Traumhafte Studienbedingungen

Traumhafte Studienbedingungen

Im Traum eröffnet sich dem Menschen oft eine seltsame Welt. Zu allen Zeiten wurde versucht, diese Wirklichkeit zu ergründen. Ein groß angelegtes Forschungsprojekt an der Saar-Universität untersucht nun den Beitrag von Literatur und Kunst zu diesem Versuch.

Träume beschäftigen die Menschheit schon seit jeher. Jeder weiß, wie es ist zu träumen, dennoch bleibt es für viele geheimnisvoll, rätselhaft und unerklärlich. Auch zahlreiche Intellektuelle und Künstler waren vom Thema Traum fasziniert und haben es in ihren Werken verarbeitet. Im Graduiertenkolleg "Europäische Traumkulturen" an der Saar-Uni erforschen Wissenschaftler seit etwa einem Jahr, wie Träume in Kunst und Kultur seit dem Mittelalter in Europa dargestellt werden.

Man untersuche beispielsweise, weshalb Träume zu verschiedenen Zeiten von Künstlern und Literaten unterschiedlich dargestellt wurden. Oder wieso sie in Spanien anders abgebildet wurden als in England, sagt Professorin Christiane Solte-Gresser, Sprecherin des Graduiertenkollegs. An dem Projekt sind Vertreter von insgesamt acht Fachbereichen, unter anderem der Germanistik, der Anglistik und der Kunstgeschichte, beteiligt.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt mit 2,7 Millionen Euro. Damit ist das Graduiertenkolleg der Saar-Uni eines von bundesweit nur 15 Projekten dieser Art im Bereich Literaturwissenschaften , die von der DFG gefördert werden. Außerdem ist es das erste literaturwissenschaftliche Programm der Saar-Uni, das jemals eine solche Unterstützung erhalten hat.

Mit dem Geld werden zehn Promotionsstellen und eine Postdoktorandenstelle finanziert. Die jungen Wissenschaftler profitierten von der Förderung in vielerlei Hinsicht, so Solte-Gresser. Im Gegensatz zu vielen anderen Doktoranden , die beispielsweise als wissenschaftliche Mitarbeiter angestellt sind, hätten die Traumforscher keine Verpflichtungen in der Lehre. Sie könnten sich voll und ganz auf ihre Dissertation konzentrieren.

Zudem können die Doktoranden mithilfe der DFG-Gelder zu internationalen Kongressen oder etwa zur Archivarbeit nach Italien reisen. Auch Gastwissenschaftler aus aller Welt werden regelmäßig auf den Saarbrücker Campus eingeladen.

Ihr Ziel sei es von Beginn an gewesen, mehr gute Nachwuchswissenschaftler zu fördern, sagt Solte-Gresser. Die Möglichkeiten als Lehrstuhlinhaberin in der Vergleichenden Literaturwissenschaft seien jedoch stark begrenzt. Nur eine volle Stelle, die sie mit einem Doktoranden besetzen könne, stehe ihr regulär zu. "Ich hätte gerne mehr Leuten die Möglichkeit gegeben, zu promovieren." In den anderen Fächern, die am Graduiertenkolleg beteiligt sind, sei das größtenteils ähnlich. Vor etwa vier Jahren begann sie deshalb mit konkreteren Planungen für das Projekt.

"Ich habe wirklich großes Glück, für das Forschen an meinem Promotionsprojekt vom Kolleg unterstützt und finanziert zu werden", sagt Myriam Gindorf, Doktorandin am Graduiertenkolleg. Sie forscht speziell zu der Darstellung des letzten Traums vor dem Tod in Literatur und Film. Eine andere Arbeit befasst sich mit Träumen in russischen Gedichten. Eine weitere mit der Darstellung von Klarträumen, sogenannten "luziden Träumen", in Literatur und Film.

Neben ihren Doktorarbeiten organisieren die jungen Wissenschaftler des Graduiertenkollegs praktische Projekte wie Theateraufführungen oder Autorenlesungen , die zu ihren Forschungsthemen passen. Schließlich könne später nicht jeder der Doktoranden in der Wissenschaft arbeiten, so Solte-Gresser. Deshalb lege man Wert darauf, dass die Graduierten auch in der Praxis Erfahrungen sammeln.

Zum Thema:

Hintergrund Das Graduiertenkolleg Europäische Traumkulturen lädt regelmäßig zu Veranstaltungen, in denen das Thema Traum wissenschaftlich oder künstlerisch beleuchtet wird. Vom 5. bis zum 7. Oktober organisiert das Kolleg die Konferenz "Traum und Inspiration" mit Vorträgen von internationalen Nachwuchswissenschaftlern. Weitere Informationen und Anmeldung (bis 15. September) im Internet. lec traumkulturen.de

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