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Gesundheitswesen
Per Automat schneller zur Arznei

Per Automat zum Rezept: Im Saarland ist die erste digitale Rezeptsammelstelle schon seit Januar dieses Jahres in Betrieb. Nun startet auch Rheinland-Pfalz damit. Patienten können so ihre Rezepte einlesen lassen – und die Apotheke liefert sie dann ins Haus.
Per Automat zum Rezept: Im Saarland ist die erste digitale Rezeptsammelstelle schon seit Januar dieses Jahres in Betrieb. Nun startet auch Rheinland-Pfalz damit. Patienten können so ihre Rezepte einlesen lassen – und die Apotheke liefert sie dann ins Haus. FOTO: dpa / Sebastian Gollnow
Longkamp/Heusweiler. Das Saarland hat’s vorgemacht: Nun gibt es bald auch in Rheinland-Pfalz einen digitalen Briefkasten fürs Arztrezept. dpa/SZ

Damit Patienten in ländlichen Regionen schneller an ihre Medikamente kommen können, geht in Rheinland-Pfalz die erste digitale Rezeptsammelstelle in Betrieb. Das Gerät wird am 3. Dezember im Hunsrückort Longkamp (Kreis Bernkastel-Wittlich) freigeschaltet, sagte der Sprecher des Landes-Apothekerverbandes, Frank Eickmann, am Dienstag in Mainz. Der Automat scannt das Rezept beim Einführen und überträgt es direkt an die Apotheke. „Das spart Zeit und Wege“, sagte Eickmann. Medikamente könnten sofort bestellt und in der Regel noch am selben Tag an Patienten ausgefahren werden.


Das Terminal in Longkamp ist bundesweit bereits das fünfte. Andere digitale Rezeptsammelstellen gibt es in Baden-Württemberg, in Sachsen und seit Anfang Januar 2018 auch in Heusweiler-Kutzhof. Saar-Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) sagte zum Projektstart: „Der Gesundheitssektor wird sich in Zukunft digital neu aufstellen müssen. Die Dörfer dürfen nicht ausbluten.“ Im Saarland ist in den vergangenen zehn Jahren jede fünfte Apotheke auf der Strecke geblieben. Rund 300 existieren noch. In Rheinland-Pfalz sollen die Scanner nach und nach die bisherigen 66 Rezeptsammelstellen in Form von Briefkästen ablösen, die es seit vielen Jahren gibt. „Da werfen Kunden ihr Rezept hinein, die Apotheke holt in der Regel abends die Rezepte ab und beliefert am nächsten Tag“, sagte Eickmann.  Solche Stellen werden genehmigt, wenn es im Umkreis von fünf bis sechs Kilometern keine Apotheke gibt. Mit der digitalen Version soll es künftig in Longkamp schneller gehen.

Bei den digitalen Rezeptsammelstellen gibt es bundesweit zwei Modelle von zwei verschiedenen Herstellern. Der Automat in Longkamp wurde wie der in Heusweiler-Kutzhof vom Apothekenrechenzentrum Darmstadt in Hessen entwickelt und ist für den Einsatz unter freiem Himmel gedacht. Er ist sehr einfach zu bedienen: „Einfach Rezept rein in den Schlitz und fertig“, sagte Eickmann. Das Modell in Baden-Württemberg dagegen steht in geschlossenen Räumen und ist aufwendiger: Der Kunde könne an dem Terminal auch Kontakt mit der Apotheke aufnehmen, per Nachricht oder telefonisch.



Nach dem Start des bundesweit ersten Gerätes im Januar im Saarland habe man bereits aus ersten Erfahrungen gelernt, sagte Eickmann. Dort sei es an kalten Wintertagen wetterbedingt ein paar Mal zu Ausfällen gekommen. In Longkamp wurde nun ein kleines Dach über dem Automaten angebracht, um ihn vor Regen und Schnee zu schützen, sagte der Sprecher.

Der digitale Automat habe sich bewährt, sagte der Inhaber der Allee-Apotheke in Heusweiler-Holz, Manfred Saar, der den Prototypen im Saarland bedient. Die anfänglichen kleineren Störungen seien mittlerweile behoben. „Er funktioniert gut.“ Die Patienten nähmen ihn gut an: Mehrere hundert Rezepte habe er bereits auf diesem Weg übermittelt bekommen, sagte Saar, auch Präsident der Saar-Apothekerkammer „Das ist so in etwa das, was ich früher dem Briefkasten entnommen habe, vielleicht ein paar Rezepte mehr.“ Einen Umsatzzuwachs habe er ohnehin nicht geplant. Es sei aber eindeutig einfacher und schneller geworden – für beide Seiten.