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Saarbrücker startet bei Tischtennis-EM
Verlockende Aussichten für Franziska

Patrick Franziska vom 1. FC Saarbrücken schlägt von heute an bei den Tischtennis-Europameisterschaften in Spanien auf.
Patrick Franziska vom 1. FC Saarbrücken schlägt von heute an bei den Tischtennis-Europameisterschaften in Spanien auf. FOTO: Ruppenthal
Saarbrücken. Der Tischtennis-Nationalspieler aus Saarbrücken hat bei der EM im spanischen Alicante mehrere Medaillenchancen. Von Ralph Tiné

Wenn heute im spanischen Alicante die Tischtennis-Europameisterschaften im Einzel, Doppel und Mixed beginnen, hat in gewisser Weise auch das Saarland ein heißes Eisen im Feuer. Denn Patrick Franziska spielt nicht nur seit 2016 für den 1. FC Saarbrücken in der Bundesliga. Der deutsche Nationalspieler hat – abseits von der Tischtennis-Szene selbst kaum bemerkt – auch seinen Lebensmittelpunkt in die saarländische Hauptstadt verlegt. Seit eineinhalb Jahren lebt Franziska mit seiner Freundin Frida am Saarbrücker Rotenbühl.


„Für mich ging es vor allem darum, selbstständiger zu werden. Ich brauchte ein bisschen mehr Freiheit, die ich in Düsseldorf so nicht hatte. In Saarbrücken habe ich diese Freiheiten gefunden. Ich habe mich hier sofort wohl gefühlt. Das hat einfach gepasst“, beschreibt der Weltklassespieler die Gründe für seinen Umzug von Düsseldorf, wo er zuvor für die Borussia gespielt hatte.

Seit seinem Umzug nach Saarbrücken läuft es für den 26-Jährigen top. Für den FCS, wo er in dieser Saison Mannschaftskapitän geworden ist, liefert er seit seinem Wechsel erstklassige Spielbilanzen ab. Daneben hat er sich nach einer Reihe von sehr guten Turnierergebnissen in der Weltrangliste mittlerweile bis auf Rang 16 vorgeschoben – die beste Platzierung seiner bisherigen Karriere. In der europäischen Rangliste steht Franziska auf Platz fünf und gehört somit bei der Europameisterschaft zum engeren Favoritenkreis.



Im Doppel sind der Deutsche und sein dänischer Partner Jonathan Groth (TTSC UMMC Ekaterinburg) sogar die Top-Favoriten für die Goldmedaille. Die beiden Titelverteidiger haben nach dem Triumph bei der EM 2016 auch Gold bei den Austria Open 2016, Silber bei den Korea Open 2017 sowie Gold bei den Czech Open 2017 und 2018 gewonnen. „Im Doppel sehe ich schon Jonathan und mich als Favoriten, weil wir schon lange zusammen spielen und entsprechend eingespielt sind. Wir wollen den Titel verteidigen, das ist ganz klar. Aber es gibt noch acht bis zehn andere Paare, die für die Goldmedaille in Frage kommen“, sagt Franziska, der auch im Mixed antritt – mit der früheren Fraulauternerin Petrissa Solja.

Auch wenn die Chancen auf eine Medaille im Doppel am höchsten sind, liegt der eigentliche Fokus auf dem Einzelwettbewerb. „Das Einzel hat natürlich einen höheren Stellenwert. Ich war bei der EM bisher zwei Mal im Achtelfinale. Natürlich schielt man da auch ein bisschen weiter. Ich bin jetzt Fünfter in Europa. Das sieht natürlich verlockend aus. Aber ich will mich nicht verleiten lassen und sagen, alles andere als eine Medaille wäre eine Enttäuschung“, bleibt der in Bensheim geborene Südhesse zurückhaltend.

Bei Franziska klingt das weniger nach Tiefstapelei als nach einem gesunden Realitätssinn, der einerseits die eigene Stärke einzuschätzen weiß, aber auch die Hürden in seinem Sport kennt. „Ich bin ein Fan davon, von Runde zu Runde zu denken. Denn die erste Runde ist die schwierigste. Da muss man zuerst die Halle fühlen, die Atmosphäre spüren und sehen, wie man zurecht kommt“, beschreibt Franziska die Besonderheiten seines Sports.

Neben dem Gefühl für die äußeren Umstände komme es in einer Einzelsportart wie Tischtennis darauf an, zum richtigen Zeitpunkt dem Druck standzuhalten. „Am Ende steht man immer alleine in der Box. Da kann man sich nicht verstecken, da hilft einem keiner durch. Das macht diesen Sport und seinen Reiz aus“, sagt Franziska.

Als Favoriten auf den Einzeltitel sieht er die üblichen Verdächtigen. „Auch wenn sie in diesem Jahr noch nicht die großen Ergebnisse hatten, sind sie trotzdem die beiden besten Spieler Europas“, sagt Franziska über seine Nationalmannschaftskollegen Timo Boll, der in der Weltrangliste Nummer vier belegt, und Dimitrij Ovtcharov (Fünfter). Darüber hinaus sieht der Wahl-Saarländer insgesamt eine „hohe Dichte in Europa“ und führt als Beleg den aktuellen Titelträger im Einzel, Emmanuel Lebesson aus Frankreich, an, den 2016 auch kaum jemand auf der Agenda gehabt habe – wahrscheinlich sogar weniger Experten als in diesem Jahr Franziska.