschwalbe oder Mauersegler aussehen. Einst wurden sie von den Menschen freudig begrüßt, waren als Glücksbringer, Frühlingsbote und Schädlingsbekämpfer gern gesehen. Heute kann man sie in unserer Region nur noch selten fliegen sehen. Schuld daran sind unter anderem die Versiegelung von Straßen und Wegen, denn die Vögel bauen sich ihre Nester, die sie unter Dachüberständen anbringen, aus bis zu 1200 Lehmkügelchen. Lehm, den sie normalerwiese auf Feldwegen finden, die mit regengefüllten Schlaglöchern gespickt sind. Solche für Schwalben traumhaften Zustände finden sich, auch im ländlichen Raum, nur noch vereinzelt. Doch es gibt sie noch, die kleinen "Flieger" mit dem gegabelten Schwanz. Aber wenn sie mit viel Mühe ein Nest an der Fassade eines Gebäudes errichtet haben, wird es nicht selten von den Bewohnern abgeschlagen. Sie möchten die Spuren des Vogelkots nicht am Haus haben. Dabei ist das Vernichten der Nester verboten, wie Barbara Böhme sagt. Selbst bei Renovierungen am Haus muss laut Naturschutz-Gesetz eine Ausnahmegenehmigung für die Nestbeseitigung beim Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz eingeholt werden. Viele wüssten das nicht, bei einigen fehle aber auch das Unrechtsbewusstsein. "Das Bewusstsein muss wieder her und wir müssen die Leute dafür sensibilisieren", meint auch Landrat Theophil Gallo , der mit für das Anbringen von Nisthilfen an öffentlichen Gebäuden sorgen will, "wenn kleine Aktionen von vielen unterstützt werden, wirkt das auch." Als vorbildlich in Sachen Schwalbenschutz haben die Nabu-Mitglieder ein Mehrfamilienhaus in der Hunsrücker Straße in Rohrbach ausgemacht. Dessen Besitzer hat mit den gefiederten Untermietern in fünf Nestern kein Problem. Knapp unterhalb der Mehlschwalbenbehausungen hat er ein schmales Kotbrett angebracht, das regelmäßig gereinigt wird, so dass weder die weißen Wände noch die Fenster in Mitleidenschaft gezogen werden. Dort hat man sich arrangiert. "Es braucht mehr Toleranz", appelliert Böhme an die St. Ingberter. Auch wenn es in der Stadt wenig Lehm zum Nestbau gebe, könne man die Tiere mit Kunstnestern, die es zu kaufen gibt, willkommen heißen. Der Nabu Saar hat für engagierte Schwalbenschützer die Auszeichnung "Schwalben willkommen" ins Leben gerufen. Gallo freut das Engagement des Nabu, das er als modellhaft und nachahmenswert bezeichnet. "Wenn man in Südfrankreich im Café sitzt, ist man begeistert, wenn man die Vögel sieht. Warum nicht auch hier?", fragt sich Pia Schramm vom Biosphärenzweckverband, die der Initiative des Nabu Lob zollt. Sie erschrecke der schleichende Prozess, mit dem diese Vogelarten verschwinden. Eigentlich steht der vermehrten Ansiedlung in der Biosphärenstadt nichts entgegen. Aus Schwalbensicht jedenfalls sei St. Ingbert ein "potenziell schönes Gebiet", wie Barbara Böhme findet.


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