Verwarnung hier, Staatshilfe dort: Ende der „Affäre Lunghi“

Verwarnung hier, Staatshilfe dort: Ende der „Affäre Lunghi“

In Luxemburg ist die "Affäre Lunghi" zu einem vorläufigen Ende gekommen. In Gestalt einer gegen den langjährigen Leiter des Mudams, Enrico Lunghi, staatlicherseits ergangenen "Verwarnung" - nach luxemburgischem Beamtenrecht die niedrigste von drei Sanktionsmöglichkeiten gegen einen Beamten.

Ausgesprochen wurde sie von Premier- und Kulturminister Xavier Bettel, der in der gesamten Causa Lunghi selbst eine unrühmliche Figur abgegeben hat. Ohne Lunghi persönlich angehört zu haben, hatte Bettel im Oktober nach einem RTL-Beitrag, in dem Lunghi vorgeworfen worden war, gegen eine Interviewerin des Senders handgreiflich geworden zu sein, sofort ein Disziplinarverfahren einleiten lassen. Später stellte sich heraus, dass RTL den Interviewverlauf gezielt dramatisiert hatte, um einen Coup zu landen. Seither hält sich das Gerücht, dass man Lunghi womöglich ob seiner unorthodoxen Mudam-Programmpolitik loswerden wollte. Lunghi selbst hatte, nachdem er sich von der Politik im Stich gelassen fühlte, seine Demission als Direktor zum Ende des Jahres 2016 eingereicht und zugleich eine Zivilklage gegen den Mutterkonzern von RTL Luxemburg angestrengt. Die Kosten letzterer übernimmt nach luxemburgischem Beamtenrecht der Staat - Lunghi ist Staatsbeamter im Kulturministerium.

Die RTL-Sendung "Den Nol op de Kapp" ist inzwischen eingestellt worden, auch dankte der langjährige RTL Lëtzebuerg-Direktor ab, ferner installierte der TV-Sender eine "Ethik-Arbeitsgruppe", die sensible Programminhalte künftig vorab prüfen soll. Ein Scherbenhaufen nebst Kehrarbeiten also. Zugleich hält Premier Bettel mit dem Schließen der Akte Lunghi seine Rolle darin wohl selbst für beendet. Lunghi schrieb derweil in einem offenen Brief dieser Tage, er hoffe, dass seine Zivilklage ein Zeichen setze, "sich gegen in der Öffentlichkeit erhobene falsche Anschuldigungen zur Wehr zu setzen".

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