1. Sport
  2. Saar-Sport

Der Tanzbär lässt es ruhiger angehen

Der Tanzbär lässt es ruhiger angehen

Am Samstag startet Diskus-Olympiasieger Christoph Harting beim Diamond-League-Meeting in Shanghai in seinen ersten Freiluft-Wettkampf seit den Spielen in Rio.

Die Aufregung um die Siegerehrung in Rio? Längst vergessen. Die Sponsorensuche? Durchaus erfolgreich. Sein Bruder Robert? Ein Gegner wie jeder andere. Christoph Harting hat die Nachwirkungen seines Triumphs von Rio erfolgreich gemeistert und geht entspannt in seinen ersten Freiluft-Wettkampf als Diskus-Olympiasieger am Samstag.

"Es ist absolut kein Unterschied. Es gibt keinen Druck, keinen Stress. Es geht um mich und meine Leistung", sagte der 27-Jährige, der beim Diamond-League-Meeting in Shanghai seinen Saisoneinstand feiert: "Ich freue mich natürlich auf den ersten Wettkampf: Es ist immer ein bisschen das große Kribbeln." 2016 hatte er seinen Auftakt in Wiesbaden ohne gültigen Versuch beenden müssen, das Ziel daher diesmal in China: "Besser sein als letztes Jahr."

Den letzten Schliff holte sich der Berliner im Trainingslager in Portugal. Insgesamt sei das nacholympische Jahr allerdings "ein bisschen ruhiger", die Umfänge etwa bei 85 bis 90 Prozent des Vorjahrs: "Ich habe einen Plan, mit dem ich noch ein bisschen weit werfen und in drei Jahren wieder ganz oben sein will." In Tokio will er erneut die Goldmedaille. Das Ziel für 2017: Edelmetall bei der WM im August in London.

Dafür hat Harting auch seine außersportlichen Auftritte auf Null reduziert. Die Zeiten, in denen er in Quiz- oder Talkshows im Fernsehen auftrat, sind vorbei. "Es ist natürlich schwer, von Show zu Show zu tingeln und dabei noch Leistung zu bringen", sagte er.

Langeweile hatte Harting aber auch in der sportfreien Zeit nicht. Neben seinem Studium kümmerte er sich selbst um seine Terminplanung, auch die Sponsorenakquise behielt er in der eigenen Hand. Offenbar mit Erfolg. "Ich verdiene mehr als vorher", sagte Harting: "Es ist ein Irrglaube, zu denken: ,Jetzt habe ich eine olympische Medaille, lege die Hände in den Schoß, und die Leute rennen mir mit ihrem Geld die Bude ein'."

Negative Auswirkungen der umstrittenen Siegerehrung von Rio habe er dabei nicht erlebt. "Das ist inzwischen so egal. Die meisten - und das ist der lustige Schluss daran - können sich an das ganze Geschehen der Siegerehrung gar nicht mehr erinnern", sagte er: "Die wissen nur noch: ,Ah, der ist Olympiasieger geworden. Lass uns doch mal mit dem quatschen'. Dass sich dieser Negativhype verläuft und man dadurch nur noch bekannter ist, nehme ich mit einem Schmunzeln zur Kenntnis."

Gelassen begegnet er auch der Konkurrenzsituation mit seinem älteren Bruder und London-Olympiasieger Robert. "Er ist ein Gegner wie jeder andere auch. Ob da jetzt meine Großmutter im Ring steht, mein Bruder oder mein bester Freund - das ist egal", sagte Harting: "Es geht darum, die optimale Leistung zu generieren." In Shanghai wird es nicht zum ersten Bruderduell der Saison kommen: Robert sagte wegen einer Magen-Darm-Erkrankung ab und startet beim Pfingstsportfest in Rehlingen in die Saison.