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Sie werden flügge: Sorgen um den kleinen Paul

Sie werden flügge : Sorgen um den kleinen Paul

Der Werschweiler Jungstorch mit der Ringnummer AV003 ist verletzt. Trotzdem macht er mit Bruder Peter erste Flugübungen.

Eltern machen sich Sorgen um ihren Nachwuchs. Das ist eine ganz natürliche Sache. Und in der Tierwelt wohl nicht anders als bei uns Menschen. Zwar kann das Weißstorchen-Paar in Werschweiler dieser Tage beobachten, wie ihre beiden Jungstörche erste Flugübungen versuchen. Doch mischt sich in den Stolz wohl auch Sorge. Denn eines der beiden Jungtiere ist verletzt. Nicht der erste Schicksalsschlag, den die tierischen Bewohner Werschweilers hinnehmen müssen.

Am 6. Mai schlüpfte das erste von anfangs vier Küken. Alles schien gut. Doch dann starb einer der Babystörche. Die drei Geschwister wurden am 11. Juni vom Neunkircher Zoodirektor Norbert Fritsch beringt. AV001, AV002 und AV003 lauten die Gravuren auf den Ringen. Außerdem rupfte er ihnen sanft jeweils ein Federchen aus – für die DNA-Analyse im Labor. Danach war klar: Es sind drei Jungs, die von Storch Jean-Jacques und seiner Partnerin Lady Gaga aufgezogen werden. Nur wenige Tage nach der Beringungsaktion meldete sich Peter Volz vom Bund Naturschutz Ostertal (BNO) mit traurigen Nachrichten in der Redaktion: Küken AV 002 ist gestorben. Da waren es nur noch zwei.

Und die beiden sollten nun endlich Namen bekommen. Daher startete Richard Linxweiler vom Rotary-Club St. Wendel-Stadt, der zusammen mit dem BNO die „Aktion Storch“ ins Leben gerufen hat, auf der gleichnamigen Aktions-Homepage einen Namens-Wettbewerb. Einer der eingegangenen Vorschläge lautete Peter und Paul. Das gefiel. „Und so wurde der größere Jungstorch mit dem Ring AV001 auf Peter getauft und der kleinere auf Paul (AV003)“, erklärt Linxweiler.

Der kleine Paul ist es, der jetzt Sorgen bereitet. „Ich habe bemerkt, dass er einen Flügel gar nicht mehr richtig an den Körper anlegen kann“, berichtet Linxweiler. Kurzerhand habe er Fotos von Paul geschossen und diese an einen Veterinär weitergeleitet. „Der Mediziner vermutet, dass Paul sich die Finger gebrochen hat.“ Und zwar jene an den Flügelenden, genauer gesagt an den Handschwingen.

Was können die Naturschützer jetzt tun, um dem Tier zu helfen? „Erst einmal nichts“, bedauert Linxweiler. Laut Experten sei es zu gefährlich, sich jetzt dem Horst zu näher. Die beiden Jungstörche würden flüchten. Für Paul wiederum könnte dieser Fluchtversuch gefährlich sein. „Wir müssen warten bis er es schafft, bei einem Flugversuch auf den Boden zu segeln.“ Dann könnte der Verletzte eingefangen und entweder zu Norbert Fritsch in den Neunkircher Zoo oder nach Theisbergstegen (Kusel) in eine Auffangstation für Störche gebracht werden.

Linxweiler geht davon aus, dass die beiden Jungtiere in dieser Woche noch eifrig Flugversuche starten. „Peter wird es wohl auch schaffen“, ist er zumindest bei einem der beiden zuversichtlich.

Obwohl die Kleinen langsam flügge werden, brauchen sie noch immer die Pflege der Storcheltern. Wie Linxweiler berichtet, verputzt der Nachwuchs zwischen 600 und 700 Gramm Futter am Tag. Das bedeutet, dass sie vier bis fünf Mal am Tag gefüttert werden. Auf dem Speiseplan stehen unter anderem Insekten oder Kleinsäuger wie Mäuse.

Auch wenn die Jungstörche schon recht groß sind, werden sie noch immer gefüttert. Foto: Richard Linxweiler

Trotz der beiden verstorbenen Werschweiler Küken, sei es ein gutes Jahr für Adebar gewesen, bilanziert Linxweiler. Insgesamt 30 Jungstörche seien im Saarland geschlüpft. Davon auch zwei auf der Göckelmühle. „Wir sind die ganze Zeit von nur einem Küken ausgegangen. Aber es sind zwei“, verkündet Linxweiler.