Weltenbummler: Reise am Limit durch den hohen Norden

Weltenbummler : Reise am Limit durch den hohen Norden

Daniel Klesen aus Bergweiler ist ein Weltenbummler. Doch die Reise durch Skandinavien bringt ihn an seine Grenzen.

Schneestürme, durchnässte Kleider, Essen aus der Mülltonne und campen bei Minustemperaturen. „Die Reise zum Nordkap hat mich an meine Grenzen gebracht“, sagt Daniel Klesen. Seit April tourt der 27-Jährige per Anhalter durch Europa. Er ist es gewöhnt, im Zelt zu schlafen, stundenlang an der Straße zu stehen und mit wenig Geld über die Runden zu kommen. Doch durch Skandinavien zu trampen, war auch für den Weltenbummler eine Herausforderung. Ein „Kraftakt“ wie er auf seinem Blog schreibt.

„Zum Glück musste ich da nicht alleine durch“, erzählt er während eines Telefonats. In Kopenhagen habe er einen 20-jährigen Engländer kennengelernt, der das gleiche Ziel hatte. „Sein Name ist lustigerweise auch Daniel. Wir haben uns sofort gut verstanden“, erzählt der Bergweiler. Beide beschlossen, gemeinsam loszuziehen. Eine willkommene Abwechslung für den jungen Mann, der gewöhnlich alleine unterwegs ist. „Mein Kumpel war genauso unvorbereitet wie ich. Wir haben die Bedingungen im Norden komplett unterschätzt“, gibt Daniel zu. Extrem hohe Preise, eisige Temperaturen und keine organisierten Übernachtungen. All das habe zu brenzligen Situationen, aber auch wunderbaren Momenten geführt. „Vor allem hat diese Reise mir mal wieder gezeigt, wie eng Glück und Pech beieinander liegen“, sagt Daniel und lacht.

Er erzählt von einer Nacht, die er an einer Tankstelle gut zwei Fahrtstunden vor Alta verbracht hat. „Daniel wurde von einem LKW-Fahrer mit in die Stadt genommen und ist vorgefahren. Ich habe fünf Stunden lang vergeblich gewartet.“ Also schlug der 27-Jährige mal wieder sein Zelt auf, aß eine Dose Thunfisch und schaute in den Himmel. Und plötzlich waren sie da: Polarlichter. „Grüne Farben, die sich am Firmament ausbreiten, als wäre ein Maler gerade damit beschäftigt, den Himmel in ein Kunstwerk zu verwandeln. Lichter, die anfangen mit mir zu tanzen. Ein Schauspiel, für das ich keine Worte finden kann“, schreibt Daniel. Auf seiner Reise durch Schweden und Norwegen durfte er das Schauspiel noch zwei weitere Male erleben. „So viel Glück muss man erst mal haben“, freut sich der Weltenbummler.

Glück, das ihn und seinen Kumpel am Nordkap wieder verließ. Als die beiden endlich ihr Ziel erreicht hatten, erwartete sie nicht die berühmte Globus-Kugel, sondern eine Hütte samt Schranke. „Wir sind mehr als 3000 Kilometer getrampt, um ein Bild vor dieser gottverdammten Statue zu schießen. Und dann das. Die haben 25 Euro Eintritt verlangt“, erzählt Daniel. Viel Geld für einen Reisenden. „Wir haben dann ein Foto vor dem Kassenhäuschen gemacht. Und erkannt, dass es uns nicht um die Kugel ging, sondern um die Herausforderung zu diesem Ort zu trampen.“ Trotzdem, nach dem Erlebnis wollten die beiden so schnell wie möglich raus aus Skandinavien, raus aus der Kälte.

Doch auch der Rückweg nach Deutschland wurde härter als erwartet. Ein Horrorszenario erlebten die Freunde ausgerechnet an Halloween. „200 Kilometer südlich vom Polarkreis hat uns Bengtake angeboten, in seinem Büro zu schlafen“, erinnert sich Daniel. Der Mann führte sie zu einem Tunnelsystem, das im Krieg als Schutzbunker diente. „Er hat erzählt, dass er ein Hotel in der Nähe bauen möchte. Sein Investor Gaddafi, der ehemalige Premierminister von Libyen, sei jedoch vor sechs Jahren von den Amerikanern getötet worden.“ Anschließend habe der Mann seine Schrotflinte geschnappt und die Gittertür hinter sich zugesperrt. „Wir waren gefangen“, berichtet Daniel weiter und gesteht: „Als Bengtake am nächsten Morgen aufgetaucht ist und uns zur nächsten Tankstelle gefahren hat, waren wir schon sehr erleichtert.“

Ziel erreicht: Daniel und Daniel vorm Kassenhäuschen am Nordkap. Foto: Daniel Klesen
Der Kjeragbolten ist ein kleiner Fels, der zwischen zwei Steilwänden eingeklemmt ist. Hier, 1000 Meter über dem Boden, posiert Daniel für ein Foto. Foto: Daniel Klesen
Als Daniel gut zwei Fahrtstunden vor der norwegischen Stadt Alta sein Zelt aufschlägt, blitzen plötzlich grüne Polarlichter am Himmel auf. Foto: Daniel Klesen

Seit dem 3. November ist Daniel nun wieder zurück in der Bundesrepublik. Zurzeit hält er sich in Leipzig auf. Von dort will er nach Prag trampen und sich dann auf den Weg nach Hause machen. „Weihnachten werde ich daheim feiern“, kündigt der Weltenbummler an. Ohne Schlafsack, ohne gefrorene Klamotten und mit richtig gutem Essen.

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