Deutsche Achse steht unter Zugzwang

Deutsche Achse steht unter Zugzwang

Im Viertelfinal-Rückkampf des KSV Köllerbach an diesem Samstag kommt auch der Stilartenwechsel wieder zum Tragen. Und damit wird sich die Köllerbacher Aufstellung auch verändern – ein Problem aber ist da.

Neben den vielen Weltklasse-Ringern aus aller Welt war die "deutsche Achse" in den vergangenen Jahren immer ein Markenzeichen des Ringer-Bundesligisten KSV Köllerbach. Der mehrmalige deutsche Mannschaftsmeister und Finalist der beiden vergangenen Jahre konnte sich immer auf seine deutschen Athleten verlassen. Wenn sie auf die Matte gingen, waren sie stets in der Lage, das Ruder zu Gunsten des KSV herumzureißen. Bis zum vergangenen Samstag. Bei der 14:15-Niederlage im Viertelfinal-Hinkampf im Püttlinger Trimm-Treff gegen den SV Germania Weingarten enttäuschten die deutschen Ringer allesamt. Weshalb sie im Rückkampf an diesem Samstag in Bruchsal (19.30 Uhr) besonders im Fokus stehen.

"Das war ja eigentlich immer unsere große Stärke", sagt Köllerbachs Teamleiter Thomas Geid, dessen Vertrauen in seine Ringer weiter unerschütterlich ist. Dass der 17 Jahre alte Valentin Seimetz in der Freistil-Klasse bis 55 Kilogramm gegen Alexandru Chirtoaca nicht punkten würde (0:4), war keine allzu große Überraschung und deshalb auch nicht weiter schlimm. Aber weder die Griechisch-römisch-Spezialisten Jan Fischer (bis 84 Kilo) und Timo Badusch (bis 74 Kilo), noch Freistil-Ass Andrej Shyyka (bis 74 Kilo) konnten ihre Kämpfe gewinnen. Fischer verlor gegen Ramsin Azizsir mit 0:2, Badusch gegen den 19 Jahre älteren Adam Juretzko, 42, mit 1:2 und Shyyka gegen Georg Harth mit 1:2. Das war die große Überraschung im Trimm-Treff - und ein wesentlicher Grund für die Niederlage. Dabei sind gerade die Playoffs die Bühne, die sie lieben, auf der sie glänzen wollen und können.

"Klar haben wir darüber gesprochen", sagt Fischer: "Wir machen uns selbst nix vor: Da ist bei jedem von uns noch Luft nach oben." Sie wissen alle, dass es ja nur ein Punkt Rückstand ist und gerade deshalb noch lange kein Grund für die Köllerbacher gibt, den Kopf in den Sand zu stecken. "Wenn man bedenkt, dass wir nur mit einem Punkt verloren haben, obwohl bei uns allen noch Luft ist", sagt Fischer, "stimmt mich das positiv". Eine positive Grundeinstellung soll also alle Athleten vorantreiben. "Jeder von ihnen hat am Samstag die Möglichkeit, Revanche zu nehmen", sagt Teamleiter Geid: "Und wenn ich in Deutschland die Nummer eins sein will, und für mich sind sie das, dann muss ich eben alle anderen schlagen."

Egal wer der vierte Deutsche im Köllerbacher Aufgebot im Rückkampf sein wird (Seimetz fällt weg, siehe nebenstehender Text): Badusch, Shyyka und Fischer sind ebenso gesetzt wie gefordert. Sie bestreiten die letzten drei Kämpfe in der Halle 21 in Bruchsal. Auf sie wird es letztlich ankommen. "Sie müssen statt 100 Prozent eben noch ein bisschen mehr geben", sagt Teamleiter Thomas Geid, "dann wird unsere deutsche Achse auch am Samstag wieder unsere Stärke sein."Thomas Geid, der Teamleiter der Köllerbacher Ringer, hat ein Problem. Dabei ist es nicht einmal der eine Punkt, den seine Mannschaft an diesem Samstag im Viertelfinal-Rückkampf gegen den SV Germania Weingarten in Bruchsal aufholen will und muss. Es ist viel mehr die Aufstellung, die ihm Kopfzerbrechen bereitet.

"Die Aufstellung wird erst kurz vor dem Wiegen am Samstag stehen", sagt Geid. Er hat zwar mit Timo Badusch einen U 23-Ringer in seinen Reihen, weshalb er nur vier statt fünf Deutsche aufstellen muss, doch selbst das wird mit dem Stilartenwechsel in den unteren und oberen Gewichtsklassen im Rückkampf zum Problem.

Während er vergangene Woche mit Valentin Seimetz (Freistil bis 55 Kilo) einen vierten Deutschen aufstellen konnte, fällt diese Option am Samstag durch den Stilartenwechsel aus. In den hinzukommenden Klassen steht weder mit den Griechisch-römischen-Ringern Artur Umbetkaliev (bis 55 Kilo) und Melonin Noumonvi (bis 96 Kilo), noch mit den Freistilern Andrei Dukov (60 Kilo) und Dimitar Kumchev (120 Kilo) ein adäquater deutscher Ersatz zur Verfügung. "Trotzdem stehen wir im Rückkampf mindestens genauso stabil wie im Hinkampf", sagt Geid überzeugt, ohne konkret zu werden.

Doch ohne Martin Daum, der die 66 Kilo nicht mehr zu schaffen scheint, wird Geid einen Kampf schenken müssen. Denn dass er seine Freistil-Ringer Andrej Shyyka und Daum in den Playoffs gegen Weingarten jeweils eine Gewichtsklasse höher ringen lässt, ist kaum vorstellbar. Zu groß ist die Gefahr, am Ende beide Kämpfe zu verlieren. So darf man davon ausgehen, dass die deutschen Ringer Timo Badusch, Shyyka und Jan Fischer in ihren Klassen (siehe nebenstehender Text) ebenso gesetzt sind wie Tarik Belmadani (griechisch-römisch bis 66 Kilo), Radoslaw Velikov (Freistil 66 Kilo), Top-Ringer und Publikumsliebling Noumonvi sowie Dukov.

Bleiben eben nur noch die Gewichtsklassen bis 55 Kilo im griechisch-römischen Stil sowie die bis 84 und bis 120 Kilo im freien Stil. Wobei Kumchevs Position gestärkter sein dürfte als die von Umbetkaliev oder Maciej Balawender, der mit fünf Siegen und fünf Niederlagen selbst unzufrieden ist. Ob der Pole, der als einziger die 84-Kilo-Klasse besetzt, deswegen auch gesetzt ist, wird sich zeigen. Geid weiß, dass er in einer Klasse ganz sicher Punkte abgeben wird.

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