| 19:12 Uhr

Meilenweit entfernt von der harmonischen Idylle

Oberbürgermeister Hans Wagner (links) mit Künstler Mario Andruet vor einem der in der Rathausgalerie ausgestellten Werke. Foto: Brigitte Quack
Oberbürgermeister Hans Wagner (links) mit Künstler Mario Andruet vor einem der in der Rathausgalerie ausgestellten Werke. Foto: Brigitte Quack FOTO: Brigitte Quack
St Ingbert. Mario Andruet stellt in der St. Ingberter Rathausgalerie seine surrealen Bilder aus. Brigitte Quack

Die Bilder von Mario Andruet in der St. Ingberter Rathausgalerie faszinieren vom ersten Augenblick an. Sie ziehen den Betrachter wie magisch in den Bann, diese großen Frauenaugen, die ihn ernst und schwermütig anblicken - so, als wollten sie von tiefgründigen, tragischen Ereignissen erzählen. Aber auch diese kontrastreichen, surrealen Themenbilder, die vorwiegend in dunklen Farbtönen einherkommen. Von harmonischen Idyllen sind sie weit entfernt, denn der Saarwellinger Künstler verarbeitet in seinen Werken kritische Themen, gesellschaftliche Missstände, Krieg und Gewalt und das in einer meisterlichen Darstellungsweise. Er malt fotorealistisch und hat in der Kombination von Öl mit Metalloxidationen und Aquarellfarben eine beeindruckende, plastisch wirkende Darstellungsweise entwickelt, mit der er eine hohe Intensität des Ausdrucks erreicht.


Dazu passt das Bühnenbildhafte, das vielen Werken noch immer anhaftet und an seine Dekorateur-Ausbildung erinnert. Und doch sind seine Bilder sehr tiefgründig und stecken voller Symbole, die es zu entschlüsseln gilt. Der Totenkopf und die Erdkugel, DNA-Stränge, Fische und Schlangen sind in diesen technisch perfekten Gemälden anzutreffen und ebnen den Weg zu ihrem Verständnis. Kritik offenbart sich auch in dem Werk, das er anlässlich der Ausstellungseröffnung enthüllte: die amerikanische Freiheitsstaue mit Weltkugel, Totenkopf und verloren wirkenden Menschen vor vertrockneter Erde inmitten kahler Natur. Selbst wenn Mario Andruet in dieser kritischen Bilderschau mit brauntonigen Materialbildern für Abwechslung sorgt, bringen auch hier Symbole bedeutungsschwangere Hintergründe ins Spiel. Fliegen etwa, die auf dichtem, braunem Grund reliefhaft aufgearbeitet sind und wie gelungene dreidimensionale Insektenbilder anmuten. Doch in seiner Vorstellung ist die Fliege noch immer assoziiert mit dem "Herr der Fliegen", wie der Teufel im Alten Testament genannt wird, so dass auch diese Bilder über die reine Anschauung hinausreichen.



Zum Thema:

Die Ausstellung Mario Andruet - "Surrealismus - Fotorealismus - Sozialkritik" läuft noch bis zum 13. April. Rathausgalerie St. Ingbert. Geöffnet ist sie zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr, freitags von 8 bis 12 Uhr.