Improvisationstheater: Jugendliche schlüpfen in fremde Rollen

Improvisationstheater : Jugendliche schlüpfen in fremde Rollen

Einen Schnupperkurs in Sachen Theater gab es für Kinder und Jugendliche beim Ferienprogramm in Tholey. Hier war Improvisation angesagt.

Wo sonst Turnen, Völkerball und Handball auf dem Programm stehen, waren jetzt Mimik, Gestik und Sprachgeschick angesagt. Elaine Neumann, die Generationenbeauftragte der Gemeinde Tholey, führte zehn Jungen und sechs Mädchen in die Welt des Improvisationstheaters ein.

Viel gelacht wurde bei „Stille-Mimik-Post“. Die Teilnehmer standen in einer Reihe und mussten eine Fratze oder Grimasse an den Nachbarn weitergeben. Hier schlüpften drei Jugendliche in die Rollen des Moderators, Experten und der Expertenarme. Vor Spielbeginn musste Jonas, der sich für die Rolle des Experten entschieden hat, den Raum verlassen. Währenddessen überlegten sich die übrigen mit Elaine Neumann eine Erfindung, die der zwölfjährige Schüler aus Tholey erraten musste. Sie einigten sich auf eine Waschmaschine mit Whirlpool. Zurück in der Turnhalle stellte sich Jonas mit seinen Mitspielern auf der gedachten Bühnenfläche als Expertenrunde auf. Dabei stellte sich Lehramtsstudent Niclas Peter hinter Jonas und steckte seine Arme nach vorne zwischen Rumpf und Armen des Schülers durch. Er hatte die Aufgabe, Jonas’ Aussagen mit der passenden Gestik zu begleiten. Moderator Daniel eröffnet die Expertenrunde. Nur er, die Expertenarme und das Publikum kannten die zu erratende Erfindung. Daniel schien die Rolle des Moderators wie auf den Leib geschnitten zu sein. „Meine Mutter sagt immer, ich werde mal Schauspieler, weil ich immer so viel rede“, verriet Daniel, der sich im Rampenlicht sichtlich wohlfühlte und keinerlei Lampenfieber verspürte. Wortgewandt stellte der Elfjährige aus Tholey den Experten vor und begann mit seinem Interview und ersten Fragen. Der Experte musste sich ein Lachen verkneifen und war um keine Antwort verlegen. „Gucken sie doch mal auf ihre Hände“, gab Moderator Daniel Ouharzoune einen Tipp. Hinterspieler Niclas Peter versuchte, mit passenden Armbewegungen, Hinweise auf die zu erratende Erfindung zu geben. „Der Hinterspieler kann mit seinen Bewegungen den Sprechenden unterstützen. Ziel ist es, dass Moderator und Arme des Experten dezente Hinweise geben“, erklärte Elaine Neumann das Rollenspiel.

„Bling, bling, ein Anruf aus dem Publikum“, klinkte sich die Theaterpädagogin zwischendurch in die Expertenrunde ein und gab einen weiteren Tipp. Jonas gefiel das: „Ich finde es gut, mal was ausprobiert zu haben, was ich sonst nicht mache.“ Lehramtsstudent Niclas Peter war begeistert vom Workshop. Der 24-jährige angehende Gymnasiallehrer unterstützt zurzeit die St. Wendeler WIAF (Wege in die Arbeit und Fortbildung) in der Nachmittagsbetreuung der Gemeinschaftsschule: „Die Rollenspiele, die wir heute mit den Schülern gemacht haben, sind bestens geeignet für alle Altersstufen. Auch jüngere und ältere Schüler können zusammen ins Spiel kommen.“ Lars  aus Theley stand an diesem Nachmittag nicht auf der Bühne, sondern schlüpfte in die Rolle des Zuschauers. „Mir hat das viel Spaß gemacht, im Publikum das Theater zu verfolgen“, verriet der 13-Jährige.

Niclas Peter und Jonas Peter (von links) beim Expertenspiel. Foto: Marion Schmidt

Für Elaine Naumann war der Workshop ein großer Erfolg: „Die Schüler hatten alle viel Spaß und haben super mitgemacht. Und dabei sind heute alle Lachmuskeln im sportlichem Einsatz gewesen.“ Auch Jutta Rausch von der WIAF zeigte sich begeistert. Sie betreute an diesem Tag die Jugendlichen in der Ferienbetreuung und regte an, das Improvisationstheater zu wiederholen. Die WIAF habe in diesen Sommerferien in den ersten und den letzten beiden Ferienwochen ein Programm für Schüler rund um die Gemeinde Tholey angeboten. Jutta Rausch: „Jeden Tag stand etwas anderes auf unserem Programm. Etwa 20 bis 25 Kinder pro Veranstaltungstag haben mit uns ihre Ferien verbracht.“

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