| 21:12 Uhr

Olympische Winterspiele in Südkorea
Medaillenregen im Eisschrank

Dick eingepackt und mit der deutschen Fahne in der Hand bejubelt Laura Dahlmeier ihre zweite Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang.
Dick eingepackt und mit der deutschen Fahne in der Hand bejubelt Laura Dahlmeier ihre zweite Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang. FOTO: dpa / Michael Kappeler
Pyeongchang. Biathlon-Königin Laura Dahlmeier schreibt weiter an ihrem nächsten Winter-Märchen. Und bei den Männern ist diesmal Benedikt Doll zur Stelle.

Mit der deutschen Fahne in der Hand stürmte Superstar Laura Dahlmeier zu ihrer zweiten Goldmedaille, kurz darauf strahlte Benedikt Doll über Bronze. Mit dem besten deutschen Auftakt der Olympia-Geschichte haben die deutschen Biathleten bei den Winterspielen in Pyeongchang eine große Show abgeliefert. Dreimal Gold und einmal Bronze in den ersten vier Entscheidungen in Südkorea – besser geht es kaum.


Den Anfang machte in den Verfolgungsrennen am gestrigen Montag wieder Deutschlands Vorzeige-Skijägerin Dahlmeier, die nach zehn Kilometern trotz eines Schießfehlers mit großem Vorsprung vor der zweimaligen Olympiasiegerin Anastasiya Kuzmina aus der Slowakei und der Französin Anaïs Bescond gewann. Damit ist die 24-Jährige die erste Biathletin, der das Double aus Sprint und Verfolgung bei denselben Winterspielen gelang. Solch ein Kunststück hatte bislang nur Rekord-Olympiasieger Ole Einar Björndalen aus Norwegen geschafft.

Bei den Männern war es diesmal Sprintweltmeister Doll, der nach 12,5 Kilometern hinter dem überragenden Franzosen Martin Fourcade und dem Schweden Sebastian Samuelsson den dritten Platz belegte. Simon Schempp, Sprint-Olympiasieger Arnd Peiffer und Erik Lesser komplettierten auf den Plätzen fünf, acht und elf das hervorragende Mannschaftsergebnis.



Im Mittelpunkt stand aber einmal mehr Königin Dahlmeier. „Es war ein richtig, richtig hartes Rennen, unfassbar. Meine Finger sind gerade aufgetaut, das waren Schmerzen, schlimmer als in jedem Rennen zuvor. Es war jetzt abartig“, sagte die immer noch frierende Dahlmeier nach ihrem Coup. Bundestrainer Gerald Hönig hatte nach dem perfekten Rennen seiner Ausnahmekönnerin Tränen in den Augen und sagte: „Laura überstrahlt wieder alles. Was Laura hier an Biathlon in Perfektion zeigt, habe ich in der Art und Weise noch nicht gesehen. Sie ist professionell bis in die Haarspitzen.“ Denise Herrmann war auf Rang sechs zweitbeste Deutsche. „Es ist unglaublich. Sie ist so gut drauf und hat mental so eine Stärke. Sie lässt der Konkurrenz keine Chance und steht verdient wieder ganz oben“, sagte Herrmann über Dahlmeier. Franziska Hildebrand wurde Zehnte, Vanessa Hinz auf Rang 14.

Bisher erfolgreichster deutscher Skijäger bei einem Olympia-Event ist Michael Greis, der bei den Winterspielen 2006 in Turin dreimal Gold holte – im Einzel, Massenstart und der Staffel. Schon vor einem Jahr bei der WM in Hochfilzen hatte Dahlmeier mit 23 Jahren fast spielerisch Rekorde aufgestellt, die wohl sehr lange Bestand haben werden. Mit fünf Mal Gold und einmal Silber holte sie bei der WM in Hochfilzen in allen sechs Rennen eine Medaille. Fünf WM-Titel bei einem Großereignis oder elf WM-Medaillen in Serie gewann noch niemand im Biathlon-Zirkus. Bei Großereignissen schaffte sie in 13 Rennen am Stück eine Medaille. Auch das ist bislang unerreicht.

Dahlmeier ist auf dem besten Wege, zum großen Star von Pyeongchang zu werden – vier weitere Medaillenchancen warten noch auf sie. Dabei stand das Rennen vor der Verschiebung. Hin und wieder fegten Böen durch das Stadion. „Wenn Dich so eine erwischt, kannst Du nichts machen“, sagte Hönig. Erst kurz vor 19 Uhr (Ortszeit) fiel nach einer kurzen Jury-Sitzung die Entscheidung, dass das Rennen pünktlich beginnt. Ebenso wie das Männer-Rennen. Und da zeigte diesmal Fourcade seine ganze Klasse. Der Franzose, der im Sprint noch gepatzt hatte, holte überlegen seinen fünften Olympiasieg.

Doll hatte nach dem vierten Schießen sogar noch auf Silberkurs gelegen, doch Samuelsson kämpfte sich ran und zog schließlich vorbei. Für den 27 Jahre alten Doll war es aber trotzdem die erste Olympia-Medaille seiner Karriere. „Zwischen Platz zwei und zwölf war es saumäßig eng. Umso schöner ist, dass es endlich auch mal in einem Jagdrennen so richtig geklappt hat“, sagte Doll: „Gesund für die Lunge war das aber nicht. Hoffentlich werde ich nicht krank.“

Benedikt Doll freut sich über Bronze im Verfolger.
Benedikt Doll freut sich über Bronze im Verfolger. FOTO: dpa / Hendrik Schmidt