1. Saarland

Stimmgewaltiger, weiser Narr verzaubert mit subtiler Poesie

Stimmgewaltiger, weiser Narr verzaubert mit subtiler Poesie

Es war eine alberne, rätselhafte und kluge Inszenierung, die Herman van Veen am Samstagabend bot. Der niederländische Liedermacher gastierte mit seinem fabelhaften Ensemble in der Gebläsehalle in Neukirchen.

Herman van Veen in der ausverkauften Gebläsehalle in Neunkirchen: Das war ein leiser, lauter, burlesker, geistreicher, selbstironischer und bisweilen auch alberner und rätselhafter Abend.

Ein Abend, an dem der niederländische Liedermacher trotz seiner mittlerweile 68 Jahre wild tanzt, Opernsänger parodiert, auf den Fingerspitzen Panflöte bläst und auch noch verdammt gut Geige, Gitarre und Klavier spielt. Ein Abend über kriegsversehrte Mütter und Väter, übers Älterwerden und emotionale Sensationen des Alltags. Über schmerzliche Vergangenheit; über Kinder, die schwierige Fragen stellen, übers Lieben und Lachen und Miteinanderaushalten.

Eine kluge, behutsame Inszenierung, die sehr viel mehr ist als ein Konzert. Es war der große Abend eines Poeten und Clowns, der scharf Beobachtetes subtil erzählt. Dessen Liebeslieder nicht kitschig sind, sondern wahrhaftig. Er stimmt sein Publikum heiter und nachdenklich zugleich. Man kann süchtig werden nach diesem erfüllten und glücklichen Zustand, und so ist es auch kein Wunder, dass die Zuschauer van Veen und seiner Band unzählige Zugaben abverlangen - erst nach drei Stunden fällt der Vorhang. Das holländische Gesamtkunstwerk gastierte mit seinem aktuellen Programm "Für einen Kuss von Dir", der zehnten Deutschlandtournee in 40 Jahren.

Begleitet wird van Veen dabei von seinem Pianisten (demselben seit 50 Jahren), einem jungen Rhythmusduo, einer Violinistin (zugleich Jazz-Vokalistin) und - oft an seiner Seite - der niederländischen Gitarristin und Sängerin Edith Leerkes. Ein fabelhaftes Ensemble, das mit großer stilistischer Bandbreite auf einem Atem musiziert und alle Verrücktheiten des immer noch stimmgewaltigen weisen alten Narren mitträgt. Chapeau!