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Amtsarzt: Zahl junger Alkleichen steigt

Amtsarzt: Zahl junger Alkleichen steigt

Andreas Kramer will kein Moralapostel sein. Aber bei Alkoholmissbrauch hört bei ihm der Spaß auf. So sollten Erwachsene Vorbild sein, wenn es um den verantwortungsbewussten Genuss geht. Das ist sein Anliegen während einer SZ-Lesertelefon-Runde.

Schwierig, eine Tendenz mit greifbaren Statistiken zu belegen. Denn vor 30 Jahren und früher hatten sich Verantwortliche noch keine intensiven Gedanken darüber gemacht, wie stark junge Menschen von Alkoholmissbrauch betroffen sind. Dieses Bewusstsein sei erst in der jüngeren Vergangenheit gereift, sagt Andreas Kramer. Der Chef des St. Wendeler Kreisgesundheitsamtes will allerdings beobachtet haben, dass Krankenhäuser derartige Fälle häufiger als zuvor zu schaffen machen.

Woran das liegt? Am unmäßigen Konsum? Könnte sein, aber auch da gebe es keine konkreten Zahlen von früher und heute. Aber: "Ein gewisser Trend hin zu Spirituosen bringt die Probleme mit sich", sagt der 51-Jährige aus seiner persönlichen Erfahrung heraus. Wie es sich konkret im Landkreis St. Wendel verhält, soll demnächst eine vom Landratsamt geplante Studie belegen. Unter anderem stünden dazu Befragungen an. Ein konkreter Termin stehe indes noch aus.

Dass Jugendliche sturzbetrunken, schlimmer noch mit Alkoholvergiftungen zum Ausnüchtern in der Klinik landen, habe denn wohl auch etwas mit empfindsamerem Gespür im Umfeld zu tun. Kramer: "Blieb damals jemand geduldig am Bett des Betrunkenen sitzen, damit er nicht am Erbrochenen erstickt, werden Betroffene heute schneller eingeliefert."

Damit es erst gar nicht dazu kommt, müssten sich Erwachsene vorbildlicher verhalten. "Warum muss der Sieg der Fußball-B-Jugend mit einem Kasten Bier gefeiert werden?", fragt der Amtsarzt. Oder kritische Betrachtung der nahenden Fastnachtszeit - wenn der Nachwuchs nach dem nachmittäglichen Kinderkarneval seine angetrunkenen Eltern am Tresen aufliest und nach Hause bringt. Klare Ansagen bedürfe es zudem bei Geburtstagsfeiern Minderjähriger zuhause. "Es muss Absprachen geben, dass ein 15-Jähriger kein Bier zu seiner Party trinkt." Dabei dürfe der Junge aber nicht wie auf einer Anklagebank behandelt werden. Vielmehr müsse ihm erklärt werden, warum er das nicht darf. Dass der Genuss gesundheitliche Gefahren birgt. Bei Heranwachsenden könne die Entwicklung des Gehirns erheblichen Schaden nehmen. Kramer: "Diese gesundheitlichen Gefahren müssen vermittelt werden." Sachlich müssten die negativen Folgen vor Augen geführt werden.

Kramer will niemand sein, der ein Bierchen oder ein Glas Wein verteufelt. Dennoch mahnt er: "Es gibt keinen unbedenklichen, nur risikoarmen Konsum." Die "goldene Lösung" sei die pure Abstinenz. Für bedenklich halte er den täglichen Genuss. "Zwei Tage pro Woche sollte man schon gänzlich auf Alkohol verzichten", rät er. Und das betreffe jedes Alter.