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Fordernde Eltern
 Kitaforum Saarpfalz hatte Fachtagung

Professor Wolfgang Beudels beim im Homburger Forum angebotenen Workshop „Auffällige Kinder als pädagogische Herausforderung“.
Professor Wolfgang Beudels beim im Homburger Forum angebotenen Workshop „Auffällige Kinder als pädagogische Herausforderung“. FOTO: Yvonne Apitz-Bimboes/Saarpfalz-Kreis
Saarpfalz-Kreis. Der Fachtag beschäftigte sich mit dem Thema „Wenn Eltern (über)fordern!“. Über 200 pädagogische Fachkräfte nahmen teil. red

Es ist nicht zu übersehen, Umfragen und wissenschaftliche Studien belegen es deutlich: Eltern stehen heutzutage unter einem erheblichen Druck und scheinen zunehmend in allen Fragen der Erziehung und Förderung ihrer Kinder verunsichert. Der 14. Fachtag des Kitaforums Saarpfalz griff diese Problematik auf und beschäftigte sich mit dem Thema „Wenn Eltern (über)fordern!“.


Bei vielen Eltern ist eine deutliche und einseitige Ausrichtung all ihrer Bemühungen auf den möglichst hohen Schulabschluss ihres Kindes festzustellen, obwohl es noch gar nicht in der Schule ist. Sie stützen sich dabei oftmals auf Informationen aus dem Internet, das eine unübersehbare Fülle an mehr oder weniger seriösen pädagogischen, medizinischen, psychologischen, aber auch esoterisch angehauchten Ratgebern, Foren und Erfahrungsberichten zur Verfügung stellt. Diese stiften allerdings mehr Verwirrung als dass sie solides Wissen vermitteln.

Damit steht die Kindertageseinrichtung mehr und mehr im Brennpunkt elterlicher Forderungen, die oft weit über den pädagogischen Auftrag von Erziehung, Bildung und Betreuung hinausgehen.



Somit ging es dem Referenten Professor Wolfgang Beudels von der Hochschule Koblenz, Fachbereich Sozialwissenschaften, in seinem Hauptvortrag „Wenn Eltern (über)fordern! Zusammensetzen, auseinandersetzen und das Kind im Blick behalten“ darum, Zusammenhänge näher zu beleuchten und verschiedene Verursachungsfaktoren einander gegenüberzustellen, die zu „Elterndruck“ und zu „Druck durch Eltern“ führen.

Mehr als 200 pädagogische Fachkräfte waren gekommen.

„Das große Interesse und die positiven Rückmeldungen zeigen die Aktualität und Brisanz des Themas, alles in allem eine sehr gelungene Veranstaltung,“ sagte Landrat Theophil Gallo. Der Referent nahm Eltern als Betroffene und gleichzeitig als Gestalter von Kindheit in den Blick und diskutierte die Auswirkungen auf die Kinder als Leid-Tragende. Viele Eltern setzen die Kita mit einer Vorschule gleich und erwarten, dass möglichst nach Stundenplan und unterteilt in Fächer schulisches Wissens vermittelt wird, selbstverständlich mit vorzeigbaren Ergebnissen. In diesem Zusammenhang wollen Eltern den Entwicklungsstand ihres Kindes permanent mit dem anderer Kinder vergleichen und erwarten oft von den pädagogischen Fachkräften genaue Auskunft darüber, wo sich ihr Kind im Spannungsfeld von „überdurchschnittlich“, „normal“ und „auffällig“ befindet.

Auf der anderen Seite scheint die Zahl der Kinder, die aus sehr unterschiedlichen Gründen schon früh Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten zeigen, immer weiter zu wachsen. Auf dieser Basis entwickelte Beudels im Dialog mit den Teilnehmern Konsequenzen für die Gestaltung und Ausrichtung des pädagogischen Angebots der Kitas, für den Umgang mit Eltern, aber auch für die Haltung der pädagogischen Fachkraft.

Als Ergänzung zum Fachvortrag fanden vier Workshops mit unterschiedlichen Referenten statt.