Thomas Dettweiler neuer SBV-Präsident und Nachfolger von Frank Liedke

Sportverbände des LSVS unter der Lupe : Große Fußstapfen für den neuen Chef

Thomas Dettweiler hat beim Saarländischen Badminton-Verband das Präsidentenamt von Frank Liedke übernommen, der 20 Jahre lang den SBV führte. Dettweilers Schwerpunkt soll auf der Jugendarbeit liegen.

Beim Saarländischen Badmintonverband (SBV) endete im Sommer dieses Jahres eine Ära. Nach über 20 Jahren kandidierte Frank Liedke vom Vorzeige-Club 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim (BCB) nicht mehr für das Amt des 1. Vorsitzenden. Die Verbandsversammlung wählte Thomas Dettweiler vom KV St. Ingbert, der vorher fünf Jahre lang 2. Vorsitzender war, als Nachfolger – und machte Liedke zum Ehrenvorsitzenden des Verbandes. Nur wenige Tage zuvor wurde Dettweiler aufgrund seiner Verdienste mit der Ehrennadel des Deutschen Badminton Verbands (DBV) ausgezeichnet.

„Franks Fußstapfen sind groß“, sagt der 51-jährige St. Ingberter und betont: „Es ist faszinierend, wie er sich so für die Sportart einsetzen konnte. Ich habe gleich allen klargemacht, dass es Dinge geben wird, die ich nicht so machen kann, wie er es getan hat.“ Dettweiler ist für zwei Jahre gewählt. Ein Schwerpunkt der Arbeit des Vorstandes soll auf der Jugendarbeit liegen. In erster Linie braucht es dafür aber vor allem eines: junge Menschen, die Badminton spielen wollen. Hier tut sich schon das erste Problem auf. „Wir haben auf einer Saarlandkarte mal zusammengetragen, welche Badmintonvereine im Saarland überhaupt noch Jugendarbeit machen“, sagt Dettweiler und stellt fest: „Es sind gerade einmal 30 bis 40 Prozent der Vereine.“

Die Flecken auf der Badminton-Karte sind dabei kein neues oder demografisch begründetes Phänomen. „Im Raum Merzig beispielsweise gibt es einfach nicht viele Vereine. Der Schwerpunkt war immer schon in und um Saarbrücken“, erklärt der neue Verbands-Chef. Es fehlt also die Basis. Um diese wieder aufzubauen, brauche es die Mitarbeit der Vereine, denn: „Im Endeffekt kann der Verband nur Rahmenbedingungen setzen.“

Zum Beispiel mit Hilfestellungen für die Vereine, ihre Sportart in den Schulen präsentieren zu können – dort, wo viele junge Leute gut zu erreichen sind. Hierzu hat sich der Verband zwei Sets mit Schlägern und Bällen angeschafft, die von Vereinen, aber auch Schulen ausgeliehen werden können. In Kombination mit der DBV-Grundschulaktion „Badminton-Abenteuer mit Toni“ sollen die Begeisterung für das Rückschlagspiel und die Akquise in der Zielgruppe vorangetrieben werden. Der Erfolg solcher Aktionen ist vom Engagement der Vereine abhängig, aber auch die Lehrkräfte in den Schulen müssen mitspielen.

„Die erste Resonanz ist gut“, sagt Dettweiler, „es gibt in einigen Schulen auch Schulsportmeisterschaften – teilweise schon seit längerer Zeit. Doch dort nehmen ohnehin nur diejenigen teil, die entweder schon eine andere Sportart betreiben oder sich für die Großen, also Fußball, Turnen, Handball und so weiter entscheiden.“ Im Prinzip kämpfe man mit allen Sportarten um das gleiche Ziel. „Das war ja schon zu meiner Zeit so“, erinnert sich Dettweiler, „nur damals waren es insgesamt noch mehr Kinder, von denen auch welche zu uns kamen.“ Auf der Suche nach einer Lösung kann sich Dettweiler vorstellen, einer Empfehlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nachzukommen und die Jugend-Betreuung im Verband mit einem Landestrainer zu professionalisieren. „Vorausgesetzt, man findet eine dafür geeignete Person und kann diese auch finanzieren. Allerdings braucht es auch Nachwuchs, um den er oder sie sich kümmern kann“, merkt der Verbandsvorsitzende an.

In einem Punkt hat Badminton im Saarland anderen Sportarten gegenüber einen Vorteil – der laut Thomas Dettweiler nahezu perfekten Infrastruktur. Abgesehen von vereinzelten Schwierigkeiten, Hallenzeiten vor Ort zu bekommen, sei diese nicht zuletzt durch den Bundesligisten 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim „gesegnet“. „Mit dem BCB haben wir hier einen Vorzeige-Verein, der alles liefert. Es gibt eine Badminton-Akademie, hier trainieren und spielen Nationalspieler, auf Bussen und großen Plakatwänden werden die Bundesligaspiele beworben, dazu gibt es jedes Jahr die Saar-Lor-Lux Open“, lobt er die professionelle Arbeit des amtierenden deutschen Mannschaftsmeisters.

Hinter den Teams der BCB kommt im Leistungsbereich lange nichts. Traditionsverein TuS Wiebelskirchen ist als Oberligist der einzige weitere überregional aktive Saar-Club. Die Gefahr, dass die große Strahlkraft des BCB auch junge Spieler anzieht, die auch in ihrem Heimatverein angemessen gefördert werden könnten, sieht Dettweiler auch. „Aber das wird man nie aufhalten können – einfach, weil das Angebot des BCB so gut ist“, findet er und ergänzt: „Dafür können die richtig Guten wie der bei uns in St. Ingbert ausgebildete Marvin Seidel im Land bleiben, um für einen Topclub spielen zu können.“

Weitere positive Standortfaktoren sieht der SBV-Vorsitzende im Olympiastützpunkt in Saarbrücken und dem Stützpunkt-Training seines Verbandes. „Uns fehlt es aber an Trainern, die für den Verband arbeiten. Nur so können wir genug Lehrgänge anbieten, genug Kinder für unsere Sportart gewinnen und sie in die unterschiedlichen Leistungsstufen führen“, stellt Dettweiler fest und erklärt: „Zwischen Akquise und Leistungssport gibt es noch vieles zu optimieren. Das geht nur mit der Ressource Mensch oder der Ressource Geld.“ Beides ist derzeit beim SBV nicht im Übermaß vorhanden – schon gar nicht nach der Finanzkrise des Landessportverbandes für das Saarland.

Badminton_im_Saarland. Foto: SZ/Steffen, Michael
Marvin Seidel (links) begann beim KV St. Ingbert mit Badminton. Heute gehört er mit Mark Lamsfuß zu den besten 25 Herrendoppeln der Welt. Foto: Sven Heise

Ein Lichtblick für die Akquise könnte – wie in anderen Sportarten auch – ein neuer Trendsport sein: „Air Badminton“. Wer schon einmal versucht hat, Badminton im Freien zu spielen, kennt das Problem: Der konventionelle Spielball macht dies in Abwesenheit totaler Windstille unmöglich. Derzeit lässt der Badminton-Weltverband BWF einen nicht ganz so windanfälligen Ball entwickeln. Vielleicht hilft der dabei, mehr Kinder und Jugendliche erst an den Schläger und dann in die saarländischen Vereine zu bringen.

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