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Boschler kämpfen um ihre Jobs

Mitarbeiter von Bosch aus dem Saarland und ganz Deutschland machten gestern in Homburg gemeinsam mit Abordnungen von anderen Metallbetrieben aus der Region Front gegen die Schließung der Bosch-Tochter BESG in Neunkirchen und gegen den Stellenabbau bei Bosch und Bosch-Rexroth in Homburg. Foto: Thorsten Wolf
Mitarbeiter von Bosch aus dem Saarland und ganz Deutschland machten gestern in Homburg gemeinsam mit Abordnungen von anderen Metallbetrieben aus der Region Front gegen die Schließung der Bosch-Tochter BESG in Neunkirchen und gegen den Stellenabbau bei Bosch und Bosch-Rexroth in Homburg. Foto: Thorsten Wolf FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Mit einer ungewöhnlichen Aktion der Gewerkschaft IG Metall haben mehrere Tausend Beschäftigte der saarländischen Bosch-Unternehmen in Homburg in ihren Werken demonstriert. Grund ist der schleichende Arbeitsplatzabbau. Thorsten Wolf

Ein starkes Signal in Richtung der Stuttgarter Konzernzentrale sollte der gestrige Aktionstag vor dem Werk 1 von Bosch in Homburg an der Bexbacher Straße werden. Und bei einer Teilnehmerzahl zwischen 2500 (so Schätzungen der Polizei ) und über 3000 (laut Gewerkschaft) dürfte dies wohl auch aus Sicht der Veranstalter gelungen sein. Allen Redner, immerhin zehn an der Zahl, war eine Botschaft gemein - und die war gleichzeitig auch das Motto des gestrigen Tages: "Bosch bleibt".



Auslöser für die Großkundgebung am Homburger Bosch-Werk waren die angekündigte Schließung der Bosch-Tochter BESG in Neunkirchen und der Stellenabbau bei Bosch und Bosch-Rexroth in Homburg . Saar-Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger forderte Bosch unter anderem dazu auf, beim BESG-Standort in Neunkirchen im Wort zu bleiben und sich als verlässlicher Partner zu beweisen. Neben Rehlinger, den Betriebsratsvorsitzenden von Bosch, Bosch-Rexroth und der BESG sowie Vertretern der Gewerkschaft und, mit Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind , der Homburger Verwaltungsspitze trat mit Uschi Urban auch die Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung von Bosch in Homburg ans Mikrofon. Und ihre Worte machten klar, dass es den Teilnehmern von gestern vor allem um verlorengegangenes Vertrauen in das Unternehmen geht. So kam es nicht von ungefähr, dass Urban ihren Beitrag mit einem Zitat des Unternehmensgründers Robert Bosch begann: "Immer habe ich nach dem Grundsatz gehandelt, lieber Geld verlieren als Vertrauen. Die Unantastbarkeit meiner Versprechungen, der Glaube an den Wert meiner Ware und an mein Wort, standen mir höher als ein vorübergehender Gewinn." Dieses Zitat sei wohl jedem Mitarbeiter bekannt, war sich Urban sicher. "Leider muss ich aber sagen, dass das Vertrauen in die Geschäftsleitung ist sehr angekratzt." Als Gründe dafür nannte Urban auch den Umstand, dass Auszubildende gegenwärtig um eine Festanstellung im Anschluss an ihre Ausbildung kämpfen müssten. Und: "Wir Jungen fragen uns, ob wie hier in Homburg noch in Rente gehen können. Wir wissen, dass wir hier in unserer Heimat leben und arbeiten wollen." Doch für diese Perspektive, so Urban, fehle eben das Vertrauen ins Unternehmen. "Wir sehen unsere Zukunft hier in Homburg in Gefahr." Gegenwärtig überlegten viele der Jungen über einen Wechsel an andere Standort nach, "weil Bosch ja richtig geil ist, nur eben nicht im Saarland", so Urban. Auch OB Schneidewind fand deutliche Worte in Richtung der Unternehmenszentrale in Stuttgart. "Bosch ist wichtig für alle Menschen in der Region. Und deswegen müssen wir für den Erhalt der Standorte kämpfen."

Das Unternehmen reagierte mit einer Presseerklärung auf den gestrigen Aktionstag. "In den vergangenen Jahren hat Bosch im Saarland hohe Investitionen getätigt. Allein im Diesel-Werk Homburg wurden im Zeitraum 2010 bis 2015 knapp 140 Millionen Euro investiert. Für 2016 und 2017 sind weitere Investitionen im dreistelligen Millionenbereich geplant." Mit einem speziellen Bauteil, dem Pkw-Injektor CRI2-20, sei zudem im Juni 2015 ein Zukunftsprodukt in Homburg gestartet. "Die zweite Fertigungslinie ist im Aufbau", so Melanie Loriz von der Bosch-Unternehmenskommunikation.

Zum Thema:

Auf einen Blick Das Werk Homburg der Robert Bosch GmbH ist seit mehr als 50 Jahren ein wichtiger Fertigungsstandort des Geschäftsbereichs Diesel Systems. Bosch in Homburg beschäftigt einige Tausend Mitarbeiter und gehört damit zu den größten Arbeitgebern im Saarland. In der Vergangenheit sorgte ein Stellenabbau und die Unsicherheit über die Zukunft von Dieseleinspritz-Systemen immer wieder für Diskussionsstoff rund um den Standort. thw