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AKK – Studenten suchen Krawall

AKK – Studenten suchen Krawall

Die Studentengruppe „Arbeitskreis Krawall“ an der Universität des Saarlandes will das politische Bewusstsein auf dem Campus stärken. Hauptangriffsziel sind die Sparlasten der Hochschule. Aber den Studenten geht es um mehr.

Wer derzeit über den Campus der Saar-Uni läuft, dem fallen die vielen Plakate mit Slogans auf. "Deine Bib hat zu" - "Dein Tutorium wurde gekürzt" - "Keine Auswahl an Kursen" - "Keine Masterplätze mehr" steht da. Dazu Pfeile in kräftigen Farben. Ihre Richtung: abwärts.

Hinter der Plakat-Aktion steckt eine Gruppe von Studenten. Sie nennen sich AKK - Arbeitskreis Krawall. Ihr Ziel: mehr politisches Bewusstsein und eine neue Protestkultur unter den Studenten der Saar-Uni zu etablieren. Ihr Angriffspunkt: die Sparlast, die der Hochschule von der Landesregierung unter Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) auferlegt wurde.

"Jeden Tag muss die UdS 63 926 Euro sparen. Davon könnte man 1278 Lehraufträge pro Tag finanzieren", prangt auf einem großen Banner des AKK an der Bushaltestelle vor dem Campus Center. Die Zahl beruht auf einer Schätzung aus dem Jahr 2014, wonach die Hochschule bis 2020 etwa 140 Millionen Euro einsparen müsste. Aktuell geht die Uni eher von einer Sparlast von etwa 65 Millionen Euro zwischen 2015 und 2020 aus, so Pressesprecher Thorsten Mohr.

Die Aufregung unter den Studenten der Saar-Uni war ob dieser gewaltigen Summen groß, doch das ist zwei Jahre her. "Die Proteste der Studierenden gegen die Sparmaßnahmen sind erlahmt", sagt Janosch Rudack. Der Musikmanagement-Student ist einer der Initiatoren des Arbeitskreises. Mit ihrer Plakat-Aktion wollen sie die Protesthaltung wiederbeleben und die Studenten zum Nachdenken anregen.

"Daraus soll eine neue Debattenkultur entstehen", sagt Rudack. "Auf dem Campus wird zwar diskutiert, aber nicht viele beteiligen sich daran." Dem pflichtet Soheil Hemmati-Ortakand bei, der beim Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) für politische Bildung zuständig ist und den Arbeitskreis Krawall mit ins Leben gerufen hat. Hemmati-Ortakand kommt aus Frankfurt, einer Hochburg der Studentenproteste in den 60er Jahren. Noch heute sei die dortige Uni eine linke Hochschule, an der es eine Vielzahl kritischer Arbeitsgruppen gebe. Allerdings: "Saarbrücken ist nicht Frankfurt."

Damit sich das zumindest ansatzweise ändert, soll es eine Informationsoffensive geben. Die Plakate waren ein Anfang. Sie wurden gemeinsam mit Studenten der Hochschule der Bildenden Künste entworfen und seien bewusst suggestiv, so Rudack. In Zukunft soll es nicht nur um einzelne Beschwerden, sondern um allgemeine Fragen gehen. "Das betrifft vor allem den Bildungsbegriff", sagt Hemmati-Ortakand. "Sagen wir, es ist akzeptabel, an der Bildung so zu sparen - oder begreifen wir Bildung jenseits wirtschaftlicher Kriterien?" "In Talkshows sagen immer alle, wie wichtig Bildung ist. Aber konkret interessiert sich kaum jemand für die Inhalte und für die Belange der Studierenden", ergänzt Rudack.

Um Fragen wie diese zu diskutieren, steht der Arbeitskreis jedem offen. Studenten und Mitarbeiter der Saar-Uni sind ausdrücklich eingeladen, sich bei den wöchentlichen Sitzungen des Arbeistkreises einzubringen. Die Internetseite waswuerdestdutun.wordpress.com soll als Informationsplattform dienen.

Ob die Initiatoren damit Aussicht auf Erfolg haben? Vielfach wird heutigen Studenten schließlich vorgeworfen, sie seien unpolitisch und würden sich nur für ihr eigenes Fortkommen interessieren. "Da ist leider was dran", sagt Janosch Rudack. "Es ist zwar legitim, sich für seine Karriere einzusetzen. Trotzdem sollten die Studierenden auch darüber nachdenken, welche Verantwortung sie zu gesellschaftlich-politischem Engagement haben."

Dass das dringend nötig ist, zeigt sich aus Sicht der Studenten auch im aktuellen Wahlkampf zur Landtagswahl. Der sei enttäuschend, so Asta-Vorsitzender Govinda Sicheneder, der die Ziele des Arbeitskreises unterstützt. "Hochschulpolitik ist im Wahlkampf kein zentrales Thema", beklagt er.

Aber hat die Ministerpräsidentin nicht vor Kurzem neue Mittel für die Uni in Aussicht gestellt? Rudack beeindruckt das wenig. "Das ist eine Mogelpackung. Erst werden riesige Sparleistungen verordnet, dann werden öffentlichkeitswirksam Gelder in Aussicht gestellt." Diese seien allenfalls ein Tropfen auf dem heißen Stein, zumal die zusätzlichen Mittel nicht von der Sparlast abgezogen würden.

waswuerdestdutun.wordpress.com