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Greenwald stand Schülern Rede und Antwort

Homburg. Einen etwas anderen Gesprächstermin konnten Schüler des Mannlich-Gymnasiums in Homburg wahrnehmen. Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald unterhielt sich mit ihnen insbesondere über relevante Sicherheits- und Schutztechniken im Internet. Thorsten Wolf

Als die Siebenpfeiffer-Preisverleihung an den Enthüllungsjournalisten und Snowden-Vertrauten Glenn Greenwald für Homburg eigentlich schon Geschichte war, da fügten am vergangenen Montagnachmittag Schüler der zwölften Klasse des Mannlich-Gymnasiums dem letzten Kapitel kurzerhand noch ein paar eigene Zeilen hinzu. Denn: Auf Initiative von Lehrerin Ulrike Bossung war es gelungen, den Schülern des Politik-Kurses einen im wahrsten Sinne exklusiven und fast schon privaten Gesprächstermin mit Glenn Greenwald in dessen Hotel zu verschaffen. Wie den "Mannlichern" das gelang, was andere vergeblich versucht hatten? Darauf hatte Ulrike Bussong im Gespräch mit unserer Zeitung eine entwaffnend einfache Antwort: "Ich habe beim gemeinsamen Willkommens-Diner mit Greenwald am Samstagabend, bei dem ich Landrat Lindemann begleiten durfte, einfach im Gespräch die Chance genutzt und ihn nach einer solchen Möglichkeit gefragt. Er hat zugesagt."

Eben Fragen waren dann auch das, was die 13 Schüler bei diesem mehr als außergewöhnlichen Termin beschäftigte. Und noch gestern, als sich ein Teil der Teilnehmer sowie die begleitenden Lehrer Jan Weißler und Ulrike Bussong ihrerseits den Fragen unserer Zeitung stellten, war noch etwas von der nachvollziehbaren Aufregung zu spüren. "Ich hab direkt neben ihm auf dem Sofa gesessen, das war schon ein bisschen komisch", erinnerte sich Sophie Schiestel an die Begegnung mit Greenwald im Kaminzimmer des Hotels. "Denn man hat ihn vorher ja nur im Film und in Fernsehinterviews gesehen." Auf die Frage, wie er sich auf das Zusammentreffen mit Greenwald vorbereitet habe, sagte Sophies Mitschüler Johann Kautz, dass es ihm in der Kürze der Zeit vor allem um relevante Sicherheits- und Schutztechniken im Internet gegangen sei. Und er zitierte Glenn Greenwald sinngemäß so: "Man kann eine Mauer bauen, man kann aber nicht verhindern, dass jemand sich unter dieser Mauer durchgräbt, ein Loch hinein schlägt oder drüberspringt. Es ist eigentlich wie ein Wettrüsten."

Eine Sache ist es, einen wie Glenn Greenwald zu interviewen. Eine andere ist es, das, was der Siebenpfeiffer-Preisträger enthüllt hat, auch im täglichen Leben zu berücksichtigen. Yannik Thomas: "Ich verwende inzwischen extrem komplizierte Passwörter im Internet . Das war zuvor nicht so. Da hat mir Glenn Greenwald die Augen geöffnet!" Und wie ist es mit dem Umgang mit der eigenen Privatsphäre, gerade wenn man als junger Mensch soziale Netzwerke nutzt? Hier machte Schüler Benedikt Heinz klar: "Ich achte generell sehr genau drauf, was ich in sozialen Netzwerken veröffentliche. Aber natürlich macht die Geschichte von Snowden und Greenwald einem die ganze Sache noch mehr bewusst. Man muss einfach mit privaten Inhalten sehr vorsichtig sein, weil die Gefahr eines Missbrauchs besteht."

Jenseits des "fachlichen" Austauschs zwischen Greenwald und den Schüler gab es am Montagabend natürlich noch eine rein menschliche Seite. Wie wirkt ein so öffentlicher Mensch im fast schon privaten Rahmen? Das Urteil von Moritz Brocher: "Er hat uns wirklich sehr ernst genommen. Er ist sehr stark auf uns eingegangen und hat wirklich jede Frage beantwortet. Er war auch sehr herzlich im Umgang und sehr offen, ein wirklich netter Mensch." Dass man sich durchweg auf Englisch über durchweg komplexe Themen wie Geheimdienste unterhalten musste oder durfte, stellte die Schüler kaum vor Probleme. "Da wir unseren Politik-Unterricht hier auf Englisch führen, waren uns die meisten Begriffe geläufig. Von daher war es nicht schwierig", erinnerte sich Madeline Rübel an den Montagnachmittag.

Auf die Frage, wie die Gefühlslage nun angesichts der von Snowden und Greenwald gezeichneten Welt sei, antwortete Madelines Mitschüler Felix Höbler: "Man hat nie gewusst, wie weit die Überwachung wirklich geht, jetzt hat man einen besseren Eindruck über das Ausmaß des Datensammelns." Und eine Frage durfte natürlich weder am Montag noch gestern fehlen: Sollte Deutschland Edward Snowden Asyl gewähren? Katharina Schillo verdeutlichte Glenn Greenwalds Vorwurf, gerade Deutschland stehe gegenüber Snowden in einer Verpflichtung, habe man doch gerade hier sehr von den Informationen des Geheimdienst-Aussteigers profitiert. Und Yannik Thomas ergänzte mit Greenwalds Standpunkt: "Deutschland ist nicht bereit, das Risiko einzugehen, das Snowden für Deutschland eingegangen ist."