Prediger, Kämpfer, Patriot – und Clown

Hamburg · George Foreman gehört zu den besten Schwergewichts-Boxern der Geschichte. Doch ausgerechnet seinen größten Kampf verlor „Big George“. Morgen wird Foreman 65 Jahre alt.

George Foreman stand mit Muhammad Ali im Ring und glaubte hinterher an Gott. Als älterer Mann prügelte er sich mit Axel Schulz und brachte seinen legendären Grill auf den Markt. Er boxte sich aus dem Elend an die Spitze und ist trotz seiner elf Kinder Multimillionär: Morgen wird Foreman 65 Jahre alt. An Rente denkt der Mann, den alle nur "Big George" nennen, aber noch lange nicht. "Ich verschwende keinen Gedanken an den Ruhestand, weil ich für den Herrn arbeite, den Allmächtigen", sagt der Prediger Foreman: "Die Bezahlung ist nicht sehr hoch, aber die Belohnung nicht von dieser Welt."

In der Nacht seiner größten Niederlage sah Foreman zunächst nicht wie ein Verlierer aus. In der dunstigen Schwüle von Kinshasa stand ein Bulle von einem Mann, mit mächtigen Schultern, Armen wie Beine. Doch sein Gegner Muhammad Ali schlug ihn K.o. Foreman fiel entkräftet in der achten Runde zu Boden, die Welt war erschüttert. Danach war Foreman ein anderer Mann.

"Ich wollte ihn totschlagen. Doch er blieb stehen. Als er mir in der achten Runde ins Ohr wisperte, ,Ist das alles, was du draufhast', war ich fertig", sagte Foreman über den "Rumble in the Jungle" von 1974: "Die Niederlage trieb mich in Depressionen. Sie raubte mir mein Selbstwertgefühl, meine Würde, meinen Stolz." Erst in seinem Glauben zu Gott fand Foreman Erlösung. Er beendete 1977 seine Karriere und wurde Priester, schrieb Gospel-Songs. Aus dem zuvor so arroganten Kämpfer mit Bart und Afro-Mähne entwickelte sich der witzige Glatzkopf, den die Welt heute kennt. Foreman wurde immer beliebter und kümmerte sich um benachteiligte Kinder.

Im Gegensatz zu anderen ehemaligen Boxern hat er viele Millionen auf dem Konto. Foreman warb für alles, womit Geld zu verdienen war: Auspuff-Anlagen, Chips, Turnschuhe. Allein sein Grill brachte ihm über 100 Millionen Dollar ein. Er liebt seine elf Kinder - die fünf Söhne nannte er alle George. Heute lebt er auf einer rund 300 Hektar großen Ranch in Texas.

1987 tauchte er überraschend wieder im Ring auf. Zwar wurde er Ende 1994 mit einem Sieg über Michael Moorer noch einmal Weltmeister und mit 45 Jahren der älteste Schwergewichts-Champion der Geschichte - doch da lag die Königsklasse des Boxens am Boden. Ein Jahr später lieferte er sich ein unwürdiges Duell mit Axel Schulz, das er umstritten gewann. Bis 1997 ließ er seine Laufbahn auslaufen. Von 81 Profikämpfen gewann Foreman 76 - 68 durch K.o.