Maigret – Polizist und Menschenforscher

Maigret – Polizist und Menschenforscher

Ein paar Minuten braucht man schon. Erst dann befürchtet man nicht mehr reflexhaft, dass dieser Kommissar Maigret plötzlich eine Grimasse schneidet oder mit der Tücke des Objekts ringt. Schließlich spielt ihn der Brite Rowan Atkinson, den seine tölpelige Kunstfigur "Mr. Bean" weltweit bekannt machte. Atkinson wird morgen 62, verspürt keine Lust mehr auf Grimassen und hat sich fürs britische Fernsehen einer ernsten Rolle zugewandt - der des großen Kriminalisten, Kommissars und Menschenerforschers Maigret, den auch schon Kollegen wie Heinz Rühmann, Bruno Cremer und Rupert Davies spielten.

Zwei Maigrets hat Atkinson bereits gedreht: Der erste, "Die Falle", lief an Neujahr in der ARD, der zweite, "Der tote Mann", ist am Sonntag (21.45 Uhr) zu sehen; auf DVD und Blu-ray erscheinen sie morgen. Hat sich der sichtliche Aufwand mit 50er-Jahre-Kostümen und (manchmal zu) edler Optik gelohnt? Englische Kritiker waren nur mäßig überzeugt von dieser Georges-Simenon-Adaption. Der "Guardian" spekulierte gar, während der ersten Episode sei die Zeit (oder zumindest die Uhr) stehen geblieben, so langsam ermittele Maigret im Fall eines Pariser Frauenmörders. Das kann man so sehen; oder aber den Film schätzen für die Ruhe, mit der er von den Ermittlungen erzählt - eine rasante Verfolgungsjagd zu Fuß über den Montmartre (Maigret sitzt symptomatischerweise im Auto) wirkt da fast wie ein Fremdkörper.

Und Rowan Atkinson, der Ex-Komiker? Der gibt den Maigret grüblerisch, in sich gekehrt, mit kleinen Gesten und einer gewissen Härte, ohne die der Beruf nicht durchzuhalten wäre. Erfreulich, dass zwei weitere Filme in Planung sind.

Ab morgen bei Polyband ("Die Falle"/"Der tote Mann"). DVD-Extras: Berichte von den Dreharbeiten in Budapest, das oft das Paris der 50er Jahre doublet.

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