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Starkregen in St. Ingbert
Starkregen ist die große Herausforderung

Beim Starkregen in der Nacht zum 1. Juni war die St.Ingberer Feuerwehr im Dauereinsatz..
Beim Starkregen in der Nacht zum 1. Juni war die St.Ingberer Feuerwehr im Dauereinsatz.. FOTO: Alex Weber/Feuerwehr St. Ingbert
St. Ingbert. In der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni litten viele St. Ingberter unter dem Starkregen, der zahlreiche Schäden hinterließ. Jetzt fand eine öffentliche Stadtratssitzung zu diesem Thema statt. Von Selina Carolin Summer

„Starkregenereignisse sind die Herausforderung der nächsten Jahre“, begann Oberbürgermeister Hans Wagner die Eröffnung der Sonder-Sitzung. Dass diese Ereignisse nicht zu verhindern sind, sei allen bewusst. Aber man könne die Schäden in Grenzen halten. Hierüber wurde bei der öffentlichen Sitzung ausführlich informiert. Was wurde geleistet? Was kann in Zukunft getan werden?


Gleich der erste Tagesordnungspunkt betraf die Meldungen der Bürger. Verschobene Kanaldeckel, verstopfte Regeneinläufe, Unterspülungen an Wegen oder Probleme mit der Kanalisation, alles wurde zeitnah behoben. Am 6. Juni beschloss der Ministerrat ein Maßnahmenpaket, auf das seitdem bei den zuständigen Stellen sowie online der Zugriff möglich ist. Anträge auf Sofort- und Finanzhilfe können gestellt werden.

In St. Ingbert sind bisher 58 Formulare abgegeben und an den Saarpfalz-Kreis weitergeleitet worden. Die zu Anfang nicht aufgeführten Orts- und Stadtteile Hassel, Rentrisch und Oberwürzbach hat man inzwischen in die Liste der Schadensgebiete aufgenommen. Die Antragsfrist für alle Schadensmeldungen wurde auf den 30. September 2018 festgesetzt. Derzeit sind die finanziellen Auswirkungen noch nicht abzuschätzen. Eine Schadenskommission des Saarpfalz-Kreises entscheidet über die Gewährung der Sofort- und Finanzhilfeanträge.



Zum Feuerwehreinsatz kamen nur die wesentlichen Eckdaten noch einmal zur Sprache. 121 Kräfte arbeiteten 19 Stunden mit allen 18 Fahrzeugen an 307 Stellen im Einsatz. Unterstützung erhielten sie von THW-Ortsverbänden und benachbarten Löschbezirken. Insgesamt waren daher 320 Einsatzkräfte und etwa 60 Einsatzfahrzeuge unterwegs. Die unwetterbedingten Mehraufwendungen schlagen im Haushalt mit rund 27 000 Euro zu Buche.

Auch das Thema Elementarschadenversicherung für städtische Liegenschaften wurde diskutiert. Geprüft wurde diese Möglichkeit bereits 2010 und 2011. Das Fazit bleibt heute wie damals das gleiche: Früher waren hohe Selbstbehalte und die Höhe der zu zahlenden Prämien die Hauptgründe, warum Kommunen solche Versicherungen nicht abschlossen. Die Prämien, Auflagen und Ausschlusskriterien wurden seitdem um ein Vielfaches erhöht. Es lohne sich also nicht.

Beim Starkregen im Juni sei St. Ingbert mit einem „blauen Auge“ davongekommen. Dass dieser ein Höhepunkt der Ereignisse war, steht außer Frage. Die Stadt arbeite bezüglich der Risikovorsorge gegen außergewöhnliche Wetterereignisse seit Jahren an Verbesserungen der Infrastruktur, um vorbereitet zu sein und somit Gefahren zu verringern. Einen hundertprozentigen Schutz vor Naturgewalten könne jedoch niemand garantieren. Deshalb soll die Beratung zu vorbeugenden baulichen Maßnahmen im Einzelfall verstärkt werden.

Für private Bauherren und Planer gebe zum Beispiel die „Hochwasserschutzfibel“ wichtige Leitideen vor. Der Eigenbetrieb Abwasser (EBA) erarbeitet derzeit selbst einen „Leitfaden zum Einbau von Rückstau-Systemen“. Auch andere Wetterphänomene, wie Stürme und langanhaltende Trockenheit, stehen im Fokus.

Das Thema wird weiter in der bereits bestehenden Arbeitsgruppe „Anpassung an den Klimawandel“ bearbeitet. Sehr ausführlich kam die optimale Nutzung der Kanalisation sowie die Erstellung von Starkregenkarten in Kooperation mit dem Ministerium für Umwelt zur Sprache. Ebenso wie die Maßnahmen zur Risikoverringerung im Außenbereich. Im Waldbereich solle zukünftig noch stärker in Instandsetzungsmaßnahmen und intensive Wartung investiert werden. Sowohl die verrohrten als auch die nicht verrohrten Fließgewässer bedürfen höherem Unterhaltungsaufwand, insbesondere bei starker Hanglage.

Die Ortsvorsteher der Ortsteile Oberwürzbach, Rohrbach, Hassel, Rentrisch und St. Ingbert-Mitte setzten sich gemeinsam für die Entwicklung eines Aktionsplans gegen Starkregen für die Gesamtstadt ein, bei dem die spezifischen Begebenheiten der Ortsteile berücksichtigt werden sollen. Dabei brachte Lydia Schaar, Ortsvorsteherin von Oberwürzbach, unter anderem die Regulierung der Fließgeschwindigkeiten durch „Flutungsflächen“, die Kontrolle der Kanaldurchmesser und die Schnelle und unbürokratische Hilfe nach Starkregen zur Sprache.

> Weiterer Bericht folgt

Informationen zum Maßnahmenpaket: www.saarland.de/237008.htm. sowie zur Hochwasserschutzfibel: www.fib-bund.de/Inhalt/Themen/Hochwasser/