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Mudam-Chef Lunghi wird gegen Journalistin handgreiflich

Mudam-Chef Lunghi wird gegen Journalistin handgreiflich

Luxemburg erlebt einen Museumsskandal: Im September rastete der Direktor des bedeutendsten Museums, des Mudam, gegenüber einer Journalistin, die unliebsame Frgen stellte, aus. Das könnte ihn den Job kosten.

Das Mudam auf dem Luxemburger Kirchberg ist seit seiner Gründung 2006 nicht eben das Lieblingskind der Bürger, steht allerdings für eine ambitionierte Ausstellungspolitik. Deshalb sitzt dessen Direktor Enrico Lunghi auch als Berater im Beirat der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Nun bangt er, wie Medien berichten, um seinen Job. Denn gestern wurde er vom luxemburgischen Kulturminister Xavier Bettel nicht nur öffentlich wegen inakzeptablen Verhaltens gegenüber einer Journalistin gerügt.

Bettel, zugleich auch Premierminister, ordnete laut Medienberichten auch ein Disziplinarverfahren an. Zudem soll der Verwaltungsrat der Stiftung Musée d'art moderne Grand-Duc Jean noch in dieser Woche entscheiden, ob Lunghi seine Stelle behält. Was ist vorgefallen? Das lässt sich im Netz anschauen. Am 13. September konfrontierte eine RTL-Journalistin den Museumsdirektor mit Vorwürfen von Luxemburger Künstlern, er stelle sie nicht aus, grenze sie aus. Lunghi bezeichnete dies als "Sauerei", brach das Interview ab, kehrte dann aber mit den Worten vor die Kamera zurück: "Wenn du das bringst, rede ich kein Wort mehr mit dir." Dann versuchte er der Reporterin das Mikrofon zu entreißen und verrenkte ihr dabei den Arm. - die Kamera lief immer noch.

Laut RTL ging die Journalistin erst zehn Tage später zum Arzt und wurde zwei Tage krank geschrieben. Anschließend erstattete sie Strafanzeige wegen Körperverletzung. Der Luxemburger Journalistenverband ALJ reagierte empört, die Sache kochte hoch. Nun ist selbst Erzgroßherzogin Stéphanie als Vorsitzende des Verwaltungsrates involviert. Eine Petitesse ist das nicht mehr.

Doch wie erklärt sich eine solche Überschuss-Reaktion? Lunghi selbst ist für die SZ nicht zu sprechen. Seine Pressechefin erklärt, man äußere sich derzeit überhaupt nicht zu diesem Thema, werde dies aber noch tun.

Lunghi leitet das Mudam seit 2009 und war lange wegen mangelnder Resonanz umstritten. Doch 2013 wurde sein Vertrag trotzdem bis 2019 verlängert, just in diesem Jahr besserten sich die Besucherzahlen.