| 14:37 Uhr

Erntebilanz
Auch ohne Regen stimmen die Erträge

Die Landwirte in der Region hatten trotz der untypischen Wetterentwicklung eine wenigstens durchschnittliche Ernte. Von saftigen Weiden konnte bei der lang anhaltenden Trockenheit allerdings nicht die Rede sein. Das Gras-Futter für die Milchkühe wird wohl knapp.
Die Landwirte in der Region hatten trotz der untypischen Wetterentwicklung eine wenigstens durchschnittliche Ernte. Von saftigen Weiden konnte bei der lang anhaltenden Trockenheit allerdings nicht die Rede sein. Das Gras-Futter für die Milchkühe wird wohl knapp. FOTO: dpa/dpaweb / Stefan Puchner
St. Ingbert/Bliestal. Nachdenklich, aber durchaus zufrieden: Der Vorsitzende des Kreis-Bauernverbandes, Richard Schreiner, zieht zum Erntedankfest Bilanz. red

An diesem Sonntag ist Erntedankfest. Die deutsche Landwirtschaft blickt auf ein Jahr zurück, in dem es Ernteschäden „nationalen Außmaßes“ gab. In den meisten Bundesländern wurde die schlechteste Ernte seit 15 Jahren eingefahren. Einzig Rheinland-Pfalz und das Saarland haben keinen Antrag auf Dürrehilfe beim Bund gestellt. Doch auch im Saarland gibt es regionale Unterschiede. Sie SZ hat beim Vorsitzenden der Landwirte im Saarpfalz-Kreis Richard Schreiner nachgefragt.


Feuchtigkeit war im Frühjahr ausreichend vorhanden. Es hatte den ganzen Winter durchgehend geregnet. Im Januar wurde vielerorts ein Rekord-Niederschlag von 200 Litern pro Quadratmeter gemessen. Im Februar gab es eine kurze Frostperiode und dann regnete es weiter. Im März wollte es weder ausreichend warm, noch trocken werden um Pflegearbeiten und Frühjahrsaussaat termingerecht durchführen zu können. „Die Natur ist nicht richtig in die Gänge gekommen“, berichtet Schreiner. Ende April war es plötzlich da, das „Turbofrühjahr“. Mit dauerhaft sommerlichen Temperaturen ging die Vegetation mit Siebenmeilenstiefeln voran. Im Saarpfalz-Kreis gab es immer wieder Schauer und Gewitter, so dass Raps, Getreide, Gras und Mais gut gewachsen sind. Den Verzug aus dem Frühjahr holte die Natur schnell wieder auf und so mussten sich die Landwirte sputen um mit der Ausführung der anfallenden Arbeiten nicht ins Hintertreffen zu geraten. Kaum waren zwei Schnitte beim Gras geerntet und das Heu eingefahren, war bereits das Getreide reif. Üblicherweise beginnt der Drusch der Wintergerste Anfang Juli. Mit etwa 14 Tagen Abstand folgen der Raps und Anfang August der Weizen. Doch dieses Jahr war alles anders. Bereits Ende Juli war die Getreideernte fast vollständig abgeschlossen. „Das lag an den durchgehend hohen Temperaturen“, erklärt Schreiner.

Die Erntemengen erreichten 2018 zwar nicht das Niveau des Vorjahres, besonders der Raps erfüllte die Erwartungen nicht, aber die meisten Landwirte seien trotzdem zufrieden. Der Kreisvorsitzende erklärt interessante Fakten. Die Landwirte im Saarland haben beim Getreide eine gut durchschnittliche Ernte eingefahren. Bundesweit beklagen die Landwirte Ernteausfälle von gut 30 Prozent. Trotz dieser unterschiedlichen Ausgangssituationen liege das Saarland bei der Erntestatistik auf einem hinteren Platz. „Das liegt an der natürlichen Benachteiligung unseres Bodens und an der extensiven Wirtschaftsweise der saarländischen Landwirte“, gibt Schreiner zu bedenken. Auf dem Kirchheimerhof werden Milchkühe gehalten. Schreiners Wiesen sind zwar grün. aber das Gras wächst nicht mehr. „Wir haben mittlerweile seit Monaten ein großes Defizit beim Niederschlag“, erklärt der Landwirt. Er gibt zu bedenken, dass viele Betriebe bereits vom Winterfutter zehren. Nicht jeder Bauer wisse, ob die Vorräte tatsächlich bis zum nächsten Frühjahr ausreichen. Die Landwirte hatten zwar einen recht guten Ertrag beim Mais, allerdings seien sie nicht sicher ob die Menge ausreicht, um die Ausfälle beim Gras zu kompensieren. Auch hinter der Qualität der Maissilage stehe noch ein großes Fragezeichen. Schreiner erläutert, dass die Maispflanzen beim Häckseln schon ziemlich trocken waren. Das Material habe sich im Silo nicht gut verdichten, also. „walzen“ lassen. „Einige Berufskollegen hatten beim Walzen den Eindruck sie würden auf Popcorn fahren“, schmunzelt der Landwirt vom Kirchheimerhof.



Kartoffeln gehören auf den meisten Höfen vor allem bei der Direktvermarktung zum Sortiment. Dieses Jahr gebe es zwar nicht so viele Knollen, dafür sei ihre Qualität umso besser. Die Pflanzen hätten unter dem mangelnden Niederschlag gelitten, haben dafür aber einen ausgezeichneten Geschmack. Beim Obst war 2018 im Kreis eine gute Ernte möglich. Die Bäume hingen oft so voll, dass Äste abgestützt werden mussten, damit sie nicht abbrechen. Im Saarpfalz-Kreis wird das Obst abgesehen von wenigen Ausnahmen nur noch zum Eigenbedarf angebaut. Doch auch hier findet sich reichlich Verwendung. Ob auf dem Kuchen, in der Marmelade oder als Destillat, gutes Obst mache glücklich und ab und zu sei das auch notwendig. Landwirtschaft findet in und mit der Natur statt.

Häufig gebe es Höhen und Tiefen, dabei sei Flexibilität gefragt, denn vieles zeige sich im Jahresverlauf anders als geplant. Kreisvorsitzender Schreiner ist trotz der anhaltenden Trockenheit mit dem Jahr recht zufrieden. „Natürlich wünschen wir uns Regen, besonders für das kürzlich ausgesäte Getreide“ betont er. Gleichzeitig zum ausreichenden Niederschlag benötigen die Landwirte auch eine gute Niederschlagsverteilung. „Wetterphasen, die sich wie Regen- und Trockenperioden anfühlen, vertragen weder Natur noch Landwirte gut.“

Richard Schreiner, der Vorsitzende des Bauernverbandes im Saarpfalz-Kreis.
Richard Schreiner, der Vorsitzende des Bauernverbandes im Saarpfalz-Kreis. FOTO: Hans Hurth