| 21:12 Uhr

„Drei Minuten vor zwölf“
In Wolfsburg wächst der Druck

Bremen. Trotz 112 Millionen Euro für Neuzugänge in den vergangenen 13 Monaten steckt der VfL wieder im Abstiegskampf.

Magere drei Siege aus 18 Spielen, bedrohliche Nähe zu den Abstiegsrängen und keine Weiterentwicklung des millionenschweren Aufgebots: Trainer Martin Schmidt gehen beim VfL Wolfsburg allmählich die Argumente aus. Der Schweizer wackelt. Und nun kommen am Samstag auch noch die Bayern.


„Der Druck steigt. Es ist vielleicht schon drei Minuten vor zwölf“, sagte Schmidt nach dem 1:3 (0:2) am Sonntag bei Werder Bremen sichtlich bedient. Der nächste Minus-Auftritt seiner Millionentruppe hatte dem Schweizer die Laune gründlich verhagelt. „Die Niederlage schmerzt und tut sehr weh. Jetzt wissen alle, was die Stunde geschlagen hat. Jetzt müssen wir zusammenstehen, uns aufbäumen und gegen den Trend wehren.“

Zusammenstehen? Aufbäumen? Wehren? Dazu hatten die Wölfe unter „Wunschtrainer“ Schmidt nun 18 Ligaspiele lang Zeit. Der Ertrag ist bescheiden. Auch der 50-Jährige schaffte es bislang nicht, aus der Ansammlung von talentierten und teuren Einzelkönnern endlich eine Mannschaft zu formen – und so schrillen am Mittellandkanal mal wieder unüberhörbar die Alarmglocken. Das Schreckgespenst einer erneuten Relegation geht angesichts von nur noch vier Punkten Abstand zu Platz 16 um. „Wir müssen im inneren Zirkel die Dinge genau durchleuchten“, sagte VfL-Sportchef Olaf Rebbe. Man werde jetzt „hinter verschlossenen Türen“ analysieren und nach Mitteln und Wegen fahnden, „die wir anwenden, um Besserung herbeizuführen“. Jeder müsse sich „an die eigene Nase fassen, ob die Vorgaben eingehalten werden“.



Der Ton in Wolfsburg wird rauer. Neben Schmidt gerät beim Pokalsieger von 2015 zunehmend auch Rebbe in die Schusslinie. Das Schicksal des Trainers dürfte eng mit seinem eigenen verbunden sein, immerhin war Schmidt im Herbst die erste Wahl des sportlichen Leiters bei der Nachfolge von Andries Jonker.

Auch sonst fällt die Bilanz von Rebbe ziemlich bescheiden aus. 17 neue Spieler lotste der 39-Jährige zum VfL, seitdem er Anfang 2017 das Amt von Klaus Allofs übernahm, und gab in nur 13 Monaten satte 112 Millionen Euro für Neuzugänge aus. Schmidt ist nach Jonker und Valérien Ismaël bereits der dritte Trainer in Rebbes Amtszeit. Kein Wunder also, dass in Wolfsburg bereits der Name des Bundesliga-erfahrenen Managers Jörg Schmadtke die Runde macht.

„Es liegt nicht an irgendeinem Manager oder Trainer“, sagte Kapitän Maximilian Arnold unter dem Eindruck der desolaten ersten Hälfte in Bremen: „Wir als Team sind schuld an der Situation. Was wir spielen, ist absolut scheiße.“ Erst nach einem Donnerwetter von Schmidt in der Pause wachten die VfL-Stars auf. „Es war laut, sehr laut. Ein paar Blechkisten mussten dran glauben“, berichtete Schmidt. Für die Wende reichte das aber nicht mehr.