Landratsamt ist Thema der SZ-Serie Geschichtsorte

SZ-Serie Geschichtsorte im Landkreis St. Wendel : Ein Backsteinbau mit Geschichte

Geschichtsorte im Landkreis St. Wendel

Der Landkreis St. Wendel ist aus dem Fürstentum Lichtenberg hervorgegangen. Das heutige Landratsamt wurde um die Jahrhundertwende errichtet.

„Die parkartigen Anlagen ringsum, der überwucherte Wein und das schmiedeeiserne Frontgitter“, notiert 1926 der St. Wendeler Lehrer Nikolaus Obertreis, „verleihen dem Gebäude etwas Altertümliches, Schloßartiges“. Gemeint ist das Landratsamt in der Mommstraße. Das dritte Gebäude, in dem die Kreisverwaltung untergebracht war – und der erste Sitz, den der Kreis selbst gebaut hatte.

Hervorgegangen ist der Landkreis St. Wendel aus dem Fürstentum Lichtenberg. Dieses fällt 1835 an Preußen, aus dem Fürstentum wird ein preußischer Kreis in der Rheinprovinz. Auch wenn das Kreisgebiet im Laufe der Zeit einige Änderungen erfahren hat, so war von Beginn an die Stadt St. Wendel Verwaltungssitz. „Unter dem ersten Landrat Theodor Erasmus Engelmann zog die Verwaltung zunächst ins Amtshaus am Schlossplatz, heute ein Dienstgebäude der Stadt. Hier wohnte auch Engelmann, und hier kam auch der Kreistag zusammen“, erläutert Udo Recktenwald (CDU), der seit 2008 der 16. Landrat des Landkreises ist.

Der erste, Engelmann, stand bis 1848 an der Spitze des Kreises. Sein Nachfolger: Karl Hermann Rumschöttel. 37 Jahre hatte er diese Stelle inne, so lange wie kein Landrat vor oder nach ihm. Dabei wuchsen die Aufgaben der Kreisverwaltung stetig. Schon 1868 befasst sich der Kreistag mit dem Bau eines Kreishauses, falls, so ist der Kreistagsniederschrift vom 12. Dezember 1868 zu entnehmen, „nicht ein als Kreishaus geeignetes Gebäude requiriert werden kann“.

„Requiriert werden“ konnte ein Gebäude. Recktenwald: „Für 48 000 Mark kaufte der Kreis 1879 ein Haus in der Brühlstraße, in dem sich heute das Hotel Posthof befindet. Bereits 1904 wurde es weiterverkauft, und zwar an den Kaufmann Josef Bruch. Bis 1961 war dieses Haus Sitz der Firma Franz Bruch, aus der das Unternehmen Globus hervorging.“

Der Verkauf des Gebäudes in der Brühlstraße war notwendig, denn die Verwaltung und ihre Aufgaben wuchsen weiterhin, der Raum wurde knapp, ein neuer Verwaltungssitz musste her. Und um die Kreisfinanzen war es zudem gut bestellt. Daher beschloss der Kreistag am 29. März 1899: „Es soll hierselbst ein neues Kreishaus auf einem noch zu erwerbenden Bauplatze errichtet werden, enthaltend die Diensträume sowie Wohnung für den Landrath und Oeconomiegebäude.“ Ein Bauplatz wurde in der damaligen Alleestraße, 1918 in Mommstraße umbenannt, gefunden.

So sieht das Landratsamt St. Wendel in der Mommstraße heute aus, ein Backsteinbau im neugotischen Stil –- ein geschichtsträchtiger Ort. Foto: Carolin Selle

Recktenwald: „Der damalige Landrat Alwin von Hagen beauftragte den aus Ostpreußen stammenden und in Saarbrücken wirkenden Architekten Hans Werner Weskalnys, ein neues Kreishaus zu errichten. Wahrscheinlich nahm sich der Architekt die Bauten seiner Heimat zum Vorbild, denn das Gebäude ist ein Backsteinbau im neugotischen Stil, bis 1930 Kreisständehaus genannt.“ Nebenan baute Weskalnys im gleichen Stil ein weiteres Gebäude, in das die Sparkasse zog. Heute sitzt hier ein Teil der Kreisverwaltung, ebenso wie in den Gebäuden neben und hinter dem einstigen Kreisständehaus, die in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg erbaut wurden. Doch auch in der Werschweiler-, Welvert- und Tritschlerstraße sind Teile der Verwaltung untergebracht. Ebenso am Bostalsee, der zum Landkreis gehört. „Ein Landkreis, der heute vielfältige Aufgaben hat, insbesondere als Sozialverwaltung“, sagt Recktenwald. Doch auch eine nachhaltige Regionalentwicklung gehöre dazu. „Vor dem Hintergrund wegbrechender Strukturen geht es vor allem darum, die Zukunft unserer Region zu sichern“, so der Landrat weiter. „Dazu gehört auch, sich mit der Region zu identifizieren, das St. Wendeler Land nicht nur als eine Verwaltungseinheit zu verstehen, sondern auch als eine Emotion.“ Und der Tag des St. Wendeler Landes sei ein Beitrag dazu: am kommenden Sonntag, 9. September, ab 11 Uhr in der Bosener Mühle.