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Das Problem war nicht die Hahn-Präferenz

Das Problem war nicht die Hahn-Präferenz

Ein Interview mit Kurt Beck (SPD ) hat diese Woche für Aufsehen in Zweibrücken gesorgt. Der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hatte der ehemalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident verraten, er hätte statt dem Hahn "gern den Flughafen Zweibrücken ausgebaut, um den französischen Raum als Hinterland einzubinden", der Hahn dagegen sei "ein Kind" des damaligen Wirtschaftsministers Rainer Brüderle (FDP ) gewesen (wir berichteten). Beck erinnerte zwar auch, er habe die Entscheidung Brüderles mitgetragen. Was aber nichts daran ändert, dass etliche Zweibrücker nun in Was-wäre-wenn-Fantasien schwelgen: Wenn statt dem Hahn Zweibrücken die Flughafen-Nummer-Eins im Land geworden wäre - dann wäre die B 10 längst durchgängig vierspurig, dann wäre die Bahnstrecke Homburg-Zweibrücken reaktiviert und bis zum Flughafen verlängert, dann gäbe es Hotels und etliche weitere Gewerbeansiedlungen mehr am Flughafen, dann würde die Südwestpfalz durch Gäste aus ganz Europa touristisch belebt.

Doch solche Träume bringen nichts. Nicht nur wegen der sozialdemokratischen Weisheit "Hätte, hätte, Fahrradkette". Sondern vor allem deshalb, weil wer diesen Traum zu Ende träumt, in einem Alptraum aufwachen muss: Am Ende nämlich würde der Flughafen Zweibrücken genauso grandios zu scheitern drohen wie gerade der Hahn. Denn wenn Ryanair sich in Zweibrücken breit gemacht hätte (und mit Dumping-Preisen alle Konkurrenz, an denen Flughafen-Betreiber etwas verdienen könnten, ferngehalten hätte), wäre Zweibrücken wegen dieses Konstruktionsfehlers genauso zur Investitionsruine geworden wie bald wohl der Hahn.

Eine Investitionsruine ist zwar auch der insolvente Flughafen Zweibrücken. Das ist zwar traurig, allerdings nicht tragisch. Denn die öffentlichen Beihilfen waren nur ein Bruchteil der Steuergelder für den Hahn. Und, noch wichtiger: Rund um unseren (Ex-)Flughafen boomt es, vor allem dank des größten Fabrikverkaufzentrums Deutschlands - das einst zunächst für den Hahn im Gespräch war. Die jetzige Verteilung ist für Zweibrücken also die deutlich bessere - weil hier Landesregierung und Kommunen nicht den Monokultur-Fehler wie auf dem Hahn gemacht, sondern auf mehrere Säulen gebaut haben.