Ihre Musik macht mehr als Spaß

Benannt nach Hans Stiller, dem Trainer ihrer Fußballmannschaft, begann 1996 die Karriere der Sportfreunde Stiller. Bereits seit seinem zweiten Album „Die gute Seite“ (2002) hat das bayrische Rocktrio ein Abo für die Top Ten der deutschen Albumcharts. Dort stand auch das aktuelle Album „New York, Rio, Rosenheim“. SZ-Mitarbeiter Kai Florian Becker hat mit Bassist Rüdiger Linhof, der 1998 zur Band stieß, über das neue Werk gesprochen.

Was ist für Sie das Besondere an Sportfreunde Stiller?

Rüdiger Linhof: Das ist die Energie, die zwischen uns dreien entsteht. Dieses Gefühl habe ich beim Musikmachen mit anderen Leuten nie so intensiv erlebt. Zwischen Peter, Flo und mir herrscht im Proberaum und auch jenseits davon eine Chemie, die vieles von dem trifft, was ich als Musikhörer auch total mag. Ich habe da einfach tolle Typen kennengelernt. (lacht)

Im Mai erschien Ihr Album "New York, Rio, Rosenheim". Gab es im Vergleich zu den Vorgängeralben etwas, das Sie anders machen wollten? Eine neue Herangehensweise?

Rüdiger Linhof: Zuallererst haben wir uns für dieses Album mehr Zeit genommen als jemals zuvor. Die Erfahrung, die wir vor der Produktion gemacht hatten, war auch eine ganz neue als die vor den anderen Alben. Zuvor hatten wir bekanntlich das Unplugged-Album eingespielt und neue Erfahrungen in Bezug auf Arrangements und das Musizieren sammeln können. Diese konnten wir in den Entstehungsprozess von "New York, Rio, Rosenheim" mit einbringen. Ebenso die Ruhe, in der wir an dieses Album herangehen konnten. Das war der wesentlichste Unterschied. Wir nahmen die Songs nicht mehr in einem Rutsch im Studio auf, sondern in verschiedenen Arbeitsabschnitten mit längeren Pausen dazwischen. Währenddessen konnten wir noch mal über die Songs nachdenken und Abstand voneinander finden, um dann wieder mit Hunger ans Liederschreiben zu gehen.

Sie werden oft als Spaß- und Unterhaltungsband gesehen. Aber Sie haben auch das Bestreben, ernstere Songs zu schreiben. Auf dem neuen Album wären zum Beispiel "Applaus, Applaus" oder "Wenn Pferde schlafen" zu nennen. Ein Spagat, oder?

Rüdiger Linhof: Jeder von uns dreien hat verschiedene Seiten. Wir sind natürlich recht positive Menschen, aber keinesfalls nur Spaßtypen. Auf all unseren Alben gibt es verschiedene Facetten - darunter sinnlose Spaßlieder wie auch Sozialkritisches. Ich glaube nicht, dass die Leute, die auf unsere Konzerte kommen, nur Spaßlieder hören wollen. Wir wollen ihnen dennoch einen hoffnungsvollen Blick auf die Welt mitgeben. "Applaus, Applaus" ist vielleicht ein nachdenklicher, aber kein trauriger Song. Er steht für eine Huldigung an Menschen, die einem etwas bedeuten. Ich würde in diesem Zusammenhang eher "Festungen & Burgen" nennen. Darin geht es darum, wie es ist, über den Schmerz zu reden, und wie wichtig es ist, manche Dinge abzuschließen. Da werden wir auf dem Album sicher am persönlichsten. Wir haben aber auch mit "Unter unten!" ein Sauflied drauf. Somit unterscheidet sich das Album von der Mischung her nicht von den älteren.

Termin: Konzert der Sportfreunde Stiller am Mittwoch, 30. Oktober, 18.30 Uhr in der "Garage", Saarbrücken, Bleichstraße.

garage-sb.de

sportfreunde-stiller.de