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Lieder mitten aus dem Leben

Lieder mitten aus dem Leben

Die beiden Musiker Black Ribbon und Sebastian Hackel tauchten die Stummsche Reithalle am Freitag in ehrfurchtsvolles Schweigen. Sie traten im Rahmen der Singer-Songwriter-Reihe auf, welche die Neunkircher Kulturgesellschaft erstmals anbietet.

Man nehme eine außergewöhnliche Stimme, eine Gitarre und berührende Lieder mitten aus dem Leben: Mit dieser Rezeptur begeisterten die beiden Singer-Songwriter Black Ribbon alias Jobst Feit und Sebastian Hackel am Freitagabend das Publikum in der Stummschen Reithalle. Ein Singer-Songwriter ist ein Künstler, der nicht nur die Texte schreibt, sondern auch die Musik selbst komponiert. Jobst Feit, gebürtiger Saarbrücker und wohnhaft in Wiesbaden, sorgte zunächst für ausreichend Schwermut auf der Bühne; umriss etwa mit "Penguin Love" eine gescheiterte Liebe. Im Gegensatz dazu gab es mit dem Publikum keinerlei Beziehungsprobleme, wie der 33-Jährige erfreut feststellte: "Ich habe das Gefühl, dass es mit uns ganz gut klappt." Sein Gefühl täuschte ihn nicht, denn die Zuhörerschaft unterbrach ihr ehrfurchtsvolles Schweigen nur, um zwischen den Liedern kräftig zu applaudieren. Für Jobst Feist war der Aufritt ein Heimspiel, denn bereits vor gefühlt 15 Jahren habe er in der Stummschen Reithalle seine Musik sprechen lassen. Außerdem ist sein Debütalbum "So you wear a cloak" beim Neunkircher Plattenlabel NK Rock City (NKRC) Records erschienen.

Im Gegensatz dazu spielte Musikerkollege Sebastian Hackel aus Dresden zum ersten Mal in Neunkirchen. Der 22-jährige Musiker setzte sich auf einen alten Holzstuhl mit zerfetztem Polster und machte die Stummsche Reithalle zu seinem heimischen Wohnzimmer - da fühle er sich nämlich viel wohler als auf der Bühne. Wie er mit seinen hüftlangen Dreadlocks im Scheinwerferlicht saß, hätte man sich ihn genauso gut an einem sonnengefluteten Strand vorstellen können. Zunächst entlockte der Dresdner seiner Akustikgitarre ruhige Töne und sang in "Soweit" von einer Liebe, an die nur noch ein Bild erinnert. Allerdings beherrscht Sebastian Hackel - generell ein bisschen schwermütiger als Clueso ("Kein Zentimeter") und fröhlicher als Philipp Poisel ("Wie soll ein Mensch das ertragen") - auch die federleichten Töne. In "Orangensaft" führt er die Zuhörer etwa an einem sonnigen Tag durch eine quirlige Stadt, wobei er sein sogenanntes "Hippie-Lied" manchmal selbst ziemlich kitschig findet. Sebastian Hackel ist ein entspannter Typ; da ist es auch nicht so wichtig, sich genauestens an die Playlist zu halten. Lieber die Lieder vom Album "Kreideblumen" spielen, die sich zum jeweiligen Zeitpunkt richtig anfühlen. Als der Musiker deswegen zwischendrin kurz nachfragte, wie lange er eigentlich schon gespielt habe, rief eine weibliche Konzertbesucherin: "Nicht lange genug!" Zahlreiche Lacher und Zu-

gaben später legte Sebastian Hackel seine Gitarre zur Seite und hechtete geradezu von der Bühne, um sich mit seinen Zuhörern zu unterhalten. Auch wenn der junge deutsche Musiker sagt, dass er keine Bühne braucht und diese fluchtartig verlässt: Genau dorthin gehört er - auf die Bühne.

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Auf eine BlickEin kleines Festival beendet am Samstag, 9. November, die Singer-Songwriter-Reihe. Ab 20 Uhr treten in der Stummsche Reithalle neben dem Headliner Adam Rubenstein drei weitere Musiker auf: Rob Moir aus Kanada und die beiden lokalen Musiker Perfect Youth und I'm No Robot. VVK: 8 Euro, AKK: 10 Euro. rol