Wie Franz Josef Strauß zum Bösewicht wurde

Wie Franz Josef Strauß zum Bösewicht wurde

München. Die CSU tobt, und die Familie von Franz Josef Strauß ist empört. Schuld ist eine Darstellung des früheren bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chefs im Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds. Das Berliner Ausstellungshaus hat ihn in die Abteilung "Helden und Bösewichte" eingeordnet - und nach Ansicht seiner Anhänger die Heldentaten des CSU-Mannes unterschlagen

München. Die CSU tobt, und die Familie von Franz Josef Strauß ist empört. Schuld ist eine Darstellung des früheren bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chefs im Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds. Das Berliner Ausstellungshaus hat ihn in die Abteilung "Helden und Bösewichte" eingeordnet - und nach Ansicht seiner Anhänger die Heldentaten des CSU-Mannes unterschlagen. Strauß-Sohn Franz Georg fordert die sofortige Entfernung der Darstellung, die CSU erwägt diplomatische Schritte. Doch Madame Tussauds ist sich keiner Schuld bewusst. Strauß steht nicht als Wachsfigur da, sondern wurde mit einem Bild und einer Textpassage bedacht - einer knappen Abhandlung zu seiner umstrittenen Rolle in der so genannten "Spiegel"-Affäre. Als "Helden und Bösewichte" sind neben ihm der Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg und der Jagdflieger des Ersten Weltkriegs, Manfred von Richthofen, zu sehen - sowie der DDR-Spion Günter Guillaume. Für die Strauß-Freunde eine "skandalöse" Mischung.Einen "Wicht" wie Guillaume könne man nicht mit seinem Vater vergleichen, schäumt Franz Georg Strauß. Dies sei wie der "Vergleich zwischen einem Häufchen Hundedreck und der Zugspitze". Er appelliert an Madame Tussauds, die Darstellung "schleunigst aus dem Verkehr zu ziehen". Ansonsten müssten sich die Ausstellungsmacher dem Vorwurf aussetzen, wettert Strauß, dass "nicht nur ihre Figuren Wachs im Kopf haben". Auch führende CSU-Politiker sind entrüstet. CSU-Chef Erwin Huber spricht von "Sauerei", CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer von einem "Skandal", und Bayerns Europaminister Markus Söder (CSU) befürchtet gar außenpolitische Verwicklungen. Der Skandal in dem "ur-britischen" Ausstellungshaus sei eine "Belastung für die bayerisch-englischen Beziehungen", schimpft der Minister. Berlin müsse sofort eingreifen und die englische Regierung kontaktieren. Das sei eine "Aufgabe" für Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Bei Madame Tussauds ist man "überrascht" über so viel Aufregung. Das Bild samt Erläuterung hänge ja schließlich schon "eine Weile" da, sagt Sprecherin Natalie Ruoß. Die Berliner Niederlassung des Wachsfigurenkabinetts hatte Anfang Juli eröffnet und war schnell in die Schlagzeilen geraten - allerdings wegen einer Hitler-Figur und einer Attacke auf die Wachsnachbildung. Wegen Strauß habe sich noch niemand bei ihr beschwert, erklärt die Sprecherin. Bei konkreten Anfragen sei ihr Haus gesprächsbereit. Doch verstehen kann Ruoß die Empörung nicht. Strauß werde nicht als Schurke dargestellt, vielmehr liege es "im Auge des Betrachters, wer hier ein Bösewicht ist". Madame Tussauds habe auch nicht den Anspruch, den kompletten Lebenslauf einzelner Persönlichkeiten zu zeigen. Es würden lediglich Details aus der Geschichte herausgegriffen, sagt Ruoß. Bei Strauß habe man sich eben "hauptsächlich auf die Spiegel-Affäre" konzentriert. Die bayerische SPD kann sich ein bisschen Häme indessen nicht verkneifen. "Die CSU neigt dazu, die Geschichte in ihrem Sinn umzuinterpretieren", meint der Chef der bayerischen SPD-Landesgruppe im Bundestag, Florian Pronold. Wenn die Christsozialen die Darstellung von Strauß tatsächlich als Beleidigung ansähen, dann gelte der altenglische Rechtsgrundsatz: "Eine Beleidigung ist umso schlimmer, je mehr sie der Wahrheit entspricht."

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