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Viele Bauherren stehen unter Strom

Webenheim. Im Baugebiet Webenheim schwelt derzeit ein Streit zwischen Anwohnern und den Stadtwerken zum Netz-Anschluss von Photovoltaik-Anlagen. Erich Schwarz

Noch nennen die Leute das Wohngebiet in Richtung Wattweiler/Mittelbach "Neubaugebiet", obwohl es schon seit einigen Jahren erschlossen ist. Auch die Familie Schmitz-Heib hat dort neu gebaut und das ganze Haus darauf ausgerichtet, dass man energieeffizient wohnt. Aus diesem Grund möchte man auch eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach installieren. Nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz müssen diese Anlagen bis zu einer bestimmten Leistung auch an das Netz gehen. Nicht so im Neubaugebiet in Webenheim: Von rund 40 Bauparzellen können nur fünf Bauherren eine solche Photovoltaik-Anlage installieren. Die Netzkapazität ist nicht dafür ausgelegt. "Das ist offensichtlich ein Planungsfehler gewesen", sind sich viele Bauherren dort sicher. Das Problem: Damit sich eine solche Photovoltaik-Anlage rechnet, muss sozusagen überschüssiger Strom ins allgemeine Netz eingespeist werden. Und das ist in Webenheim von den dort zuständigen Stadtwerken Bliestal aufgrund der Netzkapazität nicht vorgesehen. "Nach dem EEG müssen Anlagen bis zu einer bestimmten Kapazität ans Netz gehen dürfen", erklärt Häuslebauer Nico Heib. Zwar sind die Netzbetreiber in älteren Wohngebieten nicht verpflichtet, ihre Netze dementsprechend auszulegen, aber in Webenheim, so Nico Heib, hätte man das planen müssen. Die Familie Schmitz-Heib hatte bereits Gesprächstermine mit dem Geschäftsführer der Stadtwerke, Bernhard Wendel, wahrgenommen, auch eine Anfrage an Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener wurde nicht zur Zufriedenheit der Häuslebauer beantwortet. Um das Problem zu lösen, schlägt die Familie Schmitz-Heib einen Termin bei der zuständigen Schlichtungsstelle in Berlin vor. "Dazu nehmen die Stadtwerke keine Stellung", erklärt Sandra Schmitz-Heib.

Auch im Gespräch mit unserer Zeitung stellt Bernhard Wendel dazu fest, dass die Sache nun juristisch aufgearbeitet werden müsse: "Die Familie hat die Sache einem Rechtsanwalt übergeben, wir lassen das nun auch juristisch prüfen". Wendel weist die Behauptung von "Planungsfehlern" von sich: Die bestehende Infrastruktur sei bereits für das dort bestehende "alte" Neubaugebiet aufgebaut worden, damals habe man schon die Erweiterung des Gebietes berücksichtigt. Zudem sei der Bebauungsplan des jetzigen "Neubaugebietes" bereits im Jahre 2006 aufgestellt worden. Wendel stellt heraus, dass man zum jetzigen Zeitpunkt über 200 000 Euro in die Hand nehmen müsste, um das vorhandene Stromnetz zu ertüchtigen. Aber es gebe eine "Wirtschaftlichkeitsklausel", nach welcher solche Kosten dem Netzbetreiber nicht zugemutet werden könnten.

Diese, so kontert Heib, gelte indes nur für Altbaugebiete. Bleibt also die Frage, ob es sich im betroffenen Gebiet um ein "Neubaugebiet" oder um ein bereits 2006 geplantes "Altbaugebiet" handelt. Wendel blickt in die Zukunft: Photovoltaik-Anlagen würden aufgrund besserer Wirtschaftlichkeit zukünftig immer mit hauseigenen Stromspeichern kombiniert. Damit entstünde für das Netz eher eine "Entlastung", eine entsprechende Netzverstärkung sei dann unnötig. Auch sei die Zukunft der Elektromobilität noch sehr ungewiss, hier könnten die Anforderungen an die Netze noch nicht abgesehen werden.

Ganz zufrieden scheint auch Udo Schmidt mit der ganzen Situation nicht zu sein. Der Webenheimer Elektro-Unternehmer, Stadtratsmitglied der Grünen und im Aufsichtsrat der Stadtwerke Bliestal, kann das ganz nur "schwer nachvollziehen". Jedenfalls bekräftigt Schmidt, der zudem über "lausige" Internetqualität im Neubaugebiet klagt, dass man aus den Fehlern lernen solle: Das Neubaugebiet in Mimbach müsse in dieser Hinsicht "ordentlich" geplant werden.

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