Volleyball : Reichert vor Rückkehr in „Volleyball-Tempel“

Der Nationalspieler aus Lebach fehlte den Berlin Volleys zuletzt. Zum Topspiel gegen Friedrichshafen könnte er wieder fit sein.

Moritz Reichert musste zuschauen. Als der deutsche Volleyball-Meister Berlin Recycling Volleys in der vergangenen Woche in der Champions League gegen Skra Belchatow aus Polen mit 0:3 unterging, saß der 23-Jährige auf der Tribüne der Max-Schmeling-Halle. In der ersten Reihe, im Anzug, wie ein Reporter der „Berliner Zeitung“ aufmerksam notierte. Denn Reichert wurde schmerzlich vermisst, der deutsche Nationalspieler fehlt den Berlinern seit drei Wochen – wegen eines Faserrisses in der Bauchmuskulatur. An diesem Mittwoch könnte Reichert ins Aufgebot zurückkehren. Ausgerechnet zum Klassiker der Bundesliga, im Heimspiel gegen den VfB Friedrichshafen (19 Uhr/Sport1) – den früheren Club des Außenangreifers. „Es geht auf jeden Fall bergauf“, sagt Reichert: „Aber wir schauen von Tag zu Tag.“ Ob der Lebacher im ewigen Spitzenspiel dabei sein wird, entscheidet sich kurzfristig.

Dass man in Berlin seine Rückkehr herbeisehnt, ist verständlich. Reichert hat sich als Topspieler etabliert, im vergangenen Jahr wechselte er als französischer Meister von Tours VB in die deutsche Hauptstadt. Andererseits offenbart das Warten auf ihn die Probleme des Serienmeisters in dieser Runde. „Wenn wir jetzt alles gewinnen würden, wäre das nicht unbedingt ein Thema“, sagt Reichert: „Im Moment läuft es aber nicht so, wie wir uns das vor der Saison vorgestellt haben.“

Zwar belegen die Volleys seit dem vergangenen Wochenende den dritten Tabellenplatz, einen Punkt hinter Friedrichshafen. Doch vor drei Wochen dümpelte man noch im Mittelfeld. Woran das liegt? Auf einen personellen Umbruch folgte enormes Verletzungspech. „In dieser Saison sind wir wahrlich nicht vom Glück geküsst“, sagte Manager Kaweh Niroomand. Zur Verletzungspause von Reichert meinte er: „Der Ausfall wiegt schwer, zumal Reichert zuletzt deutlich gezeigt hat, warum wir ihn geholt haben.“

Der Nationalspieler äußert sich zurückhaltender. „Ich konnte von mir noch nicht ganz so viel zeigen“, sagt Reichert. Eine Woche vor Saisonstart knickte er bei einem Testspiel um, zog sich einen doppelten Bänderriss im Sprunggelenk zu, fiel sieben Wochen aus. Sein erstes Liga-Spiel bestritt Reichert erst Mitte November – in Friedrichshafen (3:2). Als er auf dem besten Weg war zu alter Form, kam der Muskelfaserriss. „Das ist eine kleinere Geschichte, aber von der Zeit her sehr ungünstig und ärgerlich“, sagt Reichert.

Nun also wieder Friedrichshafen, das „Duell der Giganten“, wie Berlin das Spiel vermarktet. Reichert sagt: „In der Hinrunde waren beide Teams in der Liga nicht so dominant wie in den letzten Jahren.“ Als Ursache führt er auch das Niveau der Bundesliga an, das sich „deutlich erhöht“ habe. Tatsächlich umfasst die Spitzengruppe der Liga aktuell sechs Mannschaften. Ganz vorne stehen die Alpen Volleys Unterhaching (29 Punkte), dahinter Friedrichshafen (28), Berlin (26), Lüneburg (26), die United Volleys Rhein-Main (24) und die Powervolleys Düren (23).

Zu dieser Entwicklung hat Reichert selbst beigetragen, mit den United Volleys heftete er sich an die Fersen der beiden Riesen – ehe er für ein Jahr nach Tours ging. Gemeinsam mit Trainer Cedric Enard kam er von dort nach Berlin, in eine Metropole, die sportlich einiges zu bieten hat. Die Volleys behaupten ihre Nische, der Zuschauerschnitt in der Max-Schmeling-Halle, beworben als „Volleyball-Tempel“, lag zuletzt bei über 4000 Besuchern. „Hier ist richtig was gewachsen“, sagt Reichert. Berlin habe sich zu einem Topclub in Europa entwickelt, schwärmte er schon vor seiner Ankunft. Das sei eine Riesenchance. Bisher hat er sie noch nicht nutzen können. Aber das soll sich bald ändern, wenn er von der Tribüne zurückkehrt aufs Spielfeld.