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Kiez ist eine große Stütze für Familien

Im Burbacher Kinder- und Elternzentrum haben Elke Holz, Mitarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt, und Dunja, Alan, Leon und Ibrahim (von links) viel Spaß beim Kochen. Foto: Iris Maurer
Im Burbacher Kinder- und Elternzentrum haben Elke Holz, Mitarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt, und Dunja, Alan, Leon und Ibrahim (von links) viel Spaß beim Kochen. Foto: Iris Maurer FOTO: Iris Maurer
Burbach. In Burbach leben nach Angaben des Regionalverbandes 1630 Kinder von Hartz IV. Um die Eltern bei der Erziehung zu unterstützen und sich intensiv um die Kinder zu kümmern, gibt es ein Kinder- und Elternzentrum im Lutherhaus. Damit will der Regionalverband auch der Kinderarmut vorbeugen. Von SZ-RedakteurMarkus Saeftel

Selber kochen mit gesunden Zutaten ist viel besser, als eine Tiefkühlpizza in den Ofen zu schieben. Und es macht viel Spaß. Das lernen die Kinder, die an diesem Nachmittag ins Kinder- und Elternbildungszentrum (Kiez) in Burbach direkt gegenüber der Weyersbergschule gekommen sind. Zwar fehlt noch ein Schild, das auf das Kiez hinweist. Die Kinder und Eltern scheinen die Räume auf der Rückseite des Lutherhauses aber auch so zu finden.

"Flotte Lotte" heißt der Kinderkochklub der Arbeiterwohlfahrt (Awo), der seit November hier eingezogen ist, den es aber schon seit Dezember 2009 gibt, sagt Awo-Bereichsleiterin Christa Funk. Von Anfang an sollte das Kiez kein Kinderhaus, sondern eine Anlaufstelle auch für die Eltern sein, betonen Funk und Julia Beer, Rektorin der Weyersbergschule. Deshalb kämen nicht nur rund 30 Kinder regelmäßig zum Kochen, sondern auch 15 Mütter oder Väter. Sie lernten dort auch, gemeinsam, den Tisch zu decken und zu essen, weil das in diesen Familien oft nicht üblich sei, sagt Beer.

Sie kennt die Probleme im Stadtteil, weil sie die Kinder jeden Morgen in der Schule sieht. Viele Familien hätten nur ein geringes Einkommen, 60 Prozent der 440 Kinder würden die Schulbücher deshalb kostenlos bekommen. Beer erklärt, viele der Eltern unterstützten ihre Kinder, seien mit der Erziehung aber oft überfordert.

Denn sie hätten es selbst nicht einfach gehabt in der Schule, der Familie oder mit Partnern. Beer lobt die Eltern: "Sie nehmen Hilfe an und arbeiten mit der Schule zusammen." Sie betont, wie wichtig die Schulsozialarbeit sei, die bereits vor dem Kiez gestartet sei. Der große Vorteil: "Die Sozialarbeiterin kennt die Kinder aus problematischen Familien und schickt sie ins Kiez."

Das Angebot dort reicht vom Mittagessen und der Hausaufgabenbetreuung über Kunst und Sport bis zu Ausflügen in den Deutsch-Französischen Garten. Das seien ganz besondere Erlebnisse, viele Kinder seien vorher noch nie dort gewesen. Rund 100 Kinder kommen pro Woche ins Kiez, sagt Funk. Bis zu 50 Kinder täglich könnten hier essen, derzeit seien es 30 bis 40 Jungen und Mädchen. Für die Eltern, davon viele Einwanderer, gebe es an der Schule Sprachkurse oder ein Elterncafé, wo sie sich austauschen. "Die Schwellenangst ist nicht groß. Die Eltern können sich alles anschauen, was es im Kiez für die Kinder gibt", sagt Beer. Das gelte auch für Eltern mit Sprachproblemen. Die Schulrektorin berichtet, dass sie Mütter und Väter als Dolmetscher gewinnen konnte, die anderen Eltern helfen. "So konnten wir das Vertrauen der Eltern gewinnen."

Die Weyersbergschule hat auch ein kostenloses Nachmittagsangebot für die Kinder. Das nutzen rund 200 Jungen und Mädchen. Das Ziel sei nicht, alle restlichen Weyersbergschüler im Kiez zu betreuen. Denn es gebe in Burbach viele funktionierende Familien, die gar keine Unterstützung brauchen.

Wichtig ist ihr, dass das Kiez für alle Kinder aus Burbach offen ist, nicht nur für diejenigen, die auf die Weyersbergschule gehen. Das gilt natürlich auch für den Kochklub "Flotte Lotte", der den Kindern so viel Spaß macht.



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HintergrundRegionalverband, Landesregierung und Stadt finanzieren das Kiez bis August 2016. Die Landesregierung fördert das Projekt für drei Jahre. Die Fraktionen in der Regionalversammlung hätten signalisiert, dass sie das Kiez auch darüber hinaus weiterführen wollen, sagt Regionalverbandssprecher Stefan Kiefer. Rund 200 000 Euro stehen jährlich zur Verfügung. Der Löwenanteil wird für das Personal ausgegeben. Das sind zweieinhalb Stellen inklusive der Schulsozialarbeit, teilt die Arbeiterwohlfahrt mit. sm