Auch Panadoro vor dem Aus

Auch Panadoro vor dem Aus

Erst im Juni war die Völklinger Panadoro GmbH aus der insolventen Brotbäckchen hervorgegangen. Doch auch jetzt agierte die Bäckerei glücklos. Der Geschäftsführer kündigte gegenüber der SZ die Insolvenz an.

"Ich werde nicht umhin kommen, Insolvenz anzumelden." Das sagte Norbert Hermes, Geschäftsführer der Völklinger Bäckerei Panadoro gestern im Vorfeld einer Betriebsversammlung gegenüber unserer Zeitung. Damit wäre Panadoro, das Nachfolge-Unternehmen der insolventen Bäckerei Brotbäckchen, gerade einmal sieben Monate nach der Insolvenz wieder am Ende. Am Montag wolle er den Gang zum Insolvenzrichter antreten, sagte Hermes.

Das Ende kommt wenig überraschend, bereits seit Wochen mehren sich die Klagen über ausstehende Miet- und Gehaltszahlungen. Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG Saar) hatte bereits im Dezember angemahnt, dass Gehälter nicht gezahlt werden. Auch jetzt stehen zahlreiche Zahlungen aus: Die Beschäftigten in der Völklinger Gerhardstraße warten bereits seit November auf ihr Gehalt. Und auch die Vermieter des Ladenlokals auf die Mietzahlungen. Zugesagte Zahlungstermine seien nicht eingehalten worden, immer wieder wurden sie vertröstet, so die Vermieter.

Bei den Verkäuferinnen herrscht Enttäuschung. "Wir haben immer wieder angerufen und unser Gehalt gefordert. Aber es kommt nicht", sagt eine Verkäuferin in Völklingen. Trotzdem sei sie immer noch täglich zur Arbeit gegangen, weil sie noch Hoffnung für das Unternehmen hatte. Nach Aussage der Gewerkschaft NGG wartet ein Großteil der noch rund 20 Mitarbeiter auf ausstehende Gehaltszahlungen.

Wer allerdings kündigen wollte, hatte auch keinen Erfolg: "Unsere Kündigungen sind wieder zurückgekommen: Nicht zustellbar", sagten Cornelia Lang und Stefanie Anzalone. Beide kämpfen vor dem Arbeitsgericht um ausstehende Gehälter. Anzalone hat sogar ein Urteil erwirkt. Doch auch das bleibt bisher ohne Wirkung: "Nicht zustellbar", sagt sie. Offensichtlich werde in der Völklinger Panadoro-Zentrale keine Post mehr angenommen, sagt sie.

Hermes wirkt hilflos: "Ich weiß auch nicht, was ich tun soll", sagt er. Hermes, formell der Geschäftsführer von Panadoro, spielt dort nach Aussagen der Mitarbeiter keine wesentliche Rolle. Stattdessen trifft sein Betriebsleiter Christian Wetzel die Entscheidungen. Wetzel war Geschäftsführer des Vorgängerbetriebs Brotbäckchen. Als der in die Insolvenz ging, hat er, so vermutet es Insolvenzverwalter Udo Gröner heute, Hermes als Strohmann vorgeschickt. Dafür spricht auch, dass Hermes gar kein Geld hatte, um die Firma zu kaufen. Er selbst befindet sich in Privatinsolvenz, hat dies aber nicht angegeben. "Mich hat keiner gefragt", sagt er dazu. Gröner bestreitet dies: Er habe Hermes ausdrücklich gefragt, ob ein Treuhandverhältnis vorliegt, wie es bei einer Privatinsolvenz üblich ist. Dies habe Hermes verneint.

Betriebsleiter Wetzel ist seit Wochen nicht mehr zu erreichen. Anrufe auf seinem Mobiltelefon nehme er nicht mehr entgegen, sagen Mitarbeiter, Rückrufbitten würden ignoriert. Er sei wohl im Krankenhaus, sagt Hermes. Er habe ihn zwar telefonisch kontaktieren können, wo er genau sei, wisse er aber nicht. Auch Kontaktversuche der Saarbrücker Zeitung blieben ohne Erfolg. Zwischenzeitlich hatte die Staatsanwaltschaft nach ihm gefahndet, allerdings in einem anderen Zusammenhang, betont der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Thomas Reinhardt.

In den vergangenen Wochen hat Hermes eigenen Aussagen zufolge den Betrieb notdürftig am Laufen gehalten. "Ich habe die Ware bar bezahlt, damit wir überhaupt noch etwas in den Laden kriegen, aber jetzt bin ich auch am Ende", sagt er.

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