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DKG-Präsident Gaß hält den Teil-Lockdown gegen Corona für unzureichend

DKG-Präsident Gerald Gaß : „Die Kliniken sind gut gerüstet“

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft hält den Teil-Lockdown im Kampf gegen das Coronavirus allerdings für unzureichend.

Die Zahlen der Corona-Neuinfektionen sind nach wie vor sehr hoch. In den Kliniken sei man dafür gut gerüstet. Allerdings dürfe sich die Situation nicht noch weiter verschärfen, warnt der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, im Gespräch.

Herr Gaß, was taugt der politisch verordnete Teil-Lockdown noch angesichts der aktuellen Lage?

GASS Der Teil-Lockdown hat leider nur zu einer gewissen Stabilisierung der Situation beigetragen. Unsere Sorge ist groß, dass die angekündigten Lockerungen an Weihnachten und zum Jahreswechsel zu einem Anstieg der Infektionszahlen führen.

Sie halten also weitere Verschärfungen für notwendig?

GASS Ja, Verschärfungen sind notwendig, weil die Appelle an die Bevölkerung, ihre privaten Kontakte so gering wie möglich zu halten, offenbar nicht genügend fruchten. Weitere Einschränkungen für die Wirtschaft wären sicher schwierig. Schulen und Kitas sollten ebenfalls offen bleiben. Doch muss mehr als bisher dafür gesorgt werden, dass der Betrieb entzerrt wird. Außerdem müssen die Arbeitgeber alle Möglichkeiten für Homeoffice ausschöpfen. Dazu sollte die Politik schärfere Leitlinien vorgeben.

Sind die Kliniken der angespannten Situation gewachsen?

GASS Insgesamt sind die Kliniken gut dafür gerüstet. Derzeit sind rund 4000 Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt. Das sind etwa 30 Prozent mehr als in der Spitze der ersten Pandemie-Welle im Frühjahr. Damals war die Entwicklung allerdings auch schnell wieder rückläufig. Das ist jetzt nicht der Fall, was die Belastung der Kliniken verstärkt. Hinzu kommen noch bis zu 20 000 Corona-Patienten auf normalen Stationen, die ebenfalls einen hohen Aufwand beim Infektionsschutz und bei der Pflege erfordern.

Und wenn die Zahlen weiter steigen sollten?

GASS Dann kann sich das Blatt auch wenden. Aber es besteht kein Grund zu Panik, dass die Krankenhäuser innerhalb kürzester Zeit überlastet wären. Wir haben ja auch sehr große regionale Unterschiede. Im Saarland zum Beispiel gibt es 20 Prozent mehr stationäre Corona-Fälle als im April, in Sachsen ist es die fünffache Anzahl vom April. Dort ist die Lage schon jetzt sehr schwierig.

Können Sie garantieren, dass jede andere akute Erkrankung trotzdem sofort behandelt werden kann?

GASS Ja, wir können derzeit garantieren, dass, wer medizinisch dringlich behandelt werden muss, auch behandelt wird. Es kann aber sein, dass Patienten nicht im am nächsten gelegenen Krankenhaus unterkommen können, weil dort möglicherweise eine hohe Corona-Belastung besteht. Dank unserer immer noch flächendeckenden Krankenhaus-
struktur können andere schnell einspringen. Hier besteht auch ein enger Austausch zwischen den Klinken, um Patienten schnell weiterzuleiten. Wartezeiten gibt es allerdings bei planbaren Operationen. Das muss man auch offen sagen.

Alle Hoffnungen ruhen auf einem schnellen Einsatz wirksamer Impfstoffe. Pfizer und Biontec mussten jetzt ihre Lieferzusagen nach unten korrigieren. Waren Sie überrascht?

GASS Ein bisschen schon. Aber selbst wenn ein bestimmter Impfstoff zunächst in geringerem Umfang zur Verfügung steht, ist das kein großer Rückschlag. Mir bereitet eher die in Deutschland ungenügend ausgeprägte Impfbereitschaft Sorgen, als dass Impfdosen fehlen.